Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Bundesverdienstorden an hr-Redakteur Andreas Dickerboom.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Bundesverdienstorden an hr-Redakteur Andreas Dickerboom. Bild © picture-alliance/dpa

Er engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit, hält die Erinnerung an ein KZ in Frankfurt wach und bringt Jugendlichen die Vorzüge der Demokratie nahe: Für seine vielfältige ehrenamtliche Arbeit erhält hr-Redakteur Andreas Dickerboom den Verdienstorden vom Bundespräsidenten.

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Adlerwerke - Hauptsache Kultur

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Dass es 1944 und 1945 im Frankfurter Gallus ein Konzentrationslager der Nazis gegeben hatte, war lange kein Thema. Erst in den 1990er Jahren begann eine öffentliche Diskussion über das Gedenken daran. Rund 1.600 Zwangsarbeiter, die meisten von ihnen aus Polen, hielten in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs in den Adlerwerken die Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten mit am Laufen: In den Hallen wurden Munition und Bauteile für Panzerfahrzeuge gefertigt.

Gleich daneben wurden die Zwangsarbeiter in einer Außenstelle des KZ Katzbach zusammengepfercht, bis sie sich buchstäblich zu Tode gearbeitet hatten. Fast 1.600 Zwangsarbeiter der Adlerwerke starben, nur rund 60 überlebten.

Andreas Dickerboom kämpft für Gedenkstätte an KZ Katzbach

Bis heute gibt es keine Gedenkstätte an das KZ mitten in Frankfurt. Dass an dem großen Backsteingebäude nahe dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs wenigstens eine Gedenktafel an die dortigen Nazi-Verbrechen erinnert, ist das Verdienst eines Fördervereins. Dort ist auch Andreas Dickerboom aktiv und setzt sich weiterhin für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach ein. Auch als regionaler Sprecher des bundesweit aktiven Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie" mahnt der Frankfurter beharrlich eine sichtbare Erinnerung an das Konzentrationslager an.

Stoffbinde um einen Baumstamm vor den ehemaligen Adlerwerken in Frankfurt zur Erinnerung an das KZ dort
Stoffbinde um einen Baumstamm vor den ehemaligen Adlerwerken in Frankfurt zur Erinnerung an das KZ dort. Bild © Aljoscha Walther

Allgemein will der Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie", dem in früheren Jahren auch Ex-Bundespräsident Joachim Gauck vorsaß, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorbeugen, wie sie zur Zeit des Nationalsozialismus deutsche Staatsräson waren. In der Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wurzeln auch die weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten von Andreas Dickerboom, der sein Geld als Multimedia-Redakteur im Hessischen Rundfunk verdient: im Vorstand der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, im Arbeitskreis "Zwangssterilisation und NS-Euthanasie" und in einem Arbeitskreis gegen Antisemitismus.

Ehrung im Schloss Bellevue

Dass Andreas Dickerboom seit Jahren die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen wachhält und Jugendlichen die Vorzüge von Demokratie und Toleranz nahebringt, hat ihm nun einen Termin mit Frank-Walter Steinmeier eingebracht. Der Bundespräsident ehrt den 52-Jährigen am Dienstagvormittag mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik. Weil er das zum Tag des Ehrenamts macht, bekommt der hr-Redakteur die Auszeichnung im Berliner Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten.

Andreas Dickerboom weist darauf hin, dass er die Filmabende und Zeitzeugengespräche, die Ausstellungen zu Anne Frank, die Treffen von Schülern mit DDR-Bürgerrechtlern und die Argumentationstrainings gegen rechte Stammtischparolen nicht allein, sondern immer im Verbund mit seinen Mitstreitern organisiert hat. Auch diese Bescheidenheit zeichnet ihn aus.