Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt geht nach den Betrugsvorwürfen offenbar das Geld aus, den Kitas droht die Schließung. Um das zu verhindern, hat die Stadt eine Kürzung der Zahlungen an den Verband wieder rückgängig gemacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadt setzt Kürzung der Zahlung an AWO vorerst aus

Awo Kreisverband in Frankfurt
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Weil der Awo offenbar das Geld ausgeht, hat die Stadt Frankfurt eine Kürzung der Zahlungen an den Wohlfahrtsverband vorerst zurückgenommen. Das teilte Bildungsdezernentin Sylvia Weber am Montag mit. Damit will sie eine drohende Schließung der Awo-Kitas verhindern.

Vergangenes Jahr hatte die Stadt die Zuschüsse an die Awo nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe gegen den damaligen Vorstand um zehn Prozent gekürzt. Der Kreisverband Frankfurt hatte offenbar über Jahre zu viel Geld für die Kitas von der Stadt kassiert.

"Massive Liquiditätsengpässe"

"Die Awo Frankfurt hat uns als Stadt gegenüber massive Liquiditätsengpässe angezeigt", sagte Weber laut einer Mitteilung. Somit sei der Erhalt der sozialen Infrastruktur und der Arbeitsplätze nicht mehr sicher gewährleistet.

"Wir reden schließlich über rund 1.200 Kinder in 19 Kitas und 321 Arbeitsplätze", erklärte Weber ihre Entscheidung. Die Aufhebung der Kürzungen gelte vorerst bis Ende des Jahres.

Kita-Plätze haben "oberste Priorität"

Weber stehe auch weiterhin zu den Kürzungen. Allerdings habe die Sicherung der Kita-Plätze für sie "oberste Priorität". Mit ihr werde es keine durch die Stadt herbeigeführte Insolvenz der Awo geben.

Ein Schlussstrich sei das für sie aber nicht: "Wir wollen genau wissen, ob und wenn ja wie viel Geld der Frankfurter Steuerzahler veruntreut wurde", versicherte Weber. Die neue Führungsmannschaft der Awo versuche aufzuklären und Transparenz zu schaffen.

Bislang seien rund eine Million Euro einbehalten worden. Auch wenn noch nicht feststehe, wie hoch die Forderungen der Stadt an die Awo ausfallen, sei es wahrscheinlich, dass diese Summe ausreicht.

Awo zeigt sich erleichtert

Awo-Finanzvorstand Axel Dornis zeigte sich erleichtert und sprach von einer "lange fälligen Entscheidung": "Wir haben alle Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Betrieb und der Abrechnung unserer 19 Kindertagestätten transparent dargestellt, Missverständnisse ausgeräumt und offene Fragen geklärt."

Das Sozialdezernat hält hingegen weiterhin an der Kürzung der Verwaltungskostenpauschale fest. Hier handele es sich um wesentlich geringere Summen als im Bildungsdezernat, sagte ein Sprecher. Der Prüfbericht zur Awo sei vor zwei Wochen eingegangen. "Wir sehen noch Klärungsbedarf."

Sendung: hr-iNFO, 07.09.2020, 15.40 Uhr