Haus der Begegnung Frankfurt Bistum
Das "Haus der Begegnung" in Frankfurt ist zur "Villa Gründergeist" geworden. Bild © Endres/hr

Was das Frankfurter "Haus der Begegnung" an Bildung und Beratung bot, war laut Bistum Limburg überholt. Am gleichen Ort soll die "Villa Gründergeist" Welt und Kirche mit Trends aus der Start-Up-Szene ein wenig besser machen. Noch ist manches offen - aber das sei Teil des Konzepts.

Das Bistum Limburg will jungen Menschen in Frankfurt Räume, Ausstattung und Kontakte bei der Entwicklung neuer Firmen und Initiativen bieten. Die zu diesem Zweck in einem Jugendstilgebäude im Westend gegründete "Villa Gründergeist" sei ab sofort am Start, berichtete Peter Kubikowski, der Leiter der Einrichtung, am Dienstag.

Es sei Vorgabe des Bischofs, "an diesem Ort etwas Neues zu denken". Auf vier Stockwerken schafft das Bistum laut Sprecher Stephan Schnelle "einen Experimentierraum für werte-orientierte kreative Köpfe". Das Konzept basiert auf Vorstellungen der Unternehmensforschung und der "kreativen Start-Up-Szene".

Von einer Start-Up-Villa könne gleichwohl keine Rede sein, sagte der Theologe und Projektmanager Kubikowski mit Blick auf einen Bericht von hessenschau.de. Auf der Homepage der Villa heißt es unter anderem: "Sie wollen bei unserem Projekt mitmachen als junges Unternehmer oder Startup? [...] Lassen Sie uns in der Villa Gründergeist spinnen, wie man die Welt mit Ihrer Idee ein Stück besser machen kann."

Kritik am HdB-Ende

Die neue Einrichtung folgt auf das "Haus der Begegnung", das am gleichen Ort im Westend jahrzehntelang jungen Erwachsenen Bildungs- und Beratungsangebote unterbreitet hatte - von Yoga über Exkursionen bis zur Paarberatung. Der Vorstellung der neuen Pläne war heftige Kritik früherer Beteiligter an der schon vor Monaten stillschweigend vollzogenen Einstellung des HdB-Programms vorausgegangen.

Ex-HdB-Leiter und Mitgründer Norbert Copray hatte dem Bistum vorgeworfen, es habe eine einst bundesweit vorbildliche Bildungsstätte systematisch "vor die Hunde gehen" lassen. Anstatt das HdB-Konzept zu modernisieren, habe die Amtskirche einen "seltsamen Traditionsbruch" begangen. Ein frühere Dozentin sagte, Kursleiter seien regelrecht vergrault worden, das neue Konzept nannte sie "inhaltslos".

Kommerzielle Vorbilder für Unkommerzielles

In der Westend-Villa soll es frei verfügbaren, aber auch mietbaren Raum mit moderner Internettechnik und einem Café geben. Als Vorbild nannte Kubikowski unter anderem das Unternehmen Heimathafen in Wiesbaden. Kommerzielle Interessen verfolge das Bistum im Gegensatz dazu aber nicht.

Zielgruppe sind demnach Menschen mit Ideen, die noch nicht so gut vernetzt seien und die nicht leicht einen Gründungskredit von Banken bekämen. Als Beispiel nannte Bistumssprecher Schnelle unter anderem Theologen und Sozialarbeiter "ohne finanziellen Background". Jungen Künstlern soll zudem Raum für Ausstellungen geboten werden.

Inhaltliche Erneuerung

Ideelles Ziel sei es, die Gesellschaft und auch die Kirche voranzubringen. Außerdem wolle die Kirche mit jungen Erwachsenen auf diesem Weg wieder mehr über Glaubensfragen ins Gespräch kommen, sagte David Schulke, Leiter der zuständigen Abteilung im Bistum.

Die "Villa Gründergeist" stehe damit im Zusammenhang mit dem aktuellen inhaltlichen Erneuerungsprozess im Bistum. Zuvor sei mit der Schaffung neuer Großpfarreien die strukturelle Erneuerung vollzogen worden. Auch im Bistum Limburg herrscht Priestermangel, und die Zahl der Gläubigen sinkt.

Nicht mehr zeitgemäß?

Die Nachfrage im Haus der Begegnung sei stetig rückläufig gewesen, sagte Bistumssprecher Schnelle über das Ende der Vorgängereinrichtung. Die Teilnehmerzahl sei von 20.000 in den 90er Jahren auf 5.000 im Jahr 2012 zurückgegangen.

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Jahrelang ohne Leitung

Die Spitze des "Hauses der Begegnung" blieb jahrelang unbesetzt, nachdem der damalige Chef Patrick Dehm wegen Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geschasst worden war. Die fristlose Kündigung bewertete ein Arbeitsgericht als unwirksam. Es kam zu einem Vergleich samt Abfindung. Nach dem Abgang von Tebartz-van Elst forderte Dehm vergeblich die Wiedereinstellung auf seinem alten Posten.

Ende der weiteren Informationen

Außerdem war vieles aus dem HdB-Angebot laut Bistum zur Ansprache einer jungen Zielgruppe entweder nicht mehr zeitgemäß oder werde von anderen katholischen Institutionen in Frankfurt auch angeboten. Die Villa Gründergeist verzichte im Gegensatz zur Vorgängerin auch bewusst auf ein festes Programm, sagte Leiter Kubikowski.

Weiterer städtischer Zuschuss noch ungewiss

Zu dem neuen, ungezwungenen Konzept gehört es demnach auch, dass Räume und Ausstattung noch nicht fertig umgestaltet oder erneuert wurden. Interessenten am Villa-Angebot hätten sich schon gemeldet. Angaben über die Zahl oder die Projekte machte das Bistum nicht.

Das gilt auch für die Finanzierung. Ob die Stadt Frankfurt ihren Zuschuss von jährlich gut 80.000 Euro nach Änderung des Konzeptes weiterzahlt, sei derzeit Gegenstand von Gesprächen.

Sendung, hr-iNFO, Himmel und Erde, 15.07.2018, 6.05 Uhr