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Audioseite AWO Frankfurt fordert 3,2 Mio zurück

Das Bürogebäude des AWO Kreisverbandes in Frankfurt. An der roten Hauswand steht in großen Lettern "AWO FFM".

Neuer Verdacht im AWO-Skandal: Der Frankfurter AWO-Kreisverband soll von der AWO Wiesbaden um Personalkosten in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro betrogen worden sein. Kontrollen sollen gefehlt haben. Gegen fünf Beteiligte läuft eine Strafanzeige.

Jahrelang sollen sich die Kreisverbände der Arbeiterwohlfahrt in Wiesbaden und Frankfurt gegenseitig überhöhte Gehälter zugeschanzt haben. Jetzt lässt sich eine neue Schadenssumme beziffern:

Um rund 3,2 Millionen Euro soll die AWO Frankfurt betrogen worden sein, wie sie am Donnerstag mitteilte. Dieses Geld verlangt sie nun zurück: Die Forderung sei beim Insolvenzverwalter gestellt worden, sagte der Vorstandsvorsitzende der AWO-Frankfurt, Steffen Krollmann. "Wir gehen davon aus, dass wir Teile wiederbekommen".

Falsche Abrechnungen, fehlende Prüfung

Über mehrere Jahre habe die AWO Wiesbaden Personalkosten falsch abgerechnet: Dabei habe sie Geld für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kassiert, die dort gar nicht beschäftigt waren, heißt es in der Mitteilung. Auch die Höhe der abgerechneten Summen sei nicht gerechtfertigt. Bezahlt habe sie der Kreisverband Frankfurt - wohl, weil interne Kontrollen versagt haben.

"Die Zahlungen waren nur möglich, weil die Rechnungen nicht auf sachliche Richtigkeit geprüft wurden", teilte die AWO Frankfurt weiter mit. "Eine ordnungsgemäße Prüfung hätte den Betrug aufdecken müssen." Zwei Verantwortliche aus dem Rechnungswesen seien daher fristlos entlassen worden.

Gegen sie und drei weitere Personen hat die AWO nach eigenen Angaben Strafanzeige gestellt. Sie wolle möglicherweise Schadensersatz fordern. Der Frankfurter Vorstandsvorsitzende, Krollmann, sagte, sei er auf den Betrug erst durch eine hr-Anfrage zu manipulierten Mitarbeiterabrechnungen aufmerksam geworden.

Auch Stadt Frankfurt wurde geschädigt

Auch die Stadt Frankfurt verlor durch falsche Abrechnungen der AWO viel Geld: Wie kürzlich bekannt wurde, liegt der Schaden hier bei rund zwei Millionen Euro.

Die AWO soll der Stadt Dienstleistungen für die Betreuung von Flüchtlingen in Rechnung gestellt haben, die sie nicht erbracht hat. Außerdem soll sie Personal-Listen manipuliert, Ehrenamtspauschalen erfunden und angeblich Sportkurse für Geflüchtete angeboten, aber nie abgehalten haben.

Auslöser der AWO-Affäre war ein hr-Bericht über ein überhöhtes Gehalt der Ehefrau des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) als Kitaleiterin bei der AWO. In den beiden Kreisverbänden Wiesbaden und Frankfurt sollen sich die Beteiligten gegenseitig überhöhte Gehälter und Honorare in Rechnung gestellt haben. Geschäftsführerin in Wiesbaden war währenddessen Hannelore Richter, Chef der AWO-Frankfurt war ihr Ehemann, Jürgen Richter.

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