Der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Ob Frankfurt oder Gießen: Viele hessische Bahnhöfe werden inzwischen videoüberwacht. Ausgerechnet im großen Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe verzichtet die Bahn bisher darauf. Das soll sich ändern – aber erst im kommenden Jahr.

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ICE in Kassel-Wilhelmshöhe
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Der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, einer der größten in Hessen, soll von Ende 2021 an videoüberwacht werden. Das hat die Deutsche Bahn dem nordhessischen Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels (SPD) mitgeteilt, wie dieser am Montag bestätigte.

Gremmels hatte sich im August an die Deutsche Bahn gewandt. Kurz zuvor war in Frankfurt ein Kind vor einen ICE gestoßen worden und gestorben. Das sei aber nicht der unmittelbare Anlass für seine Anfrage gewesen, sagte Gremmels dem hr am Montag. Der Politiker hatte sich bei Gesprächen mit der Bundespolizei am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe gewundert, dass es die Kameraüberwachung dort nicht schon gibt.

Nicht nur in Frankfurt gibt es sie längst, sondern auch an anderen, kleineren Bahnhöfen wie Gießen oder Marburg.

"Unterstützung der polizeilichen Ermittlungsarbeit"

Nun machte die Deutsche Bahn die Zusage, wie die HNA zuerst berichtete. Die Kameras sollen im vierten Quartal 2021 eingebaut werden, wie Gremmels weiter sagte. Wegen der Ausschreibung dauere es nach Angaben der Bahn noch so lange.

Die Bundespolizei Kassel begrüßte die geplante Installation. Die Kriminalitätslage von Frankfurt und Kassel sei zwar nicht vergleichbar, sagte ihr Sprecher Klaus Arend. Prinzipiell dienten die Kameras aber der Sicherheit und dem Sicherheitsgefühl der täglich mehr als 30.000 Reisenden, die den Bahnhof Wilhelmshöhe nutzen. "Videoüberwachung ist kein Wundermittel, aber eine gute Unterstützung der polizeilichen Ermittlungsarbeit".

Gremmels betonte: "Ich bin kein genereller Freund der Videoüberwachung. Aber an so einem neuralgischen Punkt halte ich das für angemessen." 

Taschendiebstähle und Körperverletzungen auf Video

Bundespolizei-Sprecher Arend sagte, der Nutzen von Kameraüberwachung zeige sich unter anderem am Bahnhof Gießen. "Da haben wir relativ oft durch die Auswertung der Bilder Täter überführt, auch durch Aufnahmen von der Begehung der Straftat." Als Beispiel nannte Arend Taschendiebstähle, aber auch Körperverletzungen.

Wichtig sei, dass sich Opfer und Zeugen rasch meldeten. "Dann kann die Polizei innerhalb der gesetzlichen Speicherfrist nach dem Täter Ausschau halten." In der Regel müssten die Aufnahmen nach 72 Stunden gelöscht werden.

Der Fernbahnhof Kassel ist allerdings nicht der einzige größere Bahnhof ohne Videoüberwachung. Auch der in Fulda hat noch keine.

Sendung: hr4, 06.01.2020, 17.30 Uhr