Handys mit Portraits von Leon, dem "TikTok-Star"

TikTok ist die momentan angesagte Video-App auf hessischen Schulhöfen. Erst vor gut einem Jahr hat der chinesische Medienkonzern Bytedance die Plattform auf den Markt gebracht. Doch TikTok hat Tücken.

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zum Video Gesperrtes Video von Leon Content

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Vor allem unter jungen Mädchen ab etwa 9 Jahren ist TikTok total angesagt. Schülerinnen der Albert-Einstein-Schule in Langen (Offenbach) stehen auf dem Schulhof, tanzen, singen Playback und posen vor ihrem Handy. Ergebnis ist ein 15-sekündiges Musik-Video.

"TikTok ist viel besser als Instagram, weil man hier vieles lernen kann. Neue Tänze, neue Musik“, erzählt die 13-jährige Luna begeistert. Außerdem, ergänzt Esma, könne man bei TikTok viel schneller berühmt werden.

"Immer authentisch bleiben"

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zum Video In Slow Motion ins Schlauchboot

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Das hat Leon Content geschafft, mit Lip-Sync Videos und viel lustigem Quatsch. Ob er mit Anlauf in ein Schlauchboot springt und alles auf Slow Motion stellt oder im Comedy-Stil vier typische Clubgänger imitiert: Der 18-Jährige aus Kelkheim (Main-Taunus) ist ein TikTok-Star.

Mittlerweile hat der junge Hesse 1,6 Millionen Follower und kann als Influencer gut Geld verdienen. Als sein Erfolgsrezept nennt Leon, der eigentlich recht schüchtern ist: Kreativ sein, aktiv sein, sich immer neue Sachen einfallen lassen und vor allem: authentisch bleiben!

Mangelhafter Datenschutz und Zensurvorwurf

Doch die spaßige App hat auf ihrem raketenhaften Weg nach oben auch viel Kritik ausgelöst. Mangelhafter Jugend- und Datenschutz sowie Zensur lauten die Vorwürfe. Bytedance soll nach Medienberichten China-kritische Inhalte auf der Plattform unterdrücken. Aktuell sind das zum Beispiel Filme von den Protesten in Hongkong.

Aber auch Themen wie Homosexualität stehen offenbar auf dem Index. Leon hat Erfahrung damit. Er habe schon öfter Videos hochgeladen, die ihn und seinen Freund beim Küssen zeigen. Einzelne seien gesperrt worden, sagt er. "Als ich nachgefragt habe, wurde gesagt, ich hätte gegen die Richtlinien verstoßen, was ich in dem Fall nicht verstanden habe. Aber dabei hab ich’s belassen“, sagt der Influencer.

Einladung an Pädophile

Jugendschutz.net, gegründet von den Bundesländern, schreibt im Jahresbericht 2018, dass Erwachsene die Plattform zum sogenannten Cybergrooming nutzen, junge TikToker über die Kommentarfunktion belästigen und Minderjährige zu sexuellen Handlungen animieren.

Das bestätigt auch der Frankfurter Medienpädagoge Benjamin Wockenfuß. "Pädophilie ist eine große Gefahr bei TikTok. Erwachsene haben sich schon als Klassenkameraden oder Musikmanager ausgegeben“. TikTok sei ohne Eltern nicht kindertauglich. Kinder und Erwachsene brauchten Medienkompetenz, sagt er. Der beste Kinderschutz ist für ihn, wenn Eltern wertschätzend mit ihren Kindern über Social-Media-Aktivitäten sprechen und damit in Kontakt blieben.

Dem Influencer ist Datenschutz egal

Doch TikTok hat inzwischen nachgebessert, zum Beispiel bei der Meldefunktion. Nutzer können jetzt unangenehme Menschen anzeigen und sperren lassen. Und auch beim Datenschutz hat sich etwas getan. Zum Start gab es Kritik, weil TikTok Daten direkt an eine chinesische Analysefirma geschickt hatte. Diese Tracker gibt es nicht mehr. App-Expertin Miriam Ruhenstroth vom Infoportal mobilsicher.de warnt trotzdem: "TikTok erhält jede Menge Daten von den Nutzern, und auch andere Firmen wie Google und Facebook."

TikToker Leon Content ist der Datenschutz allerdings egal. "Ich denke da gar nicht so drüber nach. Ich mach’s einfach“, sagt er und lächelt. Dass er eine Verantwortung hat gegenüber jungen TikTokern hat, weiß er schon. Er hat beim Video-Dreh einige No-Goes: Nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, nicht zu freizügig sein. Ansonsten macht ihm sein TikTok-Leben Spaß. Und solange das so ist, will er auch weitermachen.

Weitere Informationen

Tipps zum Umgang mit TikTok von Medienpädagoge Benjamin Wockenfuß

  • Privatsphäre schützen: TikTok ist nach dem Anmelden grundsätzlich "öffentlich“. Eltern sollen gemeinsam mit ihren Kindern den Account auf "privat“ umstellen.
  • Im Gespräch bleiben: Eltern sollen mit ihren Kindern wertschätzend über ihre Social Media Aktivitäten sprechen, ohne die Privatsphäre ihrer Kinder zu sehr einzuschränken.
  • Kein Ehrgeiz: Mein Kind soll kein TikTok-Star oder Influencer werden.
  • Übrigens: TikTok schreibt in seinen AGB, dass die Plattform erst ab 13 Jahren genutzt werden darf. Wer unter 18 ist, braucht das Einverständnis der Eltern!
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Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 29.11.2019, 19.30 Uhr