Weggeworfene Maske

Keine Lust auf Masketragen? Ein Attest vom Arzt könnte helfen. Einige Mediziner gehen mit diesem Thema offenbar großzügig um. Die Landesärztekammer warnt vor Gefälligkeitsattesten ohne medizinischen Grund.

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Nur ein Stück Stoff? Viele Menschen ärgern sich über die Pflicht etwa in Bussen und Bahnen, eine Maske zum Schutz anderer und sich selbst vor Coronaviren zu tragen. Auch einige Ärzte stellen die Sinnhaftigkeit der Maßnahme infrage und manche untergraben sie sogar aktiv: Das Berufsgericht der Landesärztekammer verhandelt hierzu aktuell den Fall eines Arztes aus Nordhessen. Der Urologe Jens B. hatte Blanko-Atteste für eine Befreiung von der Maskenpflicht für alle frei verfügbar ins Internet gestellt. Er betreibt auf YouTube einen Kanal, auf dem er die Existenz einer Corona-Pandemie leugnet.

Landesärztekammer warnt von Gefälligkeitsattesten

Die hessische Landesärztekammer warnte indes die Ärzte in einem Schreiben ganz öffentlich vor Gefälligkeitsgutachten. Stellten Ärzte Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ohne individuelle Untersuchung aus, also ohne die so genannte Indikation, könne dies "Gegenstand berufsrechtlicher Massnahmen gegen sie sein". Auch drohten strafrechtliche Folgen bei unrichtigen Gesundheitszeugnissen. "Die Maskenpflicht ist wichtig, ob man möchte oder nicht", sagt Monika Buchalik, stellvertretende Vorsitzende der Landesärztekammer "Gefälligkeitsatteste sind gegen unsere ärztliche Berufsordnung."

Eine Untersuchung vor dem Berufsgericht der Landesärztekammer kann im schärfsten Fall bis zum Entzug der Approbation führen. Die Nachfrage nach Gefälligkeitsattesten ist statistisch nicht erfasst, auch gibt es keine Zahlen, wie viele Ärzte in Hessen solche Atteste ausstellen. Wenn die Patienten ein solches Vorgehen nicht an die Kammer melden, bekommt diese keine Kenntnis von den Verstößen.

Ohne medizinische Indikation keine Maskenbefreiung

Auch Hausärzte wie Oliver Langmann aus Frankfurt werden immer wieder von Patienten um ein Attest gebeten, das von der verhassten Maske befreien soll. Dann muss der Mediziner ihnen erklären, dass es dafür sehr strenge Kriterien gibt. "Reine Befindlichkeitsstörungen wegen der Maske gehören nicht dazu." Für Langmann ist klar, er steht für Gefälligkeitsgutachten nicht zur Verfügung. "Ein Attest zur Befreiung der Maskenpflicht gibt es bei mir nur, wenn medizinische Gründe vorliegen.“ Das seien in der Regel schwere Herzerkrankungen, schwere Lungenerkrankungen wie bei Asthma und auch schwere psychische Erkrankungen. Letztere allerdings nur im Ausnahmefall. "Die Masse aber", so der Hausarzt "ist das bei mir nicht". Er stellt nur selten, aber dann echte Atteste aus.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.08.2020, 19.30 Uhr