Limburgs Bischof Georg Bätzing

Der Limburger Bischof Bätzing hat dazu aufgerufen, eine vernünftige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden. Zugleich äußerte er in seinem Pfingstgottesdienst die Sorge, dass Corona die Kirchenkrise beschleunigen könnte.

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hessenschau vom 01.06.2020
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Bätzing rief in seiner Predigt dazu auf, eine vernünftige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden. Die Mehrheit der Bürger sei mit der zeitweisen Einschränkung der Freiheit einverstanden, und die Maßnahmen seien erfolgreich, sagte Bätzing am Sonntag im mit Limburger Dom.

Nun, da die Gesellschaft allmählich wieder aufwache, wagten sich jedoch viele mit Kritik hervor, fröhlich Unbesorgte genauso wie tief Besorgte und leider auch die extrem Ausgerichteten. Wegen der Corona-Beschränkungen konnten nur 70 Gläubige dem Gottesdienst im Dom folgen.

"Eine Randerscheinung"

"Seltsame Koalitionen von völlig berechtigten Anliegen mit solchen von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern, von rechten und linken Demonstranten wollen diesen öffentlichen Raum als erste besetzen. Mit teils kruden Thesen und Forderungen, die leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden haben, bleiben sie, wenn auch lautstark und hässlich aggressiv, bisher eine Randerscheinung", fuhr Bätzing fort.

Die Mehrheit der Bürger sei mit der vorübergehenden Einschränkung der bürgerlichen Freiheit einverstanden gewesen. Die Maßnahmen hätten sich als wirksam erwiesen.

Kirche noch systemrelevant?

Er habe sich in den vergangenen Wochen oft die Frage gestellt, ob Kirche und Religion angesichts der weiter geltenden erheblichen Einschränkungen für die Seelsorge systemrelevant seien, sagte der Limburger Bischof. "Diese Krisenzeit verschärft die Zeitansage an die Kirche. Wir müssen uns ihr stellen, sie durchdringen und miteinander darauf antworten."

Die Befürchtung, gar die Erfahrung, von der Welt nicht als relevant wahrgenommen zu werden, sei für die Kirche seit Jahrzehnten vertraut. Die Corona-Krise könnte diese Entwicklung beschleunigen.

Die Kirche müsse sich deshalb weiter öffnen, sich aus geschlossenen Räumen und Systemen zurückziehen, und sich den Menschen zuwenden. "Draußen vor den Kirchtürmen, mitten in der Stadt und in der Welt, ist der eigentlich spannende Ort, um von Gott zu reden und zu Erfahrungen mit Gott einzuladen", sagte der Bischof. Schließlich machten sich auch beim Ur-Pfingstfest vor rund 2.000 Jahren die Apostel auf den Weg "aus ihrem Obergemach und stellten sich der Öffentlichkeit", sagte Bätzing.

Das Beispiel Papst Franziskus

Umso mehr müsse sich die Kirche der Welt zuwenden, beständig Tore öffnen, sich an Ränder und Grenzen begeben, auf die Menschen zugehen. Bätzing verwies auf Papst Franziskus, der dies tue. Seinem Beispiel gelte es zu folgen. Der Bischof belegte dies auch mit einem Blick in die Bibel: "Die Apostelgeschichte weiß gar nichts von verschlossenen Türen, hinter denen sich die Jünger ängstlich verbarrikadiert hätten."

EKHN-Präsident: Hilfsbedürftige im Blick behalten

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung rief dazu auf, die weltweiten Folgen der Corona-Pandemie deutlicher in den Blick zu nehmen als bisher. Ihn stärke, dass Christen weltweit miteinander verbunden seien und sich besonders um die Hilfsbedürftigen mühten, schrieb Jung in seiner Pfingstbotschaft.

Die Menschen in Deutschland blieben weiter durch den Umgang mit dem Coronavirus sehr herausgefordert, betonte der Präsident der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN). Die biblische Pfingstgeschichte, dass Gott immer wieder zum Leben führe, könne helfen, mit der für alle belastenden Situation umzugehen.

Sendung: hr-iNFO, 31.05.2020, 12 Uhr