Bad Orb Barrierefreiheit

Rund 9000 Einwohner leben in Bad Orb. 38 Prozent sind über 60 Jahre alt. Eine Entwicklung, die mit den nächsten Jahren noch dramatischer wird. Schon jetzt ist der Kurstandort Hessens Stadt mit dem ältesten Durchschnittsalter. Wie sich eine Kleinstadt auf das Alter vorbereitet.

Ein silberner Pkw steht vor der Ampel. Es ist rot. Eine ältere Dame schiebt sich mit ihrem Rollator bis zum Straßenrand. Noch ist grün für die Fußgänger. Die Frau betritt die Frankfurter Straße. Die Straße mit dem meisten Verkehrsaufkommen in Bad Orb. Sie kriecht über die Straße, von der einen zur anderen Seite. Hetzen braucht sich die Seniorin hier nicht. Das grüne Ampelmännchen leuchtet hier einige Sekunden länger als üblich. Damit es auch jeder über die Straße schafft.

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Daten & Fakten

Keine Stadt in Hessen ist "älter" als Bad Orb. Mit einem Durchschnittsalter von 50,3 Jahren ist Bad Orb die Stadt mit den ältesten Einwohnern in Hessen. Das Durchschnittsalter für gesamt Hessen ist niedriger - die Hessen sind im Schnitt 43,7 Jahre alt.
In Bad Orb sind rund 38 Prozent der Einwohner über 60 Jahre, 26 Prozent über 70 Jahre alt. Das belegen Zahlen des Einwohnermeldeamts für das Jahr 2014.

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Die verlängerte Grünphase der Fußgängerampel ist ein erster Schritt in Richtung Barrierefreiheit. Die Kurstadt rüstet sich gegen das hohe Alter, denn Bad Orb wird immer älter. Nicht die Stadt selbst, sondern seine Einwohner. Im Durchschnitt ist die Kurstadt im Main-Kinzig-Kreis 50 Jahre alt. Fast sieben Jahre älter als der hessische Durchschnitt. Ein neues Stadt-Leitbild soll her und damit auch mehr Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer, Senioren mit Rollatoren, Müttern mit Kleinkindern und Kinderwagen, Menschen mit Krücken. Für Menschen, die ihr Leben lang beeinträchtigt sind oder nur acht Wochen. "Barrierefreiheit bedeutet, dass jeder mit oder ohne Handicap am alltäglichen Leben teilnehmen kann. In allen Bereichen", erklärt Kurt Acker vom Sozialverband VdK in Bad Orb. Barrierefreiheit heiße Gleichberechtigung. Im Alter oder mit Behinderung. Ein Faktor, der immer wichtiger werden wird im alternden Bad Orb. Noch ist in der 9000-Einwohner-Stadt längst nicht alles barrierefrei.

Ein Umdenken im Kopf

Bürgermeister Bad Orb Roland Weiß

Was bisher gefehlt habe? Ein Umdenken, sagt Bürgermeister Roland Weiß: "Bei jeder Straßensanierung, bei jeder Gebäudesanierung müssen wir die Barrierefreiheit im Hinterkopf haben." Kein Umbau der Konzerthalle, keine Sanierung der Lesehalle ohne Rücksicht auf die Barrierefreiheit. Denn gezielte finanzielle Mittel für Barrierefreiheit gebe es nicht. Diese Weitsicht hat bisher gefehlt:

Vor verschlossenen Türen

Das Behinderten WC ohne elektrischen Türöffner

Im Kurpark steht die neu renovierte Lesehalle. Es gibt ein kleines Café, eine Indoor-Saline zum Relaxen, einen Raum mit Sitzplätzen und - eine Behindertentoilette, die nicht barrierefrei ist. Das Problem: Es fehlt der elektrische Türöffner. Kein Rollstuhlfahrer kann die Tür aus eigener Kraft aufziehen. Ein Umstand, der bei der Umgestaltung der Lesehalle vergessen wurde.

