Blick auf den Limburger Dom entlang weiterer Gebäude.

Nach dem Tod des Leiters des Priesterseminars, Christof May, herrscht im Bistum Limburg "Bestürzung und Fassungslosigkeit". Einen Tag zuvor hatte ihn Bischof Bätzing wegen "Vorwürfen übergriffigen Verhaltens" von allen Ämtern freigestellt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Suizid aus.

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Bistum zum Fall May: "Es gibt viele offene Fragen"

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Das Bistum Limburg bestätigte am Freitag den Tod von Christof May. Dieser sei am Donnerstag tot aufgefunden worden. Details zu den Todesumständen des Geistlichen nannte das Bistum in der Mitteilung nicht.

Nach Polizeiangaben war ein Mann am Donnerstagvormittag tot in der Nähe von Limburg gefunden worden. Dem hr bestätigten die Beamten am Freitag, dass es sich bei dem Toten um May handle.

Die Staatsanwaltschaft Limburg geht von einem Suizid aus. "Nach den umfangreich geführten Ermittlungen gibt es keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden oder eine strafbare Handlung, die zum Tode des Verstorbenen geführt hat", teilte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. Es sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Bistum: Mays Tod hinterlässt viele Fragen

"Die Geschehnisse erschüttern uns im Bistum Limburg und weit darüber hinaus. Der Tod trifft uns sehr, ruft Bestürzung und Fassungslosigkeit hervor und hinterlässt viele Fragen", hatte das Bistum am Freitag mitgeteilt.

In einer internen E-Mail, die dem hr vorliegt, hatte Bistumssprecher Stephan Schnelle bereits am Donnerstag Mitarbeitende des Bistums über den Todesfall informiert: "Regens Dr. Christof May ist heute tot aufgefunden worden. Wir sind erschüttert und voller Trauer", heißt es in der Mail. Man habe einen engagierten und sehr geschätzten Seelsorger verloren. May wurde 49 Jahre alt. Er wohnte in Limburg und stammte aus dem Westerwald.

Bischof stellte May frei, um Vorwürfe zu prüfen

Einen Tag vor seinem Tod war der Leiter der Priesterausbildung "in einem persönlichen Gespräch zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens angehört worden", teilte das Bistum am Freitag mit. "Im Anschluss hatte Bischof Georg Bätzing ihn von allen Ämtern freigestellt, um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können."

Um welche Vorwürfe es im Detail ging, erklärte das Bistum nicht. Der Tod des Priesters sei "besonders auch für den Bischof, die Personalverantwortlichen und die Bistumsleitung sehr bedrückend und hinterlässt offene Fragen", hieß es in der Mitteilung.

Und weiter: "Die aufrichtige Anteilnahme des Bistums gilt der Familie des Verstorbenen. Zugleich sind wir in Gedanken auch bei denen, die die Vorwürfe gemeldet haben."

Von den Vorwürfen des "übergriffigen Verhaltens" des Geistlichen hatte die Staatsanwaltschaft Limburg nach Angaben vom Freitag bislang keine Kenntnis. Diese seien demnach bisher nicht im Rahmen einer Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft oder die Polizei herangetragen worden.

Regens seit 2018

May hatte das Amt des Regens laut Bistum im September 2018 übernommen. Zuvor war er Pfarrer der Pfarrei St. Anna Braunfels (Lahn-Dill) sowie Bezirksdekan in den katholischen Bezirken Wetzlar und Lahn-Dill-Eder.

Zu seinen Aufgaben als Regens gehörten neben der Leitung der Abteilung Personalausbildung und des Limburger Priesterseminars Aufgaben im Bereich der Kirchenentwicklung. Im Dezember 2019 wurde May zudem zu einem von sieben Domkapitularen ernannt.

Bezirksdekan zurückgetreten - Bischof entschuldigt sich

Erst in der vergangenen Woche war im Bistum Limburg der Dekan des katholischen Bezirks Westerwald, Winfried Roth, zurückgetreten. Obwohl es Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn gab, war der katholische Pfarrer zum Bezirksdekan berufen worden.

Bischof Bätzing entschuldigte sich für die Entscheidung und bat die Betroffenen um Verzeihung.

Weitere Informationen

Hilfe bei Suizidgedanken

Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und auch geheilt werden. Hier finden Sie Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar unter der bundeseinheitlichen Telefonnummer: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222.

Um die Anonymität der Anrufer zu wahren, ist die Übermittlung der Rufnummer gesperrt und wird somit in keinem Display der Telefonseelsorge angezeigt. Anrufe bei der Telefonseelsorge werden auch im Einzelverbindungsnachweis nicht aufgeführt.

Auch im Internet kann die Telefonseelsorge kontaktiert werden unter: telefonseelsorge.de

Weitere Informationen zu Hilfsangeboten - beispielsweise Selbsthilfegruppen - finden sich auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: suizidprophylaxe.de

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