Junge Hände halten alte Hände
Ehrenamtliche sind eine große Unterstützung für Sterbende und Angehörige. Bild © Pixabay

Sie möchte weitergeben, was sie selbst erfahren hat: Warum sich eine Frankfurter Finanzmanagerin als ehrenamtliche Sterbebegleiterin ausbilden lässt.

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Melanie Lehnert, ehrenamtliche Sterbebegleiterin

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Herzenswunsch: Ausbildung zur Sterbebegleiterin

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Ein Kurs-Raum der Malteser in Frankfurt: Mehrere Teilnehmer sind in eine Übung vertieft. Eine von ihnen ist Melanie Lehnert. Mit weit aufgerissenen Augen liegt die 45-Jährige auf ihrem Rücken und starrt verzweifelt ihre Kurspartnerin an. Sprechen und bewegen darf sie sich nicht. Sie soll eine Sterbenskranke spielen, die sich nicht mehr artikulieren kann und ohne Worte deutlich machen, dass sie Durst hat.

Das Ganze ist ein Rollenspiel und Teil von Melanie Lehnerts Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbegleiterin, die sie bei den Maltesern macht. "Ich habe ganz viel über die Augen kommuniziert", sagt die 45-Jährige. Angst könne man sehr gut über die Augen ausdrücken und Durst über den offenen Mund.

Als Sterbegleiter Angehörige entlasten

Im Januar hat Melanie Lehnert ihre Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbegleiterin begonnen. Rund 100 Stunden sind dafür vorgesehen. "Wir lernen alles von der Diagnose bis zum Tod", erklärt die 45-Jährige. Dazu gehört medizinisches Wissen über die Sterbephasen, pflegerisches und rechtliches Wissen und der richtige Umgang mit Betroffenen und Angehörigen. Einen anderen Schwerpunkt der Ausbildung machen Rollenspiele aus. Durch sie sollen die Teilnehmer lernen, den Sterbeprozess aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen - aus dem des Arztes, der Tochter oder der sterbenden Person.

Tafel im Seminarraum bei den Maltesern
Die Ausbildung bei den Maltesern dauert gut 100 Stunden und beleuchtet alle Aspekte der Sterbebegleitung. Bild © hr

Von der Finanzmanagerin zur Sterbebegleiterin

Melanie Lehnert ist aus privaten Gründen zu ihrem Ehrenamt gekommen. Die Frankfurterin hat jahrelang in der Finanzbranche gearbeitet und ist viel um die Welt geflogen. Als ihre Mutter unheilbar an Krebs erkrankte und starb, habe sie in Kliniken "viel Unmenschlichkeit" erlebt und gespürt, dass dort wenig Zeit und Empathie für die Ängste und Sorgen der Todkranken bleibe.  "Ich habe meine Mutter in den Tod begleitet", sagt die 45-Jährige. Das sei eine intensive Erfahrung gewesen, die sie jetzt auch an andere weitergeben wolle. "Ich möchte ein Licht in der Dunkelheit sein, die die Menschen in ihrer letzten Lebensphase erfahren.“

Lebensqualität in der letzten Lebensphase

Als Sterbebegleiterin soll Melanie Lehnert künftig Familien entlasten und Sterbenden ein Stückchen Lebensqualität zurückgeben. Die Malteser in Frankfurt bieten die Ausbildung seit 2015 an. 40 Männer und Frauen haben die Ausbildung inzwischen abgeschlossen. Die Sterbegleiter besuchen die Betroffenen entweder zuhause, im Hospiz, Krankenhaus oder im Altenheim. Die Betreuung sei jeweils so individuell wie die jeweilige Familien- und Krankheitssituation, heißt es von den Maltesern in Frankfurt. Den Angehörigen helfe häufig ein offenes Ohr, den Sterbenden etwa ein Gespräch über Alltägliches.

Sterbebegleitung als Ausgleich zum "rationalen" Alltag

Auch Christina Haan macht gerade den Kurs zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin. Die 28-Jährige ist eigentlich Bauingenieurin und hat drei Jahre als Projektmanagerin in der Baubranche gearbeitet. Dieser Job sei "rational und analytisch", deswegen sei sie auf der Suche nach einem Ausgleich gewesen. Angst davor hat die 28-Jährige nicht. "Für mich ist er etwas Natürliches, das genauso zum Leben gehört wie eine Geburt und das Leben".

Ende November endet die Ausbildung von Melanie Lehnert und Christina Haan. In ihrer Freizeit, nach der Arbeit oder an Wochenenden werden sie dann Sterbende und ihre Angehörigen entlasten und versuchen ihnen einen möglichst würdevollen Abschied zu gestalten.

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Sterbebegleitung in Hessen

In Hessen gibt es 110 Initiativen, die eine solche Ausbildung anbieten, je nach Initiative können auf die Ehrenamtlichen Kosten bis zu 200 Euro Eigenanteil zukommen. "Das deckt natürlich nicht die tatsächlichen Kosten einer solchen Ausbildung", sagt Tina Saas von der Koordinations- und Ansprechstelle für Dienste der Sterbebegleitung und Angehörigenbetreuung (KASA).

In der Sterbebegleitung arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche eng zusammen. Im Rahmen des Qualifizierungsprogramms für bürgerschaftliches Engagement finanziert das Hessische Ministerium für Soziales und Integration die Fortbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter mit durchschnittlich 30.000 Euro im Jahr mit.

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