Feuerwache in Walldorf

Mörfelden-Walldorf: Eine Stadt mit zwei Stadtteilen, zwei Rathäusern, zwei Bahnhöfen und zwei Freiwilligen Feuerwehren. Die Stadt wollte die beiden Wehren zusammenlegen - und musste nun beim Bürgerentscheid eine Niederlage hinnehmen.

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hs
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Die Frage, ob Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau) zwei Feuerwehren oder nur eine braucht, hat lange die Gemüter in der Stadt erhitzt. Formal hat der Streit nun ein Ende gefunden. Ein Bürgerentscheid brachte am Sonntag ein knappes, aber eindeutiges Ergebnis: 6.501 Bürger stimmten für den Erhalt beider Wehren - notwendig waren 6.361 Ja-Stimmen. So waren es 141 Stimmen, die die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung für die Zusammenlegung der Wachen endgültig vom Tisch fegte.

Stadtrat: "Wir müssen damit leben"

Die Wahlbeteiligung lag bei 34,5 Prozent, 25,6 Prozent der Wähler stimmten für die Zusammenlegung, 74,4 Prozent dagegen. Der Erste Stadtrat, Burkhard Ziegler, beteuerte am Sonntagabend, dass die Stadt die demokratische Entscheidung akzeptieren werde: "Wir werden damit leben müssen", sagte er dem hr.

Denn die Gräben sind seit der Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung im Juni immer tiefer geworden. Die Diskussionen seien teils heftig und emotional gewesen, sagt Ziegler, nun müsse man zusammenarbeiten. Für die Bürgerinitiative "Mö-Wa für Zwei" ist das Ergebnis ein Erfolg, wochenlang hatten sie die Werbetrommel für den Erhalt beider Freiwilliger Feuerwehren gerührt.

Streit um Zehn-Millionen-Euro-Neubau

Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juni entschieden, die beiden Freiwilligen Feuerwehren Walldorf und Mörfelden zusammenzulegen. Zehn Millionen Euro sollte der Bau des modernen Gerätehauses auf dem Gelände an der B44 kosten. Geplante Bauzeit: sieben bis acht Jahre nach Beschluss. Viele Bürger befürchteten, dass von dort aus nicht mehr alle Straßen der Stadt innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten zu erreichen sind. Schnell kamen genügend Unterschriften für einen Bürgerentscheid zusammen.

Vor allem seitens der Feuerwehrleute hagelte es Protest. Auch von Sebastian Gleser, einem der Intitiatoren von "Mö-Wa für Zwei". Der 33-Jährige kritisierte die Entscheidung der Stadtverordneten: "Da soll ein neues Gerätehaus entstehen zwischen den beiden Stadtteilen auf einer grünen Wiese, also außerhalb der Ortskerne. Die Stadtteile liegen gut 2,5 km auseinander. Wie sollen denn bei einem Einsatz die jugendlichen Einsatzkräfte ohne Führerschein schnellstmöglich dorthin kommen?" Die Feuerwehrjugend könne so ausgegrenzt werden, fürchtete Gleser.

Feuerwehrleute im Stau?

Dass es nun weiter zwei Feuerwehrstandorte gibt, trägt aus Sicht der Kritiker zu mehr Sicherheit bei. Im Ernstfall, so das Argument von Gleser, hätte die Anfahrtszeiten zu dem neuen Gerätehaus zwei bis drei Minuten länger dauern können. "Wenn es brennt, zählt aber jede Minute." Gerade zu Hauptverkehrszeiten könnte es passieren, dass die Feuerwehrleute auf dem Weg zum Gerätehaus im Stau stehen. "Im Moment können über 90 Feuerwehrleute in einer Zeit von unter drei Minuten an den Gerätehäusern sein. Zum neuen Standort schafft es nicht mal die Hälfte in dieser Zeit."

Feuerwehrautos in Walldorf

Dringender Sanierungsbedarf

Die Befürworter einer Zusammenlegung und eines neuen Standortes hatten vor der Abstimmung am Sonntag ebenfalls eine Interessensgemeinschaft gebildet. Seit Jahren sei bekannt, dass beide Feuerwehr-Gerätehäuser dringend saniert werden müssten, verteidigte IG-Mitglied Kiyoshi Makabe aus Walldorf seinen Standpunkt. Wenn schon Geld in die Hand genommen werde, dann doch bitte für eine Lösung, die zukunftsfähig sei, meinte der 54-Jährige. "Durch die Zusammenlegung beider Feuerwehren könnten wir die Chancen verbessern, schnellstmöglich genügend Einsatzkräfte zusammen zu haben, um dann ausrücken zu können."

Auch in puncto Hilfsfrist teilt Makabe die Sorgen der Zusammenlegungsgegner nicht. Im Gegenteil. So sei das Wohngebiet "An den Eichen" mit seinen rund 540 Bewohnern, das für die momentanen Standorte ungünstig liegt, von dem geplanten Neubau gut innerhalb der Hilfsfrist zu erreichen. "Testfahrten haben gezeigt, dass durch die zentrale Lage lediglich ein kleines Industriegebiet im Walldorfer Norden 30 Sekunden später erreicht wird."