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Pflegeschüler Sami A.s Aufenthaltserlaubnis wurde nicht verlängert - wegen eines Rechenfehlers der Ausländerbehörde Bild © Sophia Luft (hr)

Reicht eine Ausbildungsvergütung in Kombination mit einem Minijob nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern? So hat es die Wiesbadener Ausländerbehörde errechnet - und das letztlich fehlerhafte Resultat hätte einen syrischen Altenpfleger fast das Aufenthaltsrecht gekostet.

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Sami Ak Bik kam im April 2014 mit einem Visum von Syrien nach Deutschland, zog nach Wiesbaden und lernte Deutsch. 2016 durfte seine Frau zu ihm nachkommen. Außerdem begann er eine Ausbildung als Altenpfleger, inzwischen ist er im Kapellenstift in Wiesbaden im zweiten Lehrjahr.

Kürzlich bekam Ak Bik allerdings einen Brief von der Ausländerbehörde Wiesbaden: Sein Antrag auf Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis sei abgelehnt, er besitze nun keinen Aufenthaltstitel mehr. Er sei "somit zur Ausreise aus dem Bundesgebiet verpflichtet“. Der Grund: Er könne den Lebensunterhalt für sich und seine Frau nicht sichern, weil er zu wenig verdiene. 308,99 Euro fehlten ihm laut Berechnung der Behörde.

Schlaflose Nächte

Ein Schock für den 33-Jährigen: "Das war wirklich sehr schlimm für mich. Der wahrscheinlich größte Schock meines Lebens. Denn ich wusste ja nichts - auch nicht, ob ich noch arbeiten dürfte. Ich habe viele schlaflose Nächte gehabt."

Zwar gebe es einen Abschiebestopp nach Syrien, deswegen könne er momentan nicht abgeschoben werden, heißt es in dem Schreiben der Ausländerbehörde weiter. Der Stopp gelte aber nur bis zum 30. Juni. Danach bleibe ihm nur noch eine Frist von 30 Tagen, "um freiwillig aus der Bundesrepublik auszureisen" - sonst drohe ihm die Abschiebung.

Ausbildungsvergütung + Minijob = zu niedriges Einkommen

Dabei hatte Ak Bik schon im vergangenen Herbst zusätzlich zur Ausbildungsstelle einen Minijob in der Altenpflege angenommen. Denn da hatte ihm die Ausländerbehörde schon erstmals mitgeteilt, dass sein Gehalt als Auszubildender zu niedrig sei, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ak Bik verdient knapp 1.770 Euro brutto pro Monat. Selbst mit Nebenjob reichte es nach den Berechnung der Behörde für den angehenden Altenpfleger nicht.

Wieviel er verdienen müsste, um in Deutschland bleiben zu dürfen, wurde ihm nie mitgeteilt. Sami Ak Bik suchte mehrfach das Gespräch mit der Ausländerbehörde. Dort bekam er, so Ak Bik, aber nur den Rat, sich bei bei einem Anwalt beraten zu lassen. Daraufhin starteten seine Arbeitskollegen eine Petition. In kurzer Zeit kamen mehr als 2.000 Unterstützer zusammen.

"Ein toller Kollege"

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Pflegeschüler Sami A. bei der Arbeit Bild © Sophia Luft (hr)

Die Initiative hatte sein Arbeitskollege Frank Wilhelm gestartet, mit einer klaren Begründung: "Es geht doch einfach nicht, dass man in Zeiten von Pflegenotstand Pflegeschüler abschiebt. Es gibt kaum Menschen in Deutschland, die diese Ausbildung noch machen wollen als Altenpfleger oder als Krankenpfleger. Sami ist so ein toller Kollege, da war es nur selbstverständlich, dass ich mich für ihn einsetze."

Um Ak Biks Geschichte publik zu machen, wandte er sich auch an Medien, darunter der Hessische Rundfunk. Auf Nachfragen beim Sozialdezernat stellte sich heraus: Alles ein Fehler. Sami Ak Bik verdiene genug, man habe seine Einkünfte falsch berechnet und es werde eine Korrektur geben. Ak Bik sei schon zu einem Termin eingeladen worden, um seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern, so Sozialdezernent Christoph Manjura.

Warten und Hoffen

Ak Biks Anwältin Doris Kösterke-Zerbe reicht das nicht. "Der jetzige Stand der Dinge ist, dass die Verfügung in der Welt ist. Sie ist bis jetzt nicht aufgehoben worden. Und sie hat von daher auch noch Konsequenzen. Allerdings ist sie noch nicht rechtskräftig. Es gäbe, wenn die Aufhebung nicht kommt, noch die Möglichkeit zur Klage vor dem Verwaltungsgericht."

Diese Schritte werde man auch gehen müssen, so die Anwältin, falls der Ausweisungsbescheid nicht zurückgenommen werde. Für Sami A. bedeutet das: Warten auf den nächsten Brief der Ausländerbehörde. Und hoffen, dass sie Wort hält.