Online-Reservierungen, Hygienekonzepte, beschränkte Besucherzahl - die Freibäder in Hessen haben wieder geöffnet. Vieles ist gewöhnungsbedürftig. Und nicht alle Bäder machen gleich wieder auf.

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hs
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Ausgelassener Freibadspaß sieht anders aus, aber das liegt an diesem Montagmorgen wohl auch am Wetter und nicht nur an Corona. Immerhin: Fünf Badegäste haben im strömenden Regen den Sprung ins Nass des Laubacher Freibads (Gießen) gewagt, wie der Betriebsleiter Daniel Heil mitteilt. Er freue sich trotzdem, dass es nun überhaupt wieder losgeht, sagt er.

In Laubach fühlt man sich gut vorbereitet. Seit April habe man bereits auf einen verspäteten Saisonstart gehofft und darauf hingearbeitet, so Schwimmmeister Daniel Heil: Die Becken seien gereinigt, das Hygienekonzept entsprechend der Vorgaben der Landesregierung stehe.

So läuft die Öffnung praktisch ab

Viele der seit Montag geöffneteten Bäder haben Online-Reservierungssysteme entwickelt, andere führten verkürzte Öffnungszeiten ein. In Laubach kann man Eintrittskarten vor Ort kaufen. Es gibt über den Tag verteilt drei Öffnungsperioden, zwischen denen eine komplette Grundreinigung stattfindet. Mit Absperrbändern wurden neue Wege und Wartepunkte markiert, überall hängen Hinweisschilder, die etwa erklären, wie viele Personen beispielsweise gleichzeitig duschen dürfen.

Ein Hinweisschild, das zeigt, wie viele Personen gleichzeitig duschen, in die Umkleide und auf die Toilette dürfen

Die Besucherzahl in jedem Zeitfenster wurde auf 500 Personen begrenzt, ins Schwimmbecken selbst dürfen höchstens 125 Personen auf einmal. Für jeden seien im Becken fünf Quadratmeter vorgesehen, erklärt Schwimmmeister Heil. Aber viel mehr Menschen seien auch unter normalen Umständen selten im Wasser, sagt er. Das Bad habe an Spitzentagen rund 800 Besucher, die könne man nun trotz Corona über den Tag verteilt aufnehmen.

"Ein Supermarktbesuch ist riskanter"

Im Wasser selbst hält der Schwimmmeister die Gefahr einer Ansteckung für gering: "Experten sind sich einig, dass das Virus durch das Chlor abgetötet wird," sagt Heil. "Da ist ein Supermarktbesuch deutlich riskanter", glaubt er. Er hoffe deshalb, dass die Menschen keine Angst hätten und das Freibad dieses Jahr trotz allem besuchten.

Durch die verkürzte Saison brauche man jetzt finanziell gesehen sogar besonders viele Gäste. Rechnen würde sich die Öffnung trotzdem nicht. "Freibäder in dieser Größenordnung sind jedes Jahr ein Zuschussgeschäft und dieser Betrag wird dieses Jahr noch höher werden", fürchtet er. "Aber gerade weil ja bei vielen Leuten der Sommerurlaub dieses Jahr wegfallen, wollen wir ihnen diesen Sommer im Freibad etwas bieten", so Heil.

Viele andere Bäder sind noch zu

Doch nicht überall in Hessen öffnen die Bäder gleich wieder: Während etwa in Frankfurt seit Montag wieder alle außer dem Riedbad geöffnet haben, fahren viele andere Freibäder erst langsam wieder ihren Betrieb hoch oder feilen noch an Hygienekonzepten. Maskenpflicht herrscht übrigens in den meisten Bädern nur bis zur Umkleidekabine.

Manche Betreiber erklären, dass es noch Wochen dauern könnte, bis wieder geplanscht werden könne. In Kassel und Marburg etwa müssen sich Besucher noch mindestens zwei Wochen gedulden. Bei anderen Freibädern steht noch gar kein Termin fest. Manche überlegen, ob sie überhaupt noch in diesem Jahr öffnen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So läuft der Start in die Corona-Freibadsaison

Ein leeres Schwimmbecken mit Absperrband
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Die Stadt Hanau etwa hatte schon früh angekündigt, dass ihre Freibäder in diesem Jahr geschlossen bleiben. Um Geld zu sparen, begann die Stadt erst gar nicht mit den Vorbereitungen für einen möglichen Start und schickte die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit.

Hanau will bis zu den Sommerferien doch aufmachen

Nun hat die Stadt aber doch entschieden, die Bäder dieses Jahr noch zu öffnen. Doch wie lange das dauern wird, ist noch unklar, erklärt Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann. Ab diesem Montag werde das Wasser langsam abgelassen, dann müssten die Becken gereinigt, auf Schäden untersucht und gegebenenfalls repariert werden. Erst dann könne man frisches Wasser einlassen, allein das dauere mehrere Tage.

Das Ziel sei aber, dass die Hanauer bis zum Anfang der Sommerferien in drei Wochen wieder ins Freibad können. Dass sich die Stadt nun trotz der erheblichen finanziellen Einbußen dazu entschieden habe, erklärt Pressesprecher Haas-Feldmann damit, dass auch in der Hanauer Bevölkerung der Wunsch nach einem Bad im Freibad in diesem Sommer besonders groß sei.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.06.2020, 19.30 Uhr