Armut und Hass, Krieg und Klimawandel: In ihren Weihnachtspredigten sprechen die Bischöfe in Hessen zentrale politische Probleme an. Lösungen biete die christliche Botschaft von Liebe und Gerechtigkeit.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Weihnachtsbotschaften der Bischöfe

Weihnachtsbotschaft als Gegenentwurf: die Bischöfe Gerber (Fulda, im Uhrzeigersinn), Bätzing (Limburg), Bischöfin Hofmann (Kurhessen-Waldeck) und Kohlgraf (Mainz)
Ende des Audiobeitrags

Hinter den vielen Konflikten und Kriegen in der Welt steckten als eigentliche Ursachen Ausbeutung, Korruption, Rechtsbruch und Rücksichtslosigkeit, sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing in seiner Botschaft am ersten Weihnachtsfeiertag. Sie steckten auch hinter der "maßlosen Ausbeutung der Natur", deren Folgen immer deutlicher bewusst würden.

Armut, Kriege und Migrationsströme seien indirekte oder direkte Folgen des Lebenstils "in unserem kleinen, privilegierten Teil der Welt". "Wenn wir dafür keine gerechten Lösungen finden, und wenn wir sie nicht bald umsetzen, gefährden wir die Zukunft unseres Planeten", warnte der Bischof. Das katholische Bistum Limburg erstreckt sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Große und kleine Kriege

In ihrer ersten Weihnachtsbotschaft rückte Beate Hofmann, seit Herbst evangelische Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, die Sehnsucht der Menschen "nach Unterbrechung in den kleinen und großen Kriegen" in den Mittelpunkt. Frieden wünschten sich die Menschen nicht nur in der Welt, sondern auch in Betrieben, Familien "und in uns selbst".

Gottes Antwort auf diese Sehnsucht stecke in dem Kind, dessen Geburt man Weihnachten feiere. Er begegne den Menschen dort, wo sie Menschen füreinander sorgten, sagte Hofmann. Sitz der der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist Kassel.

 Zerstörerische Wirkung von Worten

Den Grundkonsens eines Miteinanders in der Gesellschaft sieht der katholische Fuldaer Bischof Michael Gerber infrage gestellt. Den mutmaßlich rechtsextremistisch motivierten Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) nannte er eine schreckliche Folge von "Hassbotschaften".

Auch vor einer Geschichtsvergessenheit warnte Gerber. Die kommenden Jahre seien die letzten, in denen Zeugen des Zweiten Weltkriegs und der Shoah noch selbst erlebte Geschichte erschließen könnten.

Für den hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung ist das Weihnachtsfest die "Gegenbotschaft gegen jede Form von Hass und Gewalt". Die Geburtsgeschichte Jesu sei "eine große Erzählung von der Liebe Gottes", schreibt Jung in seiner Botschaft zum Christfest auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Wenn Texte wertlos werden

Der Widerspruch zwischen christlicher Botschaft und der Realität in der katholischen Kirche beschäftigte den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Er appellierte an seine Kirche, in Wort und in Tat ein Zeugnis der Liebe Jesu zu sein.

 "Wo die Einheit zwischen Tat und Wort, Lehre und Leben auseinanderbricht, wird das Angebot und die Gegenwart der Liebe Gottes verdunkelt oder unmöglich gemacht", mahnte er Bischof am ersten Weihnachtsfeiertag. Alle biblischen und theologische Zeugnisse hätten nur dann Wert, wenn sie Ausdruck der Liebe, der Sorge und der Nähe zu den Menschen seien. Das Gebiet des Bistums Mainz erstreckt sich auch auf Teile Hessens.

Sendung: hr-iNFO, 25.12.2019, 15 Uhr