Martin Hein, Georg Bätzing und Heinz Josef Algermissen (Collage)
Bischöfe in Hessen: Martin Hein, Georg Bätzing und Heinz Josef Algermissen. Bild © picture-alliance/dpa

Die in Hessen tätigen Bischöfe haben sich in ihren Weihnachtspredigten ganz unterschiedlichen Themen gewidmet - vom Schutz des ungeborenen und zu Ende gehenden Lebens bis hin zum Familiennachzug für Flüchtlinge.

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Martin Hein

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Heinz Josef Algermissen (Bistum Fulda): Stammzellenforschung "moralisch verwerflich"

Der katholische Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, hat in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag die embryonale Stammzellenforschung kategorisch abgelehnt. Diese Forschung, aber auch die Präimplantationsdiagnostik, sei mit der Tötung von Embryonen verbunden und daher moralisch verwerflich, sagte Algermissen im Fuldaer Dom am Montag.

"Wenn das Gebot, Kranke zu heilen, mit dem Gebot, Unschuldige nicht zu töten, kollidiert, hat immer das Tötungsverbot den Vorrang", sagte der Bischof. "Keine Therapie, und sei sie noch so fantastisch, kann es rechtfertigen, einen Menschen im vorgeburtlichen Zustand zu töten."

Georg Bätzing (Bistum Limburg): "Weihnachten ist das Fest der Menschenwürde"

Weihnachten ist nach den Worten des katholischen Bischofs von Limburg, Georg Bätzing, "das Fest der Menschenwürde". Er sprach laut Manuskript für seine Predigt im Hohen Dom zu Limburg unter anderem über wachsenden Antisemitismus und Ungerechtigkeit. Bätzing redete von einem aus Syrien stammenden zwölfjährigen Ahmed, der nach der Dublin-Verordnung eigentlich das Recht habe, mit seiner in der Türkei ausharrenden Familie zusammengeführt zu werden. Der Junge, der in Deutschland wohnt, könne aber derzeit nur mit seinen Eltern telefonieren. "Das macht es schwer, hier anzukommen." Derzeit ist der Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem, also eingeschränktem Schutz in Deutschland ausgesetzt.

Martin Hein (Kurhessen-Waldeck): "Das entscheidende Ereignis in der Geschichte"

Weihnachten ist nach den Worten des kurhessischen Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, ein Geschenk Gottes an die Menschen. Es erfülle die großen Wünsche und Sehnsüchte nach Frieden, Liebe und Angenommensein, sagte Hein am ersten Weihnachtsfeiertag in der Kasseler Adventskirche.

"Dieses Geschenk ist das Kind in der Krippe von Bethlehem - das Geschenk, das Gott der Welt in der allerersten Weihnacht gemacht hat", sagte Hein in dem Gottesdienst, der von hr-4 übertragen wurde. Weihnachten sei das entscheidende Ereignis der Geschichte, weil Gott hier dem Menschen selbst nahe komme, sagte Hein.

Volker Jung (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau): Menschliches Leben "unendlich wertvoll"

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, sagte am ersten Weihnachtsfeiertag in Frankfurt: Mit dem Kind in der Krippe sei Gott als Mensch zu den Menschen gekommen, "damit wir erkennen, wie unendlich wertvoll menschliches Leben ist". Dies gelte für jedes menschliche Leben. Der jüdische und christliche Glaubenssatz, dass alle Menschen Gottes Kinder sind, habe in das weltliche Verständnis vom Menschen Eingang gefunden: "Die Sprache des Rechts spricht von der Menschenwürde und den Menschenrechten: Freiheit, Gleichheit, Solidarität."

Peter Kohlgraf (Bistum Mainz): "Christus kommt und bleibt"

Der katholische Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf, hat in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag den Blick auf die Bedeutung der Nacht gerichtet. Jesus werde Mensch mitten in der dunklen Welt, auch in der eigenen Dunkelheit, sagte Kohlgraf im Mainzer Dom. Der Sohn Gottes sei schutzlos und arm gewesen, er bleibe bei den Leidtragenden. Christus werde auch Mensch in der eigenen Nacht. "Ich darf sicher sein, dass er da ist und auch da bleibt."

Daher gehe es an Weihnachten nicht darum, die Realität zu vergessen und für einige Tage das Dunkel und den Tod auszublenden, sagte der neue Bischof, dessen Bistum sich größtenteils über Hessen erstreckt. "Vielmehr möchte die Feier von Weihnachten auslösen, dass ich wachsamer und aufmerksamer, sensibler und barmherziger werde."

Sendung: hr4, 25.12.2017, 10.05 Uhr