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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Parken in Limburg wird deutlich teurer

Schild "Parken nur mit Parkschein"

Die Stadt Limburg kämpft gegen dreckige Luft und drohende Dieselfahrverbote. Eine drastische Erhöhung der Parkgebühren soll dabei helfen: Bis zu sechs Euro pro Stunde werden bald fällig. Der Handel fürchtet schlimme Folgen.

Schlechte Aussichten für Autofahrerinnen und Autofahrer in Limburg: Ab August wird das Parken in der Innenstadt deutlich teurer. Das haben die Stadtverordneten am Montagabend beschlossen. Besonders die Parkgebühren an Straßenrändern werden drastisch erhöht - von einem auf drei Euro pro Stunde.

Spitzenreiter ist aber der Kornmarkt, ein beliebter Platz in der Limburger Altstadt: Hier kostet Parken in Zukunft sechs statt drei Euro pro Stunde. In den Parkhäusern werden die Gebühren um 50 Cent angehoben.

Stadt will Dieselfahrverbot verhindern

Man habe die Gebühren für Straßenparkplätze sehr bewusst erhöht, erklärt Johannes Laubach, der Pressesprecher der Stadt. Es sei eine von vielen Maßnahmen, um ein drohendes Dieselfahrverbot zu verhindern.

"Wir haben hier in Limburg, nicht das große Rad, an dem wir drehen und mit ein oder zwei Maßnahmen die Luftqualität in der Innenstadt verbessern können", so Laubach. Stattdessen müssten viele kleine Stellschrauben gedreht werden, die Parkgebühr sei eine davon.

Nur zwei hessische Städte über Grenzwert

Limburg kämpft seit Jahren mit dreckiger Luft. Zwar hat sich die Luftqualität verbessert, dennoch lag die Stadt laut Umweltbundesamt als eine von nur sechs Städten in Deutschland im vergangenen Jahr erneut über dem zulässigen Grenzwert für Stickstoffdioxid. 2018 waren es bundesweit noch 57 Städte mit zu hohen Messwerten, 2019 noch 25. Der geringe Verkehr während der Pandemie hatte in vielen Städten 2020 zu deutlich niedrigeren Werten geführt. In Limburg hat dieser Effekt dagegen nicht ausgereicht.

Kornmarkt in Limburg

Mit Darmstadt liegt derzeit nur eine weitere hessische Stadt über dem Grenzwert. Hauptquelle der Stickstoffoxide in Städten ist laut Umweltbundesamt der Straßenverkehr, insbesondere durch Dieselfahrzeuge.

Kampf gegen den "Parkplatzsuchverkehr"

Durch die erhöhten Parkgebühren will die Stadt Limburg erreichen, dass die Menschen seltener mit ihren Autos auf Parkplatzsuche durch die Innenstadt fahren und dadurch Abgase produzieren. Das Ziel: Sie sollen direkt in ein günstigeres Parkhaus fahren - oder komplett auf alternative Verkehrsmittel umsteigen.

Als nächstes will die Stadt noch ein Parkmanagement-Konzept erarbeiten, um den "Parkdruck in weniger sensible Bereiche zu lenken", wie es in der Beschlussfassung heißt. Dazu könnte dann auch eine Beschränkung der Parkdauer gehören.

Fast doppelt so hohe Einnahmen

Nicht ganz unwichtig dürfte sein, dass die Stadt durch die Erhöhung zudem deutlich höhere Einnahmen erzielen wird: Statt derzeit rund 1,6 Millionen Euro sollen es nach Prognosen des Magistrats etwa drei Millionen Euro jährlich sein.

Für die verschiedenen Beschlüsse zur Erhöhung stimmten die Stadtverordneten von SPD, CDU und teilweise auch die der Grünen. Die FDP-Fraktion war komplett dagegen.

Kritik vom Handel: Negatives Signal - schlechter Zeitpunkt

Werden Parkgebühren erhöht, lässt Kritik von Händlern und ihren Branchenvertretern meist nicht lange auf sich warten. Auch in Limburg sehen manche darin nun den Todesstoß für die Innenstadt, gerade nach den langen pandemiebedingten Schließungen.

Alfred Jung von der Limburger Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisiert: "Man will damit Menschen zu einem anderen Verhalten bewegen, in dem man ihnen 'weh tut'." Dazu hätte man die Gebühren seiner Ansicht nach aber nicht so drastisch erhöhen müssen. Die Entscheidung sende ein negatives Signal an die Kundinnen und Kunden – und das in einer Zeit, in der man eigentlich versuche, die Innenstadt wieder aufleben zu lassen.

"Positiv wird es sich nicht auswirken"

Jung ist überzeugt: "Wir können das natürlich nicht messen, aber positiv wird es sich sicher nicht auswirken." Limburg sei sehr zentral organisiert und viele Menschen würden aus weiter entfernten ländlichen Bereichen zum Einkaufen in die Stadt kommen, die meisten mit dem Auto.

"Es wäre ein rücksichtsvolleres Signal gewesen, die Parkgebühren an den Straßen nur etwas zu erhöhen und dafür gleichzeitig in den Parkhäusern gleich zu lassen oder vorübergehend zu senken", so der IHK-Sprecher.

Die Erhöhung in den Parkhäusern sei nach Ansicht der Stadt "sehr moderat", betont Limburgs Sprecher Johannes Laubauch. Zudem sei es die erste seit sechs Jahren. "Wir glauben nicht, dass die Erhöhung dazu führt, dass Menschen weniger in der Limburger Innenstadt einkaufen."

Gemischte Reaktionen in der Innenstadt

Bei den Menschen in der Limburger Innenstadt stößt die Entscheidung auf sehr gemischte Gefühle. Manche haben wenig Verständnis und nennen die Erhöhung "bitter" oder "extrem viel". Ein Limburger vermutet, dass es dabei weniger um die Umwelt gehen könnte: "Die Stadt braucht einfach Geld!"

Eine Limburgerin überlegt dagegen tatsächlich, persönliche Konsequenzen zu ziehen: "Dann würde ich glaube ich in die Stadt lieber mit dem Bus fahren oder laufen, anstatt den Preis zu bezahlen."

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