Die schweren Glastüren als Barriere zum Eintritt in die Konzerthalle

Elektrische Eingangstüren fehlen auch an der Konzerthalle in Bad Orb. Hier finden alle kulturellen Ereignisse statt: Theater, Oper, Konzerte und Comedy. Eigentlich für jedermann. Vorausgesetzt, man gelangt in die Halle. Barrierefrei ist die nicht. Massive Glastüren versperren den Eingang. Dennoch: Ein barrierefreies WC gibt es.

Stolperfallen im Kurpark und auf dem Salinenplatz

Der Salinenplatz im schlechten Zustand

Der Salinenplatz in Bad Orb: Kopfsteinpflaster, alt, löchrig und uneben. Eine Stolperfalle für Senioren, ein Kampf für Rollstuhlfahrer. Frost und Wetter haben die Gehwege im Kurpark zerstört. Orte, die Aushängeschilder der Stadt sind. Orte, an denen in Bad Orb der Weihnachtsmarkt oder andere Feste gefeiert werden. An denen dadurch nicht jeder teilnehmen kann. Gleichberechtigung? Fehlanzeige.

Ein neues Leitbild für Bad Orb

Bad Orb will sich auf das steigende Alter vorbereiten - und plant ein neues Stadt-Leitbild. Die Ausgangsfrage: Wie soll Bad Orb im Jahr 2030 aussehen? Bürgermeister Roland Weiß und der Ortsverband vom VdK sind sich sicher: barrierefrei. Doch die Stadt entwickelt das Leitbild nicht allein. Eine Stadtmarketingexpertin steht Bad Orb zur Seite, außerdem sind die Einwohner selbst gefragt: 200 Orber arbeiten freiwillig an den Vorbereitungen für das neue Image der Stadt mit.

Und das in vier verschiedene Arbeitsgruppen: Stadtentwicklung, Wirtschaft und Tourismus, Gesundheit und Soziales, Freizeit- und Kulturangebote. Und die Barrierefreiheit? Die greife in alle Bereiche, erklärt Bürgermeister Weiß. Kulturangebote müssten barrierefrei sein, die Infrastruktur der Stadt ebenso.

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So findet Bad Orb sein neues Leitbild

Zuerst werden in den Arbeitsgruppen Maßnahmen zu den verschiedenen Themen entwickelt. Jede Arbeitsgruppe setzt sich zweimal zusammen. Diese Maßnahmen gehen im nächsten Schritt an ein Kompentenzzentrum. Diese bündeln die Ergebnisse, entwickeln ein Leitbild-Vorschlag. Dieser wird im Frühjahr 2017 in einer Bürgerversammlung diskutiert werden - und gegebenenfalls verabschiedet.

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Im Frühjahr 2017 soll es soweit sein: In der Stadtverordnetenversammlung soll über das entwickelte Leitbild entschieden werden. Kurt Acker vom VdK in Bad Orb hofft, dass dort dann auch steht, "Bad Orb soll barrierefrei werden". Wichtig, denn aus dem Leitbild werden ab dem Frühjahr 201 konkrete Schlüsselprojekte entstehen. Eins könnte dann heißen: Neugestaltung des Salinenplatzes. Oder: Umbaumaßnahmen der Konzerthalle.

Bisher barrierefrei

Völlig aufgeschmissen ist man in Bad Orb als Senior trotz allem nicht. Der Kurort hat schon einiges in Sachen Barrierefreiheit angestoßen. Einzelne Punkte, Schritt für Schritt. Nur fehle eben bisher das allgemeine Grundverständnis, dass die Altersstruktur zur Barrierefreiheit aufruft, findet Weiß.

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Bushaltestellen sind seitens der Stadt umgebaut worden, viele Geschäfte in der Innenstadt hätten mit Rampen aufgerüstet, es gibt Fitnessgeräte für Rollstuhlfahrer im Kurpark. Orberin Elsbeth Ziegler, die kurzzeitig im Rollstuhl saß, hat die Stadt darauf hingewiesen, dass kein Rollstuhlfahrer ohne Hilfe die Eingangstür zur Lesehalle öffnen kann. Jetzt ist die Tür elektrisch.