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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO-Mitarbeiter übernachten im Adlon

Das Adlon-Hotel in Berlin

Nicht nur manches Gehalt in der Zentrale der Frankfurter AWO muss höchsten Ansprüchen genügen. Auf einer Dienstreise nach Berlin stiegen Mitarbeiter im Hotel Adlon ab – und erhielten nun eine späte Nachforderung.

450 PS unter der Haube des Dienstwagens, mehrere hunderttausend Euro an Geschäftsführergehältern: Für manche in Frankfurt oder Wiesbaden war die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ein ausgesprochen guter Arbeitgeber. Die Affären bringen nun ans Licht, dass bei dem Sozialverband auch Unterkünfte bei Dienstreisen nicht 08/15 sein mussten.

Nach hr-Recherchen haben drei Mitarbeiter der wegen hoher Gehälter und teurer Dienstwagen in die Kritik geratenen Kreisverbände dienstlich im Berliner Luxushotel Adlon übernachtet. Der Fall liegt vier Jahre zurück, kam aber jetzt erst im Zuge der Affären ans Licht.

Gegen die Regeln

Aufgefallen seien die Übernachtungskosten bei einer internen Überprüfung, die im September 2019 begonnen hat, sagte AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter auf Anfrage. Zum Zeitpunkt der Dienstreise seien wegen eines Staatsbesuches in Berlin keine anderen Zimmer verfügbar gewesen.

Laut Richter sollen die Mitarbeiter inzwischen einen Betrag von rund 2.500 Euro zurückbezahlt haben, weil die Kosten über dem in den Compliance-Regeln für Übernachtungen vorgesehenen Rahmen lagen. Dieser orientiert sich nach Angaben des AWO-Bundesverbands am Bundesreisekostengesetz. Angemessen sein dürften demnach Preise von etwa 80 Euro pro Nacht für ein Mittelklassehotel.

Mit 200 Euro pro Nacht hätten die Mitarbeiter einen "Sonderpreis" des Adlon genutzt. In seiner Antwort, die er dem hr über einen Medienanwalt zukommen ließ, legte Richter Wert auf die Feststellung: Weder er noch seine Ehefrau Hannelore oder ihr Sohn Gereon, der zwischenzeitlich in der Wiesbadener AWO-Geschäftsführung saß, hätten dienstlich im Adlon übernachtet.

Vorwürfe und Rücktritt

Hannelore Richter war bis vor kurzem Geschäftsführerin der AWO Wiesbaden. Das Gehalt, das sie dort bezog, sorgt dort mit anderen Ausgaben seit einigen Tagen für Diskussionen. Der ehrenamtliche Vorsitzende der AWO Wiesbaden trat wegen der Vorwürfe, die zum größten Teil berechtigt seien, zurück.

Die AWO gilt als gemeinnützig und finanziert sich ganz überwiegend aus staatlichen Zuwendungen.

Sendung: hr4, 10.12.2019, 16.30 Uhr

Update: Zwischenzeitlich hat Gereon Richter unter dem öffentlichen Druck seinen Rückzug aus der Geschäftsführung der AWO Wiesbaden erklärt. Das teilte die Vize-Vorsitzende der AWO-Wiesbaden, Elke Wansner, am 11.Dezember auf Nachfrage auf einer Pressekonfererenz in Wiesbaden mit.

Gegendarstellung:

Auf hessenschau.de wurde am 10.12.2019 unter der URL https://www.hessenschau.de/gesellschaft/awo-mitarbeiter-stiegen-dienstlich-im-luxushotel-adlon-ab,awo-dienstreisen-adlon-100.html folgende Aussage über uns verbreitet: "In seiner Antwort (...) legt Richter Wert auf die Feststellung: Weder er noch seine Ehefrau Hannelore oder ihr Sohn Gereon, der inzwischen in der AWO-Geschäftsführung sitzt,(...)"

Hierzu stellen wir fest: Herr Gereon Richter sitzt nicht mehr in der Wiesbadener AWO-Geschäftsführung."

Wiesbaden, den 16.12.19

Elke Wansner

Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Wiesbaden e.V., vertreten durch Elke Wansner als stellvertretende Vorsitzende