Eine Krankenpflegerin zieht am zweiten Tag des größten Impfprogramms in der Geschichte Großbritanniens im Londoner Guy's Hospital eine Spritze mit dem Pfizer/Biontech Corona-Impfstoff auf.

Die EU hat den Impfstoff von Biontech zugelassen. Hessen ist vorbereitet, die Impfzentren bleiben vorläufig aber dicht.

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Aus Marburg in die Welt: Der international als Hoffnungsträger in der Pandemie gehandelte Impfstoff der Mainzer Firma Biontech ist am Montagabend wie erwartet in der Europäischen Union zugelassen werden. Die EU-Kommission erteilte dem Biontech-Pfizer-Impfstoff die Marktfreigabe.

Zuvor hatte der Imfpstoff, der zum Großteil in Marburg produziert werden soll, eine wichtige Hürde für die EU-Zulassung geschafft: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl am Montagnachmittag die Zulassung des Impfstoffes.

Doch was folgt nun? Wann könnte Hessen von der EU-Zulassung profitieren? Am Dienstag hatten sich dazu Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) geäußert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Biontech-Pfizer-Impfstoff im Überblick:

Wo wird der Impfstoff von Biontech und Pfizer hergestellt?

Biontech will den Impfstoff größtenteils in Marburg produzieren lassen. Das Mainzer Unternehmen und sein US-Partner Pfizer wollen noch in diesem Jahr weltweit 50 Millionen Dosen liefern. 2021 sollen dann bis zu 1,3 Milliarden weitere hergestellt werden. Aus der Produktionsanlage in Marburg sollen im ersten Halbjahr bis zu 250 Millionen Dosen kommen. Auch an den Standorten Mainz und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) wird der Impfstoff produziert.

Die Herstellung dauere nach Angaben der Unternehmen etwa eine Woche. Qualitätskontrolle und Freigabe benötigten dann weitere drei Wochen. Vor einer Zulassung wurde an den Standorten bereits auf Halde produziert.

Wie viele Impfdosen werden in Hessen erwartet?

Am kommenden Sonntag (27. Dezember) erhält Hessen die ersten 10.000 Impfdosen. Die Hälfte der Lieferung wird sicherheitshalber für den Fall unerwarteter Lieferprobleme zurückgehalten. Der Grund: Um volle Wirksamkeit zu erzielen, muss der Biontech-Pfizer-Impfstoff nach einem gewissen zeitlichen Abstand erneut geimpft werden.

Laut Innenminister Peter Beuth (CDU) sollen bereits in naher Zukunft deutlich mehr Impfdosen als noch zum Start am Sonntag in Hessen ankommen. Er rechnet bald mit 50.000 Dosen pro Woche, wie er in der Pressekonferenz am Dienstag sagte. Bis zum Jahresende, so die Hoffnung des Ministers, könnte Hessen weitere 100.000 Impfdosen erhalten.

Im Januar könnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal rechnet Spahn mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen für ganz Deutschland. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher rund 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern.

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Audioseite EMA empfiehlt Biontech-Pfizer-Zulassung

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Wann sollen in Hessen die ersten Impfungen starten?

Das Vakzin soll in Hessen erstmals am Samstag (26. Dezember) ausgeliefert werden. Am Tag darauf (27. Dezember) wird mit dem Impfen in Hessen begonnen.

Die Impfstoff-Lieferung vom Bund soll zunächst in einem geheimen Kühllager des Landes im Rhein-Main-Gebiet aufbewahrt und dann auf Städte und Kreise aufgeteilt werden. Das Land ist neben der Lagerung auch zuständig für die Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig.

Wer soll in Hessen zuerst geimpft werden - und wo?

Anders als zuvor geplant, werden die ersten Impfungen nicht in den eigens errichteten 28 Impfzentren verabreicht. Für die Inbetriebnahme der Impfzentren in Hessen ist die erste Liefermenge zu gering. Stattdessen plant das Land, zunächst das Personal in den sechs Schwerpunktkliniken mit Covid-Stationen zu impfen und mit mobilen Impfteams Bewohner in Alten- und Pflegeheimen zu versorgen.

Die Kiniken, deren Personal in der ersten Phase der hessischen Impfstrategie geschützt werden soll, sind das Klinikum Kassel, das Klinikum Fulda, die Uniklinik Gießen und Marburg, Helios HSK Wiesbaden, die Uniklinik Frankfurt sowie das Klinikum Darmstadt.

Ende Januar rechnet das Land dann damit, die zweite Stufe in der hessischen Impfstrategie einläuten zu können: Dann soll auch das Impfen der "mobilen Ab-80-Jährigen" aus ganz Hessen in den sechs hessischen Regional-Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt losgehen, wie Beuth prognostizierte. Vorab könnten sich die entsprechenden Personen der höchsten Prioritätsgruppe über ein bundeseinheitliches Anmeldeportal oder über eine Hotline um einen entspechenden Termin bemühen. Noch ist eine Anmeldung nicht möglich.

In der dritten Stufe würde der Betrieb in allen 28 hessischen Impfzentren aufgenommen werden. Wann dies der Fall ist, konnten die Minister am Montag in der Pressekonferenz noch nicht mitteilen. Dies hänge davon ab, wie viele Impfdosen zur Verfügung stünden und ob noch weitere Impfstoffe in der EU zugelassen würden.

In dieser Phase sollen auch weitere Prioriätsgruppen nach der bundesweiten Priorisierung berücksichtigt werden. Wenn es einen stabilen Zugang zum Impfstoff gibt, sollen sogar bis zu 30.000 Impfungen pro Tag in Hessen vorgenommen werden.

Grafik Impfstrategie Hessen
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Diese Personen gehören zur höchsten Prioritätsgruppe

Nach der Impfverordnung von Bund und Land gehören zur höchsten Prioritätsgruppe für die Corona-Schutzimpfungen Ältere ab 80 Jahren, Bewohner und Bewohnerinnen von Alten- und Pflegeeinrichtungen, Personal in Notaufnahmen, Corona-Stationen, Intensivstationen, dem Rettungsdienst sowie in der ambulanten Altenpflege.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.12.2020, 19.30 Uhr