Marlene Dietrich im Einsatz an der Front und als Portrait

Eine Ausstellung in der Gedenkstätte Hadamar beleuchtet die politische Seite der legendären Schauspielerin Marlene Dietrich. Sie zeigt das Engagement der Diva für Migranten und Flüchtlinge - und ist damit überraschend aktuell.

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Dietrich Zeugin
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Mit Marlene Dietrich verbinden sich schillernde Bilder: die langen Beine in ihrer Rolle als laszive Lola im Filmklassiker "Der blaue Engel" (1930) etwa. Mit Chansons wie "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" oder "Lilli Marleen" wurde sie unsterblich.

Dass sich der Hollywood-Star aber auch am Kampf gegen den Nationalsozialismus beteiligt hat, ist in Deutschland weniger bekannt. Genau das will eine Ausstellung ändern, die ab Donnerstag in der Hadamarer Gedenkstätte eröffnet wird.

"Es geht um eine Überzeugung"

Die Wanderausstellung ist eine Zusammenarbeit zwischen der Gedenkhalle Oberhausen und der Berliner Marlene Dietrich Collection. Sie zeigt, welche Haltung Marlene Dietrich zum Nationalsozialismus entwickelt hat und wie ihr Verhältnis zu Deutschland war.

"Es geht um eine Überzeugung", sagt Clemens Heinrichs, Kurator der Ausstellung von der Gedenkhalle Oberhausen. "Von der Attitüde bis zum Umgang mit Menschen waren ihr die Nazis widerwärtig, das ist überhaupt keine Frage".

Plakat der Marlene Dietrich-Ausstellung und Marlene Dietrich im Film "Der blaue Engel"

Hilfe im Stillen

Dietrich hatte Deutschland schon vor der Machtergreifung Hitlers verlassen und war nach Hollywood gegangen. Persönliche Telegramme aus dem Frühjahr 1933 beschreiben, was sie und ihr Mann Rudolf Sieber über die Lage in Nazi-Deutschland dachten. Marlene Dietrich wusste über die Situation jüdischer Künstler Bescheid, ergänzt Heinrichs: "Sie half Emigranten im Exil, ohne es an die große Glocke zu hängen".

Hollywoodstar Marlene Dietrich mit Max Reinhardt und Ernst Lubitsch auf einem Sofa

Im Mai 1933 hörte Marlene Dietrich auf einer Schiffsreise nach Europa im Radio eine Rede Hitlers, die sie sehr schockierte. Sie brach die Reise ab und ging in Frankreich von Bord. Deutschen Boden betrat sie erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg.

Truppenbetreuung an der Front

Die Nationalsozialisten hatten mehrfach versucht, sie für ihre Zwecke einzuspannen. Doch die gebürtige Berlinerin lehnte Angebote immer ab, obwohl ihre Mutter, ihr Mann und ihre Tochter noch in Deutschland lebten. 1939 nahm Marlene Dietrich die US-Staatsbürgerschaft an und war ab 1944 in der amerikanischen Truppenbetreuung aktiv. Fotos zeigen sie im Einsatz an der Front, wo sie für US-Soldaten sang.

Marlene Dietrich steht in einem US-Jeep

Ihr entschiedener Einsatz für die US-Armee wurde Marlene Dietrich noch lange nach Kriegsende vorgeworfen. Sie wurde während einer Deutschland-Tournee 1960 unter anderem als "Vaterlands-Verräterin" bezeichnet. Sie kehrte danach nur selten nach Deutschland zurück und lebte bis zu ihrem Tod 1992 in Paris. Umso überraschender war es, dass sie auf eigenen Wunsch in ihrer Heimatstadt Berlin bestattet wurde. Das Grab wurde mehrfach geschändet.  

Einsatz für Flüchtlinge und gegen Ausgrenzung

Für Kurator Clemens Heinrichs hat die Ausstellung ganz eindeutig einen aktuellen Bezug. "Marlene Dietrich steht für eine Haltung, Migranten und Flüchtlingen zu helfen und sich gegen Ausgrenzung zu wenden". Die Wanderausstellung in Hadamar ist bis 31.Oktober zu sehen. Zum Rahmenprogramm gehören eine Filmvorführung, eine Lesung und ein Liederabend.

Weitere Informationen

Begleitprogramm zur Ausstellung

  • Lesung zur Exilliteratur am 19. September, 19 Uhr mit Karin Kettling, Oberhausen. Veranstaltungsort: Festsaal der Vitos Klinik Weil-Lahn
  • Film: Beate und Marlene – eine Gesellschaft braucht die Ausnahmen. Gespräch mit dem Filmemacher Hendrik Lietmann am 10. Oktober, 19 Uhr. Veranstaltungsort: Gedenkstätte Hadamar
  • Politischer Liederabend am 29. Oktober, 19 Uhr, mit Karin Kettling und Holger Kirleis. Veranstaltungsort: Festsaal der Vitos Klinik Weil-Lahn.
  • Nähere Informationen: Gedenkstätte Hadamar, Mönchberg 8, 65589 Hadamar, Telefon 06433 917172  
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 22.8.2019, 8:45 Uhr