Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Biblis wird ein Castor-Behälter abgeladen.

Der Castor-Transport zum Zwischenlager in Bilbis hat das britische Sellafield verlassen. In einer Woche sollen die Behälter mit radioaktivem Müll ihr Ziel in Hessen erreichen - Atomkraftgegner bereiten sich auf Proteste vor.

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hessenschau kompakt 16:45 Uhr 29.10.2020 Thumbnails
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Sechs Castoren mit hochradioaktivem Atommüll sind auf dem Weg von der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield nach Hessen. Das Schiff mit den Behältern für das Zwischenlager in Biblis habe am Dienstagabend abgelegt, sagte ein Sprecher der mit dem Transport beauftragten Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) am Mittwoch.

In den nächsten Tagen steuert das Schiff einen deutschen Seