Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht zum 50. Todestag von Fritz Bauer. Bild © picture-alliance/dpa

Der Name Fritz Bauer ist vor allem mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen verbunden. 50 Jahre nach seinem Tod gilt der Einsatz des Juristen als beispielhaft - und ist aus Sicht von Bundespräsident Steinmeier derzeit besonders aktuell.

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50 Jahre nach seinem Tod bleibt der ehemalige Auschwitz-Ankläger Fritz Bauer für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Vorbild. "Demokratie verlangt Engagement", sagte Steinmeier in einer Gedenkstunde für Bauer am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche. Er verwies auf die "neue Faszination" des Autoritären und die Wiederbelebung alter Ressentiments in den westlichen Demokratien, die Bauer sicherlich zutiefst besorgt hätten.

Der einstige hessische Generalstaatsanwalt Bauer hatte die Frankfurter Auschwitz-Prozesse (1963 bis 1965) initiiert. Er setzte gegen viele interne Widerstände damals die Anklage gegen Angehörige der SS-Wachmannschaften durch. Das Verfahren setzte damals weit über die Bundesrepublik hinaus ein Zeichen.

Der 1903 geborene Bauer stammte aus einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie in Stuttgart. Er flüchtete im Nationalsozialismus nach KZ-Haft nach Skandinavien. Nach dem Krieg wurde er 1956 von Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn (SPD) zum obersten Staatsanwalt gemacht. Nach seinem Tod im Alter von 64 Jahren am 1. Juli 1968 geriet er in Vergessenheit, bis 1995 in Frankfurt ein nach ihm benanntes Institut zur Erforschung der nationalsozialistischen Massenverbrechen gegründet wurde.

Steinmeier: "Aufklärer und Verfassungspatriot"

Steinmeier bezeichnete Bauer als eine "Schlüsselfigur" der jungen Bundesrepublik. Mit dem Auschwitz-Prozess habe er eine "Wegmarke" gesetzt und damit die Rückkehr des Landes in die Weltgemeinschaft mit ermöglicht. Bauer sei kein "Nazi-Jäger und Rachegott" gewesen, sondern "Aufklärer und Verfassungspatriot", sagte Steinmeier. Ihm sei es mit der juristischen Verfolgung der NS-Verbrechen darum gegangen, "die Deutschen vor einem Rückfall in die Barbarei zu schützen". Nach der Nazi-Zeit habe Deutschland aus Sicht Bauers die Demokratie wieder "erlernen" müssen.

Hessens Vize-Regierungschef Tarek Al-Wazir (Grüne) wies darauf hin, dass es ein Vermächtnis von Fritz Bauer sei, sich "Tabubrüchen" in der deutschen Geschichte und Hass und Gewalt gegen Andersdenkende zu widersetzen. Das gelte für jegliche Art des Extremismus. Wer heute Bürger Deutschlands werde, der erbe auch die Geschichte des Landes "im Guten wie im Bösen", sagte der Politiker mit Blick auf Zuwanderer.

Al-Wazir spricht Pauschallob aus

Al-Wazir betonte, dass heute alle Fraktionen im hessischen Landtag stolz auf Fritz Bauer seien. Vor 60 Jahren sei dies noch ganz anders gewesen. Der Landtag habe es auch erst vor kurzem geschafft, sich mit seiner eigenen Geschichte zu beschäftigen. Das Fritz-Bauer-Institut wird seit 1995 vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt finanziell unterstützt.

Seit dem vergangenen Jahr wird die Einrichtung von der Zeithistorikerin Sybille Steinbacher geführt. Sie ist zugleich Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt, wo im vergangenen Jahr der erste Lehrstuhl speziell zur Erforschung des Holocaust - des Völkermords an den Juden - eingerichtet wurde.