Armut Sujet Flaschensammler

Die Armut in Hessen wächst - so stark wie in keinem anderen Bundesland. Das ist das Ergebnis einer Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Die Statistik belegt zudem eine immer stärke Kluft zwischen Arm und Reich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Armutsquote in Hessen stark angestiegen

Hilfsbedürftiger Rentner packt bei der Mainzer Tafel Brot ein
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In Hessen ist die Armut in den vergangen zehn Jahren so stark gestiegen wie in keinem anderen Bundesland. Nach einem aktuellen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands nahm die Armutsquote um knapp ein Viertel zu - und liegt aktuell bei 15,8 Prozent. Hessen liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 15,5 Prozent.

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Im Zehnjahresvergleich sei die Armutsquote in Hessen so stark gestiegen wie in keinem anderen Bundesland, teilte der Wohlfahrtsverband mit. Da Hessen bei der Einkommens-Reichtumsquote im Bundesvergleich den zweiten Platz belege, lasse sich aus der Statistik auch eine überdurchschnittliche Spaltung in Arm und Reich ablesen.

Im Ranking der Bundesländer rutschte Hessen innerhalb von drei Jahren von Rang drei auf jetzt Rang sieben ab. Besonders hoch ist die Armutsquote mit 19,5 Prozent in Mittelhessen. Damit zähle die Region zu den zwölf ärmsten in der ganzen Bundesrepublik, so der Paritätische Wohlfahrtsverband.

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Wer gilt als arm?

In seinem Bericht verwendet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Armutsdefinition der EU. Demnach gelten Haushalte als arm, deren Gesamteinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Diese Armutsschwelle lag 2018 bei einer alleinstehenden Person bei einem monatlichen Einkommen von 1.035 Euro, bei einem Paar ohne Kinder bei 1.533 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gelten nach dieser Definition als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1.346 Euro monatlich zur Verfügung haben. Bei einem Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren sind es 2.174 Euro.

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Hohe Mieten erhöhen Armutsrisiko

Doch auch die Entwicklungen in Südhessen bereiten dem Verband Sorge. So sei die Armutsquote im Rhein-Main-Gebiet zwischen 2008 und 2019 um 2,7 auf 14,1 Prozent gestiegen, in der Region um Darmstadt sogar um 4,9 auf 15,6 Prozent. "In den hessischen Ballungsräumen verstärken die  horrenden Mietpreise das Armutsrisiko, die selbst bei mittleren Einkommen eine große Belastung sind", erklärte Annette Wippermann, Grundsatzreferentin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Hessen.

Als "nicht hinnehmbar" bezeichnete der Verband darüber hinaus, dass laut seiner Erhebung etwa ein Fünftel der Unter-18-Jährigen in Armut aufwächst.

Masterplan gefordert

"Der Anstieg der Armut und das hohe Maß an Ungleichheit in Hessen sind alarmierend", erklärte die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Yasmin Alinaghi. Sie forderte die Landesregierung auf, den Ursachen für die negative Entwicklung auf den Grund zu gehen und einen Masterplan zur Armutsbekämpfung zu entwickeln.

Die Linke im Landtag wertete die Ergebnisse der Studie als Beleg für ein "sozialpolitisches Totalversagen von Schwarz-Grün". "Es kann nicht überraschen, dass explodierende Mieten und blühende Landschaften für Niedriglohnjobs wie beispielsweise am Frankfurter Flughafen zu einer solchen Entwicklung führen", sagte die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Christiane Böhm.

Sendung: hr-iNFO, 12.12.2019, 8:20 Uhr