Awo Kreisverband in Frankfurt

Die AWO Frankfurt schätzt den Schaden durch ehemalige Funktionäre nunmehr auf 6,3 Millionen Euro. Nach schweren Liquiditätsengpässen hat sich die Situation des Kreisverbandes unterdessen etwas gebessert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO-Aufarbeitung dauert an

Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld
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Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hat den durch die ehemalige AWO-Führung entstanden Schaden nach oben korrigiert. War die neue Chefin Petra Rossbrey im Juni noch von einem geschätzten Gesamtschaden von 4,5 Millionen Euro für die Jahre 2015 bis 2019 ausgegangen, berichteten der hauptamtliche Vorstand und das ehrenamtliche Präsidium am Montag von 6,3 Millionen Euro. Das sei aber immer noch eine vorläufige Bilanz.

"Wir prüfen alle uns zur Verfügung stehenden Optionen, um unseren Schaden reguliert oder ersetzt zu bekommen", sagte Steffen Krollmann, der Vorstandsvorsitzende des Kreisverbands. Allein 3,5 Millionen Euro Schaden seien durch überhöhte Personal- und Honorarkosten entstanden sowie 650.000 Euro Schaden durch überhöhte Fahrzeugkosten. Die Wagen des überteuerten Fuhrparks, darunter ein Geländewagen und ein Cabrio, seien mittlerweile verkauft, so Krollmann.

Verfahren um fristlose Entlassung

Die ehemalige AWO-Führung steht im Mittelpunkt eines Skandals um überhöhte Einkommen und Luxus-Dienstwagen, der im vergangenen Jahr öffentlich wurde. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Verantwortliche wegen Betrugsverdachts. Derzeit läuft vor dem Frankfurter Arbeitsgericht das Verfahren um die fristlose Entlassung des ehemaligen AWO-Geschäftsführers.

Seit einem halben Jahr hat die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt ein neues ehrenamtliches Präsidium, das die Aufarbeitung des Skandals einleitete und einen neuen hauptamtlichen Vorstand bestellte.

Finanzvorstand stellt für 2020 schwarze Null in Aussicht

Nach schweren Liquiditätsengpässen hat sich die Situation der AWO wieder gebessert, seit das Frankfurter Bildungsdezernat einbehaltene Zahlungen für den Kita-Bereich wieder aufgenommen hat. Finanzvorstand Axel Dornis stellte für 2020 eine schwarze Null in Aussicht.

Gänzlich entspannt sei die Lage aber noch nicht. Noch immer halte die Stadt Zahlungen in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro zurück, sagte Krollmann. Wenn diese Gelder freigegeben werden, könne auch in die Erneuerung von Awo-Einrichtungen investiert werden. Zur externen Kontrolle habe sich die AWO neue Wirtschaftsprüfer geholt, sagte Dornis. Diese würden sich mit der Prüfung der Geschäftsjahre 2014 bis 2020 befassen.

"Wir haben das System verstanden"

Der Schaden durch das frühere Führungsgremium sei immens - "wirtschaftlich und moralisch", betonte Rossbrey. "Wir werden alle Einzelheiten aufklären", versprach sie. "Wir haben das System verstanden", betonte sie. Davon hätten nach dem Motto "Teile und herrsche" viele profitiert.

Es sei aber ermutigend, dass die meisten Mitarbeiter einsichtig seien und freiwillig auf den überhöhten Teil ihres Gehalts verzichteten. "Wir wollen den Mitarbeitern auch die Chance geben, ihren moralischen Kompass zu korrigieren und jetzt Wiedergutmachung zu leisten, indem sie uns unterstützen, um unsere AWO wieder auf Kurs zu bringen", so Rossbrey.

Sendung: hr-iNFO, 12.10.2020, 16 Uhr