Samsor Sherzad, Stadtschulsprecherin Hibba Kauser, Lehrerin Brigitta Simbürger, Mitschülerin Julia Endres, Abdul Adellyar, Sultan Mohammad, , Mitschüler (v.l.n.r)
Samsor Sherzad, Stadtschulsprecherin Hibba Kauser, Lehrerin Brigitta Simbürger, Mitschülerin Julia Endres, Abdul Adellyar, Sultan Mohammad, Mitschüler (v.l.n.r) Bild © Andreas Bauer (hessenschau.de, Archiv)

Eine Schülergruppe aus Offenbach ist nach Berlin gereist, um im Bundestag eine Petition für das Bleiberecht afghanischer Mitschüler zu übergeben. Sie haben mehr als 53.000 Unterschriften gesammelt.

Seit mehr als einem Jahr schon kämpft Hibba Kauser dafür, dass ihre Mitschüler, die als Minderjährige aus Afghanistan gekommen sind, in Deutschland bleiben dürfen. "Wir alle wissen, dass in Afghanistan seit 40 Jahren Krieg herrscht. Wir können nicht nachvollziehen, warum Menschen weiterhin dorthin abgeschoben werden", sagt die Sprecherin des Offenbacher Stadtschülerinnenrats.

Zusammen mit Mitstreitern hat sie vor einiger Zeit eine Petition für das Bleiberecht der Flüchtlinge gestartet. Mehr als 53.000 Menschen haben sie inzwischen unterschrieben. Am Dienstag reiste Hibba Kauser mit ihren Mitschülern nach Berlin, um die Petition im Bundestag zu übergeben.

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Kämpfen darum, dass ihre Mitschüler nicht abgeschoben werden: Hibba Kauser und Julia Endres

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schüler aus Offenbach kämpfen weiter um Bleiberecht für afghanische Mitschüler

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Die Delegation soll im Bundestag von der Linksfraktion empfangen werden. Christine Buchholz, die Abgeordnete, die ihren Wahlkreis in Offenbach hat, will dafür sorgen, dass die Unterschriftenliste an Mitglieder des Petitionsausschusses übergeben wird.

Abschiebung kurz vor dem Schulabschluss?

Zur Besuchergruppe wird auch Mohamad Abed Anwari gehören. Er ist einer der rund 100 afghanischen Flüchtlinge, denen nach Angaben der Offenbacher Schüler in Stadt und Landkreis die Abschiebung droht. Mohamad Abed Anwari hat bereits einen Abschiebebescheid erhalten.

Der 19-Jährige besucht eine Integrationsklasse der Offenbacher August-Bebel-Schule, einer berufsbildenden Schule. Er steht kurz vor dem Hauptschulabschluss. Das sollte eigentlich sein Ticket ins Berufsleben werden - aber richtig freuen kann er sich nicht. "Wir sind einfach enttäuscht. Und wir wissen nicht, was passiert mit unserer Zukunft, unserer Schule und der Ausbildung", sagt er.

Die Taliban haben seinen Vater getötet, vor seinen Augen, wie er sagt. Nach Afghanistan zurückkehren zu müssen, das ist für ihn eine Horrorvorstellung. "Ich kann nicht schlafen und denke die ganze Nacht: Wenn ich jetzt nach Afghanistan gehe…" Er spricht den Satz nicht zu Ende.

Mohamad Abed Anwari träumt davon, sein eigenes Geld in Deutschland zu verdienen. Er habe sich schon bei verschiedenen Firmen um eine Lehrstelle als Hotelfachmann und Fahrzeuglackierer beworben, sagt er. Doch solange die Abschiebung droht, bleibt die Ausbildung wohl tatsächlich nur ein Traum.

"Es gibt uns Hoffnung. Und das ist ja auch etwas"

Dass die Übergabe der Unterschriften tatsächlich etwas ändern wird, daran mögen auch die Offenbacher Schüler nicht so recht glauben. Julia Endres, Schülerin der August-Bebel-Schule und Mitinitiatorin der Petition, findet trotzdem, dass es sich lohnt, zu kämpfen. "Wir haben auf jeden Fall unsere Freundschaft vertieft, was auch ein Erfolg ist", sagt sie. "Außerdem haben wir uns viele andere Projekte überlegt, die helfen, die Jungs zu integrieren und vielleicht auch dieses Bild verändern, das manche Leute von geflüchteten Menschen haben."

Auch für Mohamad Abed Anwari hat sich die Aktion gelohnt. "Es gibt uns Hoffnung. Und das ist ja auch etwas", sagt er.