Eine Aktivistin hängt an einem Seil an einer Brücke an der A7 bei Kassel.

A49-Ausbaugegner haben sich von Brücken an der A7 und der A485 abgeseilt und den Verkehr dort lahmgelegt. Sie fordern eine Verkehrswende zu Lasten der Autos. Die Polizei hat die beteiligten Aktivisten festgenommen.

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Wegen einer Protestaktion von Gegnern des A49-Ausbaus sind am Freitagmorgen die A7 bei Kassel und die A485 bei Gießen komplett gesperrt worden. Mehrere Personen hatten sich von Brücken abgeseilt und Transparente entrollt.

Acht Festnahmen

Zwei Frauen hatten sich an der A7 mit einem Seil an eine Brücke gehängt. Die Feuerwehr brachte die Aktivistinnen noch am Vormittag mit einer Drehleiter sicher zu Boden. Laut Polizei hatte zunächst eine der Frauen darum gebeten, heruntergeholt zu werden. Kurz darauf habe sich auch die zweite Frau freiwillig in den Rettungskorb begeben. Beide kamen in Gewahrsam. Die Ermittler prüfen nun, ob sie Straftaten begangen haben. Von der Brücke wurde noch ein Banner entfernt. Danach wurden alle Fahrspuren der zwischenzeitlich teilgesperrten Autobahn wieder für den Verkehr freigegeben.

Auch auf der A485 rollte der Verkehr am frühen Nachmittag wieder. Dort hatten sich zwei Männer und eine Frau von einer Brücke abgeseilt. Nach Angaben der Polizei wurden auch diese Aktivisten in Sicherheit gebracht und festgenommen. Auch drei mutmaßliche Unterstützer seien festgenommen worden. Vier seien wieder auf freien Fuß gekommen, bei den anderen dauere die Klärung der Identitäten an. Ermittelt werde unter anderem wegen Nötigung.

Auch in anderen Bundesländern beteiligten sich Umweltschützer nach Angaben der Aktivisten an den Protesten. Demnach seilten sich zeitgleich Personen von Brücken an der A2 bei Braunschweig, der A4 bei Dresden und Jena sowie der A7 bei Schleswig ab. Auf ihren Transparenten forderten die Aktivisten allesamt die Verkehrswende.

Bündnis will Druck auf Landesregierung ausüben

Das Bündnis "Autofrei" erklärte am Freitagmorgen, mit der Aktion bei Kassel wolle man "Druck auf die Landesregierung" ausüben. Zudem setzten sich die Aktivisten für eine nachhaltige Verkehrswende ein und fordern "einschneidende Maßnahmen zu Lasten der Automobilindustrie", wie es in der Mitteilung heißt.

Im Dannenröder Forst nahe Homberg/Ohm (Vogelsberg) sollen auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume für den Weiterbau der A49 gerodet werden, die Arbeiten laufen bereits. Umwelt- und Klimaschützer protestieren, weil sie das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt halten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Abseilaktion an der A485 bei Gießen

Abseilaktion an der A485 bei Gießen
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Bereits Ende Oktober hatten sich Klimaschützer an drei Autobahnbrücken im Rhein-Main-Gebiet abgeseilt, es kam zu starken Behinderungen im Berufsverkehr. Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte die Aktionen als "gezielten Angriff auf die Infrastruktur" bezeichnet, auch andere Parteien übten scharfe Kritik. SPD-Fraktionschef Marius Weiß sprach von "gefährlichem Irrsinn", auch Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war "fassungslos".

Aktion an A5 gerichtlich untersagt

Für vergangenen Dienstag hatten die Aktivisten eine Abseilaktion von einer Brücke auf der A5 bei Neu-Isenburg (Offenbach) im Vorfeld anmelden wollen. Doch die Stadt Neu-Isenburg lehnt ab - und ein Eilantrag der Organisatoren wurde vom Verwaltungsgericht Darmstadt ebenfalls zurückgewiesen. "Das ist keine Entscheidung gegen die Versammlungsfreiheit, sondern eine Entscheidung für die Sicherheit aller am Verkehr Teilnehmenden", betonte Bürgermeister Herbert Hunkel.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.11.2020, 19.30 Uhr