Foto von Petra Rossbrey, wie sie einen Vortrag hält.

Das neue Präsidium der Frankfurter AWO muss eine Doppelaufgabe bewältigen: das operative Geschäft in der Corona-Phase am Laufen halten und den Skandal um Vetternwirtschaft, überhöhte Gehälter und Luxuswagen aufklären. Nun hat Chefin Rossbrey Zahlen präsentiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO Frankfurt häuft Millionenschaden in vier Jahren an

Frankfurter AWO-Zentrale wird durchsucht.
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Kurz ehe Petra Rossbrey, seit Mitte Februar Vorsitzende des Präsidiums der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO), am Donnerstag in der Bürgersprechstunde des Sozialausschusses zur bisherigen Aufarbeitung Stellung nahm, präsentierte sie eine erste Zwischenbilanz. Auf 4,5 Millionen Euro werde der Gesamtschaden für die Jahre 2015 bis 2019 geschätzt - vorläufig.

Allein 1,6 Millionen Euro entfallen dabei auf überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen, zwei Millionen Euro auf das "Abenteuer Flüchtlingshilfe", das sich vor allem wegen Personalkosten und Baumaßnahmen als wirtschaftlicher Verlust erwiesen hatte. Hinzu kamen 900.000 Euro "ungerechtfertigte Spenden" an den AWO-Kreisverband Wiesbaden, zu dem enge personelle Verflechtungen bestanden.

Stadt Frankfurt fordert 600.000 Euro

Für die derzeitige AWO-Führung ist dieses Erbe eine Herausforderung. Zwar sollen die Verantwortlichen des Skandals, gegen die auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen, zur Rechenschaft gezogen werden. Angesichts der Gelder, die bereits fehlen, angesichts Rückforderungen auch der Stadt Frankfurt und gekürzter Zuschüsse nach Bekanntwerden des Skandals war die Planung für das laufende Geschäftsjahr schwierig.

Das Verhalten der früheren Funktionäre hätte "den Verband in die Insolvenz bringen können, wenn wir nicht so entschlossen gehandelt hätten", sagte Rossbrey. So seien für dieses Jahr drastische Sparmaßnahmen und Kostensenkungen von rund 1,5 Millionen Euro beschlossen worden.

"Sich bereichert, als ob es kein Morgen gäbe"

Die Juristin ist als frühere Geschäftsführerin des Fraport-Tochterunternehmens GCS Gesellschaft für Cleaning Service vertraut mit den Themen Sauberkeit und Ordnung. Nun, wo das große Aufräumen seit Monaten andauert, geht sie hart vor allem mit dem einstigen Geschäftsführer ins Gericht. Die früheren Führungsfunktionäre hätten "die AWO ausgeplündert und sich bereichert, als ob es keine Morgen gäbe". Mittel seien "einfach aus der Kasse genommen" worden.

Bei der Untersuchung seien schleichende Prozesse festgestellt worden, wo "der moralische Kompass verloren ging", sagte Vorstand Gerd Romen. "Das ging 2014 langsam los - und dann öffneten sich die Schleusentore." Fehlende Kontrollmechanismen hätten das dann noch weiter beschleunigt. Uneingeschränkter Vertrauensvorschuss und auch Gutgläubigkeit hätten dazu beigetragen, "dass die Dinge so aus dem Ruder laufen konnten", ergänzte Rossbrey.

Bei der Neuaufstellung des Kreisverbands ziehen auch viele Mitarbeiter mit. Dank freiwilligen Gehaltsverzichts von Verwaltungsmitarbeitern ließen sich mehr als 100.000 Euro einsparen, so Romen. "Wir sind eigentlich auf gutem Weg", so Romen. "Wir planen für dieses Jahr mit einer schwarzen Null."

Ex-Chef Richter fordert Gehalt bis 2022

Die teuren Dienstwagen sind mittlerweile verkauft, die neue Dienstwagenregelung lässt nur noch kleinere Fahrzeuge zu. Auch vom Wirtschaftsprüfer hat sich die neue AWO-Führung getrennt. Die Protagonisten des Skandals sind nicht mehr bei der AWO, auch wenn vor dem Frankfurter Arbeitsgericht ein Prozess anhängig ist, weil der frühere Geschäftsführer Jürgen Richter auf Fortzahlung seines Gehalts bis 2022 klagte. Zu den Schadenersatzforderungen des Verbands wollte sich Romen am Donnerstag noch nicht äußern: "Wir wollen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten."

Mit der Stadt ist die neue Führungsriege im Gespräch - auch wenn es in Bezug auf Rückforderungen und eingesetztes AWO-Personal unterschiedliche Auffassungen gibt. Einiges sei schlechter Kommunikation in der Vergangenheit geschuldet gewesen, die etwa zu unrichtigen Angaben geführt hätte, hieß es. Mittlerweile wurde die entsprechende Kommunikation mit der Stadt zur Chefsache erklärt. Am Donnerstagabend sollte es im Sozialausschuss aber vor allem auch um die Zukunft gehen. "Ich will im Stadtparlament um neues Vertrauen werben", betonte Rossbrey.

Sozialdezernentin skeptisch

Das dürfte noch ein längerer Weg werden. Unmittelbar nach Ende der Diskussion im Ausschuss äußerte sich Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) am Abend ein bisschen skeptisch. "Frau Rossbrey geht davon aus, dass der Stadt kein Schaden entstanden ist", sagte sie. "Was die Abrechnung der Flüchtlingsunterkünfte anbelangt, sehe ich noch Klärungsbedarf." Auch die Staatsanwaltschaft ermittele in dieser Angelegenheit weiter.

Sendung: hr-iNFO, 25.6.2020, 18 Uhr