Schüler sitzen im Klassenraum an Schreibtischen während des Unterrichts.

Mit der Bundesnotbremse gelten strengere Regeln für den Distanzunterricht an Schulen. Die Hürde für den Wechselunterricht sinkt in Hessen jedoch: Die Jahrgangsstufen 7 und höher dürfen bald wieder in den Klassenraum - wenn die Inzidenz stimmt.

In Hessen kehren die Klassen ab Jahrgangsstufe 7 ab dem 6. Mai zurück in den Wechselunterricht. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag nach der Sitzung des Corona-Kabinetts mit. "Der Schritt ist pädagogisch wichtig", so Lorz. Mit Ausnahme der Abschlussklassen befanden sich die älteren Schüler und Schülerinnen seit Dezember ausschließlich im Distanzunterricht.

Die bundesweite Notbremse biete diesen Spielraum zur Lockerung, betonte auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der gemeinsamen Pressekonferenz. Die Frist gewähre den Schulen ausreichend Spielraum, um sich auf die Umstellung entsprechend vorzubereiten. Außerdem benötige man bis 5. Mai die Klassenräume in den Schulen für die Abiturienten: An dem Tag wird in Hessen die letzte reguläre schriftliche Abiturprüfung geschrieben.

Neue Schul-Notbremse ab 165er Inzidenz

Nach den neuen Vorgaben der Bundesnotbremse müssen Schulen immer dann von Wechselunterricht in den Distanzunterricht wechseln, wenn die Inzidenz von 165 in der jeweiligen kreisfreien Stadt oder dem jeweiligen Kreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wird. Die Maßnahme muss am übernächsten Tag umgesetzt werden.

Zurück in den Wechselunterricht geht es in solchen Fällen erst dann, wenn der Wert an fünf Tagen hintereinander den Grenzwert unterschreitet. Die 165er Grenze gilt somit als neue Notbremse für die Schulen. Eine Ausnahme gibt es hier nur für die Abschlussklassen, sie dürfen unabhängig vom Wert weiter im Wechselunterricht unterrichtet werden.

Hessen bei Inzidenz unter 100 strenger

Ein weiterer bundesweiter Richtwert für die Schulen ist die 100er Inzidenz: Wird dieser Wert an fünf Tagen hintereinander unterschritten, dürfen die Schulen am übernächsten Tag vom Wechselunterricht in den Präsenzunterricht wechseln - aber nicht in Hessen. Hier gilt diese Regelung nur für die Abschlussklassen, wie ein Sprecher des Kultusministeriums klarstellte.

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Audioseite Bundesnotbremse: Ministerpräsident Volker Bouffier im hr1-Interview

Volker Bouffier (CDU)
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In Hessen wäre aktuell ohnehin kein genereller Präsenzunterricht möglich - alle Kreise und kreisfreien Städte lagen noch am Mittwoch und Donnerstag über der 100er Marke. Der Werra-Meißner-Kreis befand sich laut RKI am Freitag zwar knapp unter 100, müsste diesen Wert aber fünf Tage in Folge unterschreiten.

165er Inzidenz für Distanzunterricht ab Montag

Für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 gilt die neue 165er Regelung zum Wechselunterricht ab kommendem Montag. Auch die Abschlussklassen, aktuell im normalen Unterricht, sollen dann wechselweise unterrichtet werden.

Mit Stand vom Freitag wären ab Montag die Schulen in elf hessischen kreisfreien Städten und Kreisen von der neuen Schul-Notbremse betroffen und müssten ganz in den Distanzunterricht wechseln: Groß-Gerau, Stadt Offenbach, Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg, Gießen, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, Stadt Kassel.

In den aufgezählten Kreisen und Städten außer Kassel, Groß-Gerau und Main-Kinzig fand nach den Ferien ohnehin noch kein Präsenzunterricht statt (außer für Abschlussklassen), weil die Inzidenzen zuletzt über 200 lagen. Nur Abschlussklassen im Wechselunterricht und Schüler in der Notbetreuung dürfen ab Montag noch in die Schulen in den genannten Kreisen und Städten über der 165er Grenze kommen.

Notbetreuung für Grundschulen in Sonderfällen

Wie Ministerpräsident Bouffier am Freitag bekanntgab, gilt die landesweit gültige Notbetreuung nur für Kinder in Grundschulen - und zwar für Kinder von Alleinerziehenden, wenn beide Eltern berufstätig sind, wenn es dem Kindeswohl dient und bei Härtefällen.

Virologe Stürmer: Grenzwert von 165 zu hoch

Flächendeckender Distanzunterricht ab einer Inzidenz von 165 statt 200 - aus Sicht des Frankfurter Virologen Martin Stürmer ergibt die Orientierung am konkreten Grenzwert keinen Sinn. Bei der Zahl handele es sich vermutlich um einen "demokratischen Kompromiss", nicht um einen wissenschaftlichen Wert.

Auch ein Grenzwert von 100 wäre angesichts der Verbreitung der britischen Mutation noch zu hoch, glaubt der Virologe. "Und wenn ich mit meinem Wert derart hoch bleibe, dann muss ich das mit einer deutlich engmaschigeren Teststrategie absichern", sagte Stürmer zu hessenschau.de. Bei einer Inzidenz von 165 seien drei verpflichtende Testtage an den Schulen das Minimum, bestenfalls im Rahmen von PCR-Tests, die weniger Fehlerquellen aufwiesen als Schnelltests.

Schüler sowie Lehrkräfte im Präsenzunterricht müssen sich nach dem neuen Bundesgesetz zweimal pro Woche in Eigenregie testen - in Hessen gibt es seit Anfang der Woche zweimal wöchentliche verpflichtende Schnelltests an den Schulen. 320 Schüler und Schülerinnen sowie 20 Lehrkräfte sind nach Ministeriumsangaben an den ersten drei Tage positiv getestet worden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.04.2021, 19.30 Uhr

Hinweis: In einer früheren Version stand, dass bei einer Inzidenz unter 100 wieder Präsenzunterricht möglich ist. Dies sieht die Bundesnotbremse vor. Die Landesregierung übernimmt diese Regel für Hessen aber nicht.