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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ohne Berechtigung geimpft? DRK-Präsidentin wehrt sich gegen Vorwürfe

Collage aus aufgenähtem DRK-Logo und einer Hand, die eine Spritze und ein Corona-Impfstofffläschchen hält

Die ehrenamtliche Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda hat sich Ende Januar impfen lassen. Nach anfänglichem Schweigen hat sie eine Erklärung für den vorzeitigen Pieks parat. Auch eine weitere Mitarbeiterin erhielt die Impfung offenbar vorab.

Der Impfstoff ist knapp, die Nachfrage groß: Deswegen ist in der Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit genau geregelt, wer wann an der Reihe ist. Priorität haben dabei vor allem Menschen über 80 Jahren - außerdem Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte in Heimen, Personal in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Doch nicht alle wollen sich an diese Reihenfolge halten, wie zum Beispiel mehrere Fälle geimpfter Politiker aus Sachsen-Anhalt zeigen. Ähnliche Vorwürfe gibt es aktuell auch in Hessen. Hier richten sie sich gegen die ehrenamtliche Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Die 69-Jährige, die bis 2018 Vizepräsidentin des DRK-Bundesverbandes war, ließ sich nach hr-Recherchen am 28. Januar in einem DRK-Altenheim in Petersberg (Fulda) von einem mobilen Team impfen. Auch die wesentlich jüngere Assistentin der DRK-Geschäftstelle erhielt an diesem Tag den Schutz.

Erst keine Auskunft, dann Erklärung

Möglich war das wohl, weil die Altenheime im Landkreis die Hoheit über die Zusammenstellung der Impfliste haben. Sie reichen die Listen beim Kreis ein, die Ärzte und ihre Helfer bekommen sie dann ausgehändigt. Eine Kontrolle, ob die Personen darauf auch tatsächlich impfberechtigt sind, findet nicht statt. In diesem Fall stand der Name der örtlichen DRK-Präsidentin auf der Liste.

Zunächst ließ die 69-Jährige über die Geschäftsstelle des DRK mitteilen, dass sie sich aus Gründen des Datenschutzes nicht dazu äußern würde. Am Mittwoch folgte dann auf eine schriftliche Stellungnahme des Verbands auch ein persönliches Videostatement der Präsidentin. Darin räumte sie die Impfung ein. Dies sei aber entsprechend der Impfverordnung geschehen, weil sie ehrenamtlich Senioren in den DRK-Heimen betreue. "Als ich angesprochen wurde, ob ich mich nicht impfen lassen möchte, weil ich in den unterschiedlichsten Senioren-Einrichtungen aufschlage und tätig bin, habe ich das angenommen."

Zu der Frage, warum auch die wesentlich jüngere Assistentin der Geschäftsstelle Ende Januar geimpft wurde, gibt es bislang keine Stellungnahme von Seiten des Kreisverbands.  

Kreis: Mehrere Verdachtsfälle

Der DRK-Landesverband Hessen erklärte auf Anfrage, er gehe einem Hinweis auf einen Verstoß gegen die Impfverordnung in einem Kreisverband nach. Um welchen Kreis es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. Der Landesverband habe bereits zu Beginn der Impfaktion seine Gliederungen auf die vorgeschriebene Priorisierung der zu Impfenden hingewiesen. Alleine die Zugehörigkeit zum DRK sei "kein hinreichendes Kriterium für eine bevorzugte Impfung".

Der Landkreis Fulda will aus rechtlichen Gründen zur Impfung konkreter Personen keine Auskunft geben. Allerdings räumte eine Sprecherin ein, dass Anhaltspunkte vorlägen, "nach denen möglicherweise einzelne Impfungen ohne eine Impfberechtigung nach der Impfverordnung erfolgt sein sollen". Bereits in der vergangenen Woche habe die "unabhängige interne Revision" eine entsprechende Prüfung aufgenommen. Ergebnisse lägen noch nicht vor.

Individuelle Konsequenzen gebe es in solchen Fällen nicht, erklärte Landrat Bernd Woide (CDU) am Mittwoch: Es sei weder eine Ordnungswidrigkeit noch eine Straftat. Er teile aber die Meinung, dass es zumindest irgendeine Art der Sanktion geben sollte.

Klinik-Geschäftsführer vorzeitig geimpft

Erst Anfang der Woche war ein ähnlicher Fall aus Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg) bekannt geworden. Zwei Führungskräfte einer Klinik hatten sich dort gegen Corona impfen lassen, obwohl sie nicht zur priorisierten Personengruppe gehören. Nach Bekanntwerden des Vorfalls seien sie freigestellt worden, es würden außerdem personalrechtliche Konsequenzen geprüft, teilte die Klinik mit. Unklar ist bisher, wann und wer die beiden Impfungen vornahm. Das werde noch genau geprüft, hieß es von der Klinik.

Impf-Profiteure: leitender Kreismitarbeiter und Ehefrau

Auch im Vogelsberg sind Fälle von vorzeitigen Corona-Impfungen bekannt geworden. Ein leitender Mitarbeiter der Kreisverwaltung und seine Frau wurden geimpft, obwohl sie altersmäßig und ihrer Tätigkeit wegen noch nicht an der Reihe sind. Das Landratsamt erklärte auf Nachfrage: Der nicht mal 60 Jahre alte Mann und seine Ehefrau hätten Reste des empfindlichen Biontech-Impfstoffes bekommen. Das Mittel habe schnell verbraucht werden müssen, um es nicht zu vergeuden.

Das Paar sei am 29. Dezember vom ärztlichen Leiter des Alsfelder Impfzentrums eingeladen worden. Die Verabreichung habe außerhalb der Dienstzeit stattgefunden. Der Impf-Profiteur ist in der Abteilung für Gefahrenabwehr tätig und ehrenamtlicher Organisationsleiter im Rettungsdienst.

Am 19. Januar hätten beide auch ihre zweite Impfung bekommen. Der Ablauf wurde zunächst als "nachvollziehbar" bezeichnet. Danach kündigte die Kreisverwaltung aber eine interne Untersuchung an. Was sich dahinter verbirgt, wurde zunächst nicht genannt. Oberstes Ziel bleibe: Impfstoff solle nicht verfallen, wenn er einmal angebrochen sei.

Sendung: hr-iNFO, 10.02.2021, 11 Uhr