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Audioseite Ausstellung im Fadenkreuz

Ein Bild mit sehr vielen kleinen Portraits (aneinandergereiht) der betroffenen Menschen.

57 Menschen, die ganz unterschiedliche Leben führen. Doch sie haben eines gemeinsam: Sie stehen im Fadenkreuz von Rechtsextremen. Dazu gibt es eine Ausstellung in Kassel.

"Ich möchte keinem Rechten das Gefühl geben, dass ich mich verstecke", sagt Ilana Katz aus Kassel. Ihr sei es wichtig zu zeigen, dass sie Antisemitismus und Rassismus nicht hinnehme. Schweigen bringe keine Veränderung, eher eine Verschlimmerung der Situation. Aus diesem Grund habe sie sich dazu entschieden, dass ein großes Bild von ihr auf öffentlichen Plätzen in verschiedenen Städten zu sehen sein soll. Es ist eines von 57 Porträts in der Wanderausstellung "Menschen - Im Fadenkreuz des rechten Terrors".

"Das erste Mal habe ich gelacht"

Gestaltet wurde die Ausstellung vom gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv, das die Porträts auch auf seiner Website zeigt. Durch das Projekt sollen die Betroffenen eine Stimme erhalten. Denn oft seien es Menschen wie du und ich, die auf solchen Feindeslisten stehen. Neben jedem Foto steht eine Geschichte aus dem Alltag der Betroffenen. Bei Katz ist es ein Erlebnis aus ihrer Arbeit in der Altenpflege.

Im Außenraum, an der Treppenstraße in Kassel sind Bilder und Texte auf und ausgestellt. Im Vordergund ist zum Beispiel ein großes Portrait von Kai Lauterbach zu sehen. Auf einer Tafel daneben steht der Text "Menschen".

Correctiv geht davon aus, dass deutschlandweit rund 20.000 Menschen auf solchen Listen zu finden sind. Darunter sind Politiker, Künstler, Journalisten und Wissenschaftler. Und weniger herausgestellte Personen.

Ilana Katz erfuhr vor Jahren durch Zufall, dass sie auf einer Liste steht: Sie suchte online einen Artikel über sich und stieß dabei auf eine Tabelle, in der ihr Name stand. "Das erste Mal habe ich gelacht", erinnert sie sich. Sie hielt sich für zu unwichtig, um im Visier von Rechten zu sein. Katz vermutet, dass sie auf der Liste gelandet ist, weil sie Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Kassel ist.

Rechtsextremismus nimmt zu

Auch Walter Lübcke, der ehemalige Regierungspräsident aus Kassel, stand auf einer solchen Liste. Im Juni 2019 wurde er ermordet, als Täter wurde Anfang des Jahres ein Rechtsextremer verurteilt. Katz kannte Lübcke persönlich. Durch seinen Tod wurde ihr erst bewusst, wie ernst die Lage ist. Am meisten habe sie sich immer um ihre Familie gesorgt.

Die Ermordung Lübckes und das rassistische Attentat in Hanau zeigen Katz, wie aktuell das Thema ist. Sie hat den Eindruck, dass Anfeindungen zunehmen und Antisemitismus salonfähiger wird, wie sie dem hr sagt.

Kassel als Station

Die Wanderausstellung ist noch bis Freitag in Kassel zu sehen. Am Scheidemannplatz und in der Treppenstraße stehen die Aufsteller mit den Porträts. In den Städten, in denen die Ausstellung zu sehen ist, gab es jeweils einschneidende rechtsextreme Vorfälle. NSU-Morde gehören dazu. Das ist auch der Grund, warum die Ausstellung in Kassel Halt macht. 2006 wurde Halit Yozgat erschossen, einige Jahre später wurde ein Platz in der Stadt in Gedenken an ihn umbenannt.

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