Slajdi Maxhari in seinem Zimmer - vor seinen Beinprothesen
Keine Gnade für Slajdi Maxhari - er soll Hessen verlassen. Bild © Tobias Lübben (hr)

Ein junger Mann, der bei einem Unfall beide Unterschenkel verlor, würde gerne in Hessen bleiben. In seiner Heimat Albanien sieht er keine Perspektive für sich. Doch er muss Hessen verlassen. Innenminister Beuth (CDU) hat das Härtefall-Ersuchen zurückgewiesen - wie zuvor schon in vielen anderen Fällen.

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Slajdi Maxhari spielte gerne Fußball. Aber seit dem Eisenbahn-Unfall in seiner Kindheit kann er das nur noch an der Spiel-Konsole. Ein Güterwaggon rollte plötzlich los, als Slajdi gerade im Gleisbett nach einem versprungenen Ball greifen wollte. Danach mussten ihm die Unterschenkel abgenommen werden.

Die albanischen Ärzte fertigten ihm Prothesen aus den Einzelteilen gebrauchter Prothesen, die ein deutsches Krankenhaus gespendet hatte. Aber die Konstrukte saßen schlecht und die Bein-Stümpfe entzündeten sich immer wieder. Jeder Weg wurde zur Qual.

Seit 2015 ist er in Deutschland

Zu Beginn seines Studiums wurden die Probleme so groß, dass Slajdi 2015 entschied, nach Deutschland zu gehen. Dort hoffte er auf medizinische Versorgung und ein besseres Leben: "Wie jeder Mensch: eine gute Arbeit, eine Familie, Kinder, Zukunft", sagte er.

Seine Hoffnungen schienen sich zu erfüllen. Er kam über Umwege nach Riedstadt-Goddelau (Groß-Gerau). Im Kreiskrankenhaus wurden seine Stümpfe behandelt, sie bereiten dem 27-Jährigen seitdem weniger Probleme.

Härtefallkommission spricht sich für Bleiberecht aus

Sein Asylantrag wurde abgelehnt, weil Albanien als sicheres Herkunftsland gilt. Aber 150 Menschen aus seinem Umfeld unterstützten eine Petition und so schaffte er es, seinen Fall vor die Hessische Härtefallkommission zu bringen. Dieses Experten-Gremium befasst sich mit Menschen, die zwar kein Recht auf Asyl haben, aus humanitären Gründen aber vielleicht doch in Hessen bleiben sollten.

Die Härtefallkommission sprach sich Ende 2017 für ein Bleiberecht für Slajdi aus - nach hr-Informationen einstimmig. Damit fehlte nur noch der Segen des Hessischen Innenministeriums. Denn dort liegt die letzte Entscheidung. Doch das Ministerium lehnte das Ersuchen vor wenigen Wochen ab. Slajdi muss ausreisen.

Slajdi bekommt Rückendeckung vom Landrat

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Slajdi Maxhari mit Beinprothesen auf dem Fahrrad

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Keine Gnade für Slajdi aus Albanien

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Nach den Gründen der Ablehnung befragt, verweist das Ministerium auf Datenschutz. Allgemein lasse sich sagen: Wer gut integriert sei, nicht straffällig und selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen könne, habe gute Karten. Tatsächlich kann Slajdi derzeit seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten. Da er keinen Aufenthaltsstatus besitzt, konnte er weder eine Ausbildung machen, noch einen Job annehmen. Dabei würde er gerne, sagt er.

Im Kreis Groß-Gerau stößt die Ablehnung bei vielen auf Unverständnis. Etwa bei Landrat Thomas Will (SPD). "Wenn man weiß, wie die medizinische Versorgung in Albanien aussieht, dann kann es aus meiner Sicht keine andere Entscheidung geben, als dem Votum der Härtefall-Kommission zu folgen."

Beuth zeigt Härte bei Härtefällen

Tatsächlich war das in Hessen lange Zeit der Normalfall: Das Ministerium bestätigt die Entscheidung der Härtefall-Kommission, der ja auch zwei Vertreter des Ministeriums angehören. So haben es die Innenminister Volker Bouffier und Boris Rhein (beide CDU) in der Regel gehandhabt. Während ihrer Amtszeiten wurden von insgesamt 184 Härtefall-Ersuchen nur zwei abgelehnt.

Seit 2015 mehren sich jedoch die Ablehnungen - und das obwohl seit 2014 das Härtefall-Gesetz gelockert wurde. So braucht der Antragsteller seinen Selbstunterhalt nicht selbst zu sichern, wenn er das zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht kann. Es wurde sogar eigens für solche Fälle ein Härtefall-Fonds eingerichtet.

Jedes fünfte Ersuchen lehnt Beuth ab

Trotzdem hat Innenminister Peter Beuth (CDU) bisher jedes fünfte Ersuchen abgelehnt. Auch im Ländervergleich sticht Beuth mit dieser Quote heraus. So hat sein bayrischer Amtskollege Joachim Herrmann (CSU), der in Asylfragen sonst eher als Hardliner gilt, in den vergangenen zehn Jahren 98 Prozent aller Härtefall-Ersuchen angenommen.

Davon, dass mit Beuth eine härtere Gangart Einzug gehalten habe, will das Ministerium nichts wissen. Auf hr-Anfrage heißt es: "Der Vorhaltung einer geänderten Entscheidungspraxis durch das Ministerium widersprechen wir entschieden. Der Mehrzahl der Ersuchen wird stattgegeben."