Eine Baustelle neben einem Schulsportplatz. Im Vordergrund liegt Baumaterial. Im Hintergrund joggen einige Schülerinnen und Schüler "aus dem Bild".

Fast alle Kreise und kreisfreien Städte in Hessen haben aktuell Probleme damit, ihre Schulen wie geplant zu sanieren. Wartezeiten sorgen für zusätzliche Kosten in Millionenhöhe.

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hs
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Viele Schulen in Hessen müssen dringend renoviert werden. So auch im Lahn-Dill-Kreis: Seit Jahren steckt der Kreis Millionenbeträge in sein Schulsanierungsprogramm. Damit ist aber erst mal Schluss. An 14 Schulen werden die schon geplanten Bauarbeiten auf Eis gelegt.

"Wir stellen aktuell fest: Die Bauwirtschaft ist kein Ponyhof", sagt Landrat Wolfgang Schuster (SPD). Seit Monaten kämen die bereits laufenden Sanierungen an anderen Schulen nicht voran. Die ganze Baubranche leide unter Lieferschwierigkeiten aufgrund von Produktionsstopps durch Corona, massenhaftem Export in andere Länder und erhöhtem Bedarf andernorts zum Beispiel für den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Preissteigerungen bei Millionenprojekten

An der Wetzlarer Käthe-Kollwitz-Schule sollten eigentlich nur Tiefbauarbeiten auf dem Schulhof während der Sommerferien stattfinden. Jetzt sind die Ferien vorbei, aber die Löcher auf dem Schulhof sind immer noch da: Die Rohre wurden nicht rechtzeitig geliefert.

Das sorgt für Probleme: Der Haupteingang ist gesperrt, die Schüler müssen einen großen Umweg über den Sportplatz laufen, die Verwaltung muss zusätzliche Security-Mitarbeiter bezahlen, die darauf achten, dass kein Schüler die verbotene Abkürzung über die Baustelle nimmt. Unklar ist, wie lange der Zustand so bleibt.

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Bauarbeiten an der Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar
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"Wir sind schlichtweg ausgeliefert", sagt Kerstin Weber, Leiterin der Schulbauabteilung im Lahn-Dill-Kreis, resigniert. Bei den schon angefangenen Bauprojekten rechnet sie mit einer Preissteigerung von zehn bis 15 Prozent. "Was bei so einer Millionenbaustelle ja richtig Geld ist. Wenn wir in dem Bereich unter 20 Prozent bleiben, dann sind wir noch mal mit einem blauen Auge davongekommen."

Problem in fast allen Regionen

Grafik Probleme bei Schulbauarbeiten in Hessen

Die meisten Kreise und kreisfreien Städte in Hessen stehen vor ähnlichen Problemen. Fast alle antworteten auf hr-Anfrage, dass die Bauarbeiten an Schulen bei ihnen aktuell länger dauerten und teurer würden als geplant.

Im Main-Taunus-Kreis zum Beispiel verzögern sich nach Auskunft der Kreisverwaltung die Arbeiten an zwei Schulen um jeweils ein Jahr - mit Mehrkosten von jeweils rund einer Million Euro. Andere, darunter der Schwalm-Eder-Kreis, berichten, dass sie Ausschreibungen hätten zurückziehen müssen, weil sich keine Firma mit einem annähernd bezahlbaren Angebot gemeldet habe.

Im Odenwaldkreis mussten an einer Schule bereits begonnene Bauarbeiten wegen Lieferschwierigkeiten unterbrochen werden. Keine nennenswerten Probleme hatten nach eigener Aussage bislang die Kreise Darmstadt-Dieburg, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Waldeck-Frankenberg und Offenbach. Die Stadt Offenbach sah sich nicht in der Lage, Zahlen dazu zu ermitteln.

Im Lahn-Dill-Kreis hofft man auf Ostern 2022

Wann die Schulsanierungen im Lahn-Dill-Kreis weitergehen können, ist nicht klar. "Wir hoffen, dass wir in den Osterferien 2022 loslegen können", sagt Landrat Schuster. "Aber das hängt natürlich vom Nachschub auf dem Materialmarkt ab."

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