KZ Majdanek
Das ehemalige Konzentrationslager Majdanek in Polen Bild © picture-alliance/dpa

Er soll als SS-Mann an Massenhinrichtungen beteiligt gewesen sein: Ein 97-Jähriger ist vor dem Frankfurter Landgericht zwar angeklagt worden, der Prozess lässt aber auf sich warten. Das Auschwitz-Komitee spricht von Untätigkeit, die Justiz beruft sich auf Formalien.

Das Internationale Auschwitz-Komitee wirft dem Frankfurter Landgericht Untätigkeit vor: Hintergrund ist, dass vor mehr als einem Jahr zwar Anklage gegen einen ehemaligen SS-Mann im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek erhoben wurde, aber noch immer unklar ist, ob und gegebenenfalls wann es zu einem Prozess kommt.

Vorwurf der Teilnahme an Massenhinrichtung

Der inzwischen 97 Jahre alte Angeklagte soll zwischen August 1943 und Januar 1944 als SS-Wachmann in dem Lager im polnischen Lublin eingesetzt gewesen sein und an der Ermordung von mindestens 17.000 deportierten jüdischen Gefangenen im November 1943 mitgewirkt haben. Die sogenannte "Aktion Erntefest" gilt als die größte Massenhinrichtung im Nationalsozialismus. Dem 97-Jährigen wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Der Sprecher des Frankfurter Landgerichts, Werner Gröschel, wies die Kritik der Organisation ehemaliger Häftlinge und ihrer Angehörigen zurück: "Wir vermeiden diesen Prozess nicht." Die 22. Strafkammer habe das Verfahren seit der Anklageerhebung im Oktober 2017 sachgerecht bearbeitet. Doch das brauche Zeit. Gutachter hätten prüfen müssen, ob der Angeklagte, der in Frankfurt lebt, verhandlungsfähig sei. Auch müsse man Fristen beachten.

Landgericht: Zeitnahe Entscheidung über Verfahren

Die Gutachten lägen inzwischen vor. "Die Strafkammer wird jetzt sehr zeitnah über das weitere Schicksal des Verfahrens entscheiden." Ob und wann es zu dem Verfahren gegen den 97-Jährigen kommt, steht weiterhin nicht fest. Bei Prozessen werden von den Gerichten generell Haftsachen vorgezogen.

"Jenseits jeder Transparenz hat das Landgericht über ein Jahr verstreichen lassen, ohne sich zum weiteren Verfahren öffentlich zu äußern", rügte dagegen der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner. Für die Überlebenden der Shoah reihe sich dieser Fall ein in eine "lange Liste bitterer Negativerfahrungen mit der deutschen Justiz".

28 Verfahren gegen Ex-Wächter von Majdanek

Der Verdacht gegen den ehemaligen SS-Mann stützt sich auf Vorermittlungen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Die Behörde hatte nach Informationen der Frankfurter Rundschau 28 Verfahren gegen Wachmänner des KZ Majdanek an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Das in Frankfurt betriebene ist eines von zwei Verfahren, in denen noch ermittelt wird.

Von den 28 Verfahren wurden 18 bereits eingestellt, weil die Beschuldigten verstarben. Fünf Beschuldigte wurden als nicht verhandlungsfähig eingestuft. In einem Fall konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden, in einem Fall ist der Beschuldigte Österreicher und der Tatvorwurf nach dortigem Recht verjährt. Lediglich in einem Fall kam es schon zu einer Verurteilung.

Sendung: hr-iNFO, 11.12.2018, 16 Uhr