Sammelunterkunft für Flüchtlinge am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames

Nach den Bewohner-Protesten in einer Unterkunft in Frankfurt bleibt der Hauptstreitpunkt ungelöst: Wegen Brandgefahr müssten die Bewohner ihre Küchenherde abgeben. Die denken aber gar nicht daran.

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hessenschau vom 26.06.2020
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Undichte Dächer, kaum warmes Wasser, massiver Krätze-Befall - die Menschen in der Sammelunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames haben einiges zu erdulden. Aber was sie am Ende vor einigen Tagen zum lautstarken Protest auf die Straße trieb, war die Anordnung der Hausleitung, die Küchenherde abzugeben. Das Stromnetz sei überlastet, es könne jederzeit brennen, warnte der Betreiber. Trotzdem nutzen die Bewohner die Herde weiter.

Betreiber der Unterkunft ist die Frankfurter Diakonie. Deren Chef Michael Frase präsentierte kürzlich vor Journalisten einen Beleg für die Gefahr in der Bonameser Unterkunft: eine durchgeschmorte Sicherung.

Zwei solche Schmorbrände habe es schon gegeben, sagte Frase. Die Küchenherde, die sich über 30 Familien selbst und entgegen der Hausordnung installiert hätten, verbrauchten zu viel Strom. Eigentlich sollen die Familien mit zwei Herdplatten auskommen.

Offene Brandschutz-Frage

Die Position der Stadt ist klar: Mehr Brandschutz muss sein. Die Unterkunft besteht aus Holzmodulen. Familien mit bis zu sechs Kindern leben in Zwei-Zimmer-Appartements, die oft mit dicken Teppichen, schweren Gardinen und Betten und Schränken aus Holz eingerichtet sind. Flammen hätten hier leichtes Spiel. Aber seit den Bewohner-Protesten herrscht beim Brandschutz Stillstand.

Herdplatten und Herd in einer Hütte in der Sammelunterkunft in Frankfurt-Bonames

Ein Kompromiss-Vorschlag von Stadt und Diakonie stieß bei einem Gespräch mit Bewohnern Anfang der Woche auf wenig Gegenliebe: Jedes Appartement solle in zwei bis drei Monaten eine eigene Sicherung bekommen, die Stadt werde dafür eine Viertelmillion Euro investieren. Dann könnten die Familien ihre Herde wieder in Betrieb nehmen. Bis dahin allerdings müssten die Geräte vom Netz. Die Bewohner lehnten das ab. Für große Familien sei ein Herd unverzichtbar, sagten sie.

Heimleitung holt Feuerwehr ins Haus

Obwohl das Herd-Verbot gilt, zögert die Diakonie bei der Durchsetzung. Die Bereichsleiterin für Flucht und Integration, Sabine Kalinock, sagte dem hr, in der angespannten Situation habe man den Familien nicht auch noch die Herde wegnehmen wollen. Man wolle jetzt den Rat eines Brandschutz-Gutachters einholen. Auch die Feuerwehr werde demnächst die Unterkunft begehen.

Dass die Feuerwehr dann die sofortige Stilllegung der Herde anordnet, hält auch Kalinock für wahrscheinlich. Unklar ist, wie die Bewohner das aufnähmen.

Die Stimmung in der Unterkunft war zuletzt so aufgeheizt, dass die Diakonie einen privaten Sicherheitsdienst engagiert hat. Auch zum Schutz der Mitarbeiter, wie Diakonie-Chef Frase betont. Die seien nämlich massiv bedroht worden.

Krätze scheint unter Kontrolle

Aber es gibt auch Positives aus der Unterkunft zu berichten: Der massive Krätze-Ausbruch, der den Behörden erst durch hr-Recherchen bekannt wurde, scheint unter Kontrolle gebracht.

54 Fälle hat das Gesundheitsamt nach eigenen Angaben registriert. Alle seien in Behandlung. Ein sieben Monate altes Baby und seine Mutter waren sogar mehrere Tage im Klinikum. Nun gelte es, Neuinfektionen zu vermeiden, teilte das Amt mit.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 26.06.2020, 19.30 Uhr