Baden-Württemberg, Stuttgart: Stühle im Außenbereich eines Restaurants stehen eine halbe Stunde nach der coronabedingten Sperrstunde am Hans-im-Glück-Brunnen zusammen.

Betreiber von Kneipen, Restaurants und Fitnessstudios reagieren enttäuscht auf die verschärften Corona-Regeln. Sie müssen ab Montag für zunächst vier Wochen schließen. Betroffene berichten.

Seit Wochen steigen die Corona-Neuinfektionen bundesweit stark an - auch in Hessen. Bund und Länder haben deshalb am Mittwoch einen vierwöchigen Teil-Lockdown beschlossen. Ab Montag gelten bundesweit Verbote, unter anderem in der Gastronomie, im Sport und im Freizeitbereich. Betroffene reagieren mit Enttäuschung.

Kneipen-Betreiberin: "Der Beschluss jetzt ist ein Schock!"

Portrait Britta Prell, Inahberin Gießner Kneipe "Sowieso"

Britta Prell betreibt seit 30 Jahren die Gießener Kult-Kneipe "Sowieso". Den ersten Lockdown im Frühjahr hat sie auch dank Unterstützung vom Staat gemeistert. Ein halbes Jahr lang ohne Einnahmen, ohne Gäste - das war hart. Als sie dann endlich wieder öffnen könnte, mit strengem Hygienekonzept, war sie erleichtert: "Ich dachte eigentlich, dass das jetzt so weiterläuft."

Dass die Lage ernster wird, hatte sich schon in den letzten Wochen abgezeichnet. Vor Corona waren samstagabends gerne mal über 100 Gäste bei ihr. Seit der Wiedereröffnung durften maximal 38 Menschen in die Kellerkneipe. Dann stiegen die Coronazahlen wieder an und die Regeln wurden noch strenger: Zuletzt durften nur noch 23 Gäste rein und spätestens um 23 Uhr war Schluss.

Den November wieder komplett dicht machen, das hält sie finanziell schon irgendwie durch, sagt sie. "Aber irgendwann müsste ich auch mal wissen, dass das Ganze ein Ende hat." Der Beschluss jetzt sei für sie ein Schock.

Restaurant-Betreiberin: "Noch einen Lockdown schaffen wir nicht!"

Portrait Christine Luckhardt, Inhaberin Gasthof "Zum Hohen Lohr"

Auch Christine Luckhardt ist geschockt. Sie führt in fünfter Generation einen kleinen Gasthof in Haina (Kloster)-Battenhausen (Waldeck-Frankenberg). Durch den letzten Lockdown haben sie und ihre Familie sich unter anderem mit Essen zum Abholen gerettet.

Aber das reicht auf Dauer hinten und vorne nicht, sagt sie. "Wir leben ja davon, dass die Gäste bei uns einkehren, etwas trinken und vor allem auch von den Übernachtungen." Die Gasthofbetreiberin sieht sich und ihre Branche als Sündenbock für die Politik. "Ich finde nicht, dass wir das Problem sind. Die meisten Restaurants geben sich so viel Mühe und halten sich an die Regeln. Wir haben gute Hygienekonzepte. Trotzdem ist alles was wir machen nicht gut genug!"

Sie fordert jetzt, dass der Staat ihre Branche finanziell unterstützt. Dazu gebe es keine Alternative. Das müsse jedem klar sein, der nächstes Jahr noch in Essen gehen oder in den Urlaub fahren möchte.

Fitnessstudio-Leiter: "Wir sind kein reiner Freizeitspaß!"

Portrait Stefan Vedder, Fitnessstudioleiter aus Gießen

Nicht nur die Gaststätten und Kneipen, auch Fitnessstudios müssen ab Montag schließen. Das ärgert Stefan Vedder, der in Gießen ein Fitnesstudio leitet. Der Lockdown ist für ihn "ein Schlag ins Gesicht". Er hat erst letzte Woche für 20.000 Euro Luftreiniger für sein Studio gekauft. "Wir haben sehr, sehr viel Geld in die Hand genommen, um unser Hygienekonzept umzusetzen. Und trotzdem müssen wir jetzt schließen!"

Was Vedder besonders ärgert: dass sein Fitnessstudio wie Freizeitparks und andere Spaßveranstaltungen behandelt wird. Es gehe bei der Fitness aber um Gesundheit. "Wir tun ja auch etwas dafür, um die Bevölkerung gesund zu halten. Da stehen wir jeden Morgen für gerade."

Vorsitzende eines Sportvereins: "Sind einfach sehr traurig"

 Portrait Kerstin Lefèvre, 1. Vorsitzende TSV Allendorf/Lahn

Verständnisvoller ist dagegen Kerstin Lefèvre, sie ist Vorsitzende eines Gießener Sportvereins. Ob die Maßnahme richtig oder falsch ist, will sie nicht bewerten. Sie findet es einfach nur schade, besonders für die Teilnehmer bei ihren Sportkursen im Verein. "Wir werden wieder in den Online-Sport übergehen, soweit das möglich ist", kündigt sie an.

Am meisten leiden werden die Kinder und Senioren, da könne man nicht einfach auf online umstellen.