Georg Bätzing, Bischof von Limburg

In seiner Osterbotschaft hat der Limburger Bischof Georg Bätzing "erstarrte Strukturen" in der katholischen Kirche scharf kritisiert. Auch andere Bischöfe üben Selbstkritik und fordern "neue Wege". Ein Überblick über die Osterbotschaften der christlichen Kirchen.

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Die katholischen Bischöfe gingen am Sonntag in ihren Osterbotschaften auf Kritik an ihrer Kirche ein - etwa an zögerlicher Aufarbeitung von Missbrauchsfällen oder ihrer Position zu Rechten von Frauen und Homosexuellen. Sie übten auch Selbstkritik. Die Vertreter der evangelischen Kirche zogen Parallelen zwischen der Corona-Pandemie und der biblischen Ostergeschichte: Sie beschrieben den Tod und die Auferstehung Jesu als einen radikalen Umbruch mit vielen Unsicherheiten, der aber auch Hoffnung mache. Ein Überblick über die Osterbotschaften der christlichen Kirchen in Hessen.

Limburger Bischof Bätzing: "Ich leide an der Kirche"

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Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat in seiner Osterbotschaft im Dom der Stadt am Sonntag die Skandale und Unbeweglichkeit in der katholischen Kirche bedauert. Er selbst leide "an der Kirche, wenn sie durch Skandale gläubige Menschen ins Wanken bringt oder durch erstarrte Strukturen und mangelnde Veränderungsbereitschaft vielen den Zugang zum Glauben blockiert."

Es schmerze ihn, wenn ein junger Mann in einem Brief seinen Kirchenaustritt zwar bedauere. Und dann weiter ausführe: "Aber, was man nicht mehr in sich spürt, was man nicht verändern kann, und was selbst nicht in der Lage ist umzukehren, das sollte man verlassen." Das könne er nachvollziehen, betonte Bätzing. "Und ich bedauere es, dass wir als Kirche ein solches Bild abgeben."

Der Bischof rief in seiner Osterpredigt die katholische Kirche zu "Mut zur Erneuerung" auf. "Lasst uns Ostern feiern und vertrauen, dass Jesus in dieser Kirche lebt und wirkt und uns den Mut zur Erneuerung schenkt", sagte Bätzing.

Fuldaer Bischof Gerber: Gemeinsam neue Wege gehen

Michael Gerber

Auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber betonte in seiner Predigt die Einladung zum Aufbruch an Ostern. Er rief die Gläubigen dazu auf, gemeinsam neue Wege zu gehen. "Schwere Zeiten, spannungsvolle Situationen fordern Menschen heraus, die für eine neue Kultur stehen, die aus einer inneren Kraft leben", sagte er.

Wie in der biblischen Ostergeschichte nach der Auferstehung Jesu könne man einen neuen Weg gehen, getragen vom Wort Jesu: "Ich gehe euch voraus, wohin immer ihr unterwegs seid, ich werde schon da sein und euch erwarten".

Mainzer Bischof Kohlgraf: "Heillose Überforderung"

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf steht auf der Kanzel im Dom und hält die Hände ausgebreitet.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf beschrieb Ostern in seiner Predigt als ein Fest zum Ende des Winters: Nach dem Frost, nach der Dunkelheit und Nacht des Winters blühe die Erde neu. "Unsere verwundeten Seelen brauchen gerade in diesen Wochen und Monaten den Glauben an neues Leben und eine Zukunft im Licht", sagte Kohlgraf im Mainzer Dom. Ein Teil des Bistums Mainz liegt in Hessen.

Zum Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen sagte Kohlgraf dem Deutschlandfunk, es gebe "systemische Probleme" und eine "heillose Überforderung". Die Aufarbeitung dauere zu lang.

Mit Blick auf ein umstrittenes Vatikan-Schreiben, wonach eine Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche nicht erlaubt sei, sagte Kohlgraf: Menschen nur nach ihrer sexuellen Orientierung einzuordnen, werde "der Vielfalt menschlichen Lebens nicht gerecht." Der Ton, wie in der katholischen Kirche Menschen über Menschen urteilten, sei oft "unbarmherzig."

EKHN-Präsident Jung: "Kraftquelle für das Hier und Jetzt"

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, sitzt am 12.12.2014 nach einer Pressekonferenz in Groß Gerau (Hessen) in einer Kirche.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, nannte die Osterbotschaft in der Corona-Pandemie eine "Kraftquelle für das Hier und Jetzt". Gottes Macht und seine Liebe seien stärker als der Tod.

"Eine solche Kraftquelle brauchen wir besonders jetzt, wo Leben durch die Pandemie so bedroht ist", sagte Jung. "Es ist eine Kraftquelle für alle, die in der Medizin, der Pflege und im alltäglichen Leben darum ringen, Menschen zu heilen und zu schützen."

EKKW-Bischöfin Hofmann: "Ein Ende, das einen Anfang macht"

Bischöfin Beate Hofmann predigt in einer Kirche.

Auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann, verglich die Pandemie mit der biblischen Ostergeschichte: Es gehe jeweils um viele offene Fragen und ein Infragestellen des bisherigen Lebens.

Ostern erzähle von einem Ende, das einen Anfang mache. "Und das lässt mich hoffen, dass auch wir in einem Ende stecken, das der Anfang von etwas Neuem ist", sagte Hofmann. "Wer auf diese Botschaft vertraut, kann die Ungewissheit, auch die Angst und die Sorgen, die das Leben in Pandemiezeiten mit sich bringt, leichter aushalten und in Unvertrautes, Neues gehen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 04.04.2021, 19.30 Uhr