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Audioseite "Squid Game" in hessischen Schulen angekommen

Filmszene aus der Netflix-Serie "Squid Game"

Grundschüler spielen Erschießungen nach oder bestrafen sich mit Ohrfeigen: Der Netflix-Hit "Squid Game" ist auch auf hessischen Pausenhöfen angekommen. Lehrkräfte und das Kultusministerium sind alarmiert, eine Medienpädagogin rät zur Besonnenheit.

Spätestens seit dem Ende der Herbstferien hallt es auch über hessische Schulhöfe: "Rotes Licht, grünes Licht." Das Kinderspiel, hierzulande besser bekannt als "Ochs am Berg", feiert derzeit eine Renaissance. Grund dafür ist der weltweite Erfolg der Netflix-Serie "Squid Game". Doch für Kinder ist die ab 16 Jahren empfohlene koreanische Produktion eigentlich nicht gedacht.

Die darin vorkommende Version des Spiels funktioniert ähnlich wie der "Ochs am Berg". Teilnehmer bewegen sich in einem Spielareal auf ein Ziel zu und müssen auf Kommando wie angewurzelt stehen bleiben. Der entscheidende Unterschied: Statt einer Strafversetzung nach hinten werden die Verlierer in der Netflix-Serie brutal getötet.

Grundschüler spielen Erschießungen nach

Der hr hat von zahlreichen hessischen Schulen erfahren, an denen "Squid Game" auf dem Pausenhof nachgespielt wird. Selbst an Grundschulen gebe es "rotes Licht, grünes Licht", berichtet ein Sozialarbeiter aus Kassel. Sechs- bis Zehnjährige inszenierten Erschießungen, lägen regungslos auf dem Boden und mimten Leichen.

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Squid Game

"Squid Game" ist eine koreanische Netflix-Produktion, in der hochverschuldete Personen mit der Aussicht auf schnelles Geld als Teilnehmer in eine sadistische und äußerst blutige Art Game Show gelockt werden. Dort treten sie in Kinderspielen gegeneinander an. Verlierer werden getötet, der Gewinner erhält ein hohes Preisgeld.

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Viele von ihnen haben die Serie nach Angaben des Sozialarbeiters während der Herbstferien mit älteren Geschwistern, Freunden oder in den Sozialen Medien gesehen. Andere Grundschulen hätten von ähnlichen Vorkommnissen berichtet.

Ohrfeigen als Bestrafung

"Squid Game" sorge aktuell für große Aufregung in den Kollegien, weiß Boris Krüger, Sprecher des hessischen Lehrerverbandes. Täglich führe das zu Diskussionen auf den Pausenhöfen. Besonders problematisch wird es, wenn es analog zur Serie zu Bestrafungen der Verlierer kommt.

"Lehrkräfte sollten darauf achten, dass das Nachspielen nicht aus dem Ruder läuft", sagt ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums auf Nachfrage. Körperliche Gewalt und Bestrafungen als Konsequenz für die Verlierer seien inakzeptabel. Bekannt sei bislang "die eine oder andere Ohrfeige". Das Ministerium sieht in der Serie grundsätzlich keinen geeigneten Stoff für jüngere Jugendliche oder gar Kinder. Die Netflix-Produktion stelle menschenverachtende Inhalte dar.

Medienpädagogin rät zur Besonnenheit

Die Frankfurter Medienpädagogin Beate Kremser kennt die aufgeregte Diskussion bei vielen Lehrkräften rund um das Thema "Squid Game", rät aber von einer einseitigen Betrachtung ab. Die Serie enthalte natürlich gewaltvolle Szenen, die nicht für Kinder geeignet seien. Trotzdem sei das Nachspielen in erster Linie ein natürliches Verhalten, sagt Kremser. Wenn die Kinder aber Verlierer mit Prügel und Gewalt drangsalierten, müsse man das deutlich mit ihnen besprechen.

Beate Kremser ist  Medienpädagogin und MItgründerin der Digitalen Helden

Besser als ein reines Serienverbot sei es, Kindern zu erklären, warum die Inhalte nicht geeignet sind, rät die Expertin. Denn: "Ein Verbot reizt Kinder, die Serie heimlich oder bei Freunden zu schauen", so Kremser. Dann hätten Kinder möglicherweise Angst, davon zu erzählen, und man könne als Elternteil nicht mehr sinnvoll intervenieren, wenn Kinder deswegen etwa nicht schlafen könnten.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen hält die Medienpädagogin ein Auseinandersetzen mit "Squid Game" sogar für sinnvoll. Mit ihnen könne man über die Serie reden, weil sie spannenden Stoff über das Regeln von Zusammenleben, Moral und Ethik hergebe. Das könne altersangemessen im Schulunterricht thematisiert werden.

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Infos zur FSK-Prüfung

Anders als in anderen Medien berichtet, wurde die Serie "Squid Game" nicht bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) zur Prüfung vorgelegt. Die Kontrolleinrichtung in Wiesbaden stellte in einer Mitteilung klar, dass die Serie nicht von der FSK überprüft worden sei. Die FSK-Prüfung sei freiwillig und nicht gesetzlich verpflichtend. Anbieter im Online-Bereich können ihre Inhalte selbst einschätzen. Netflix empfiehlt "Squid Game" wegen expliziter Gewaltdarstellung erst für Menschen ab 16 Jahren.

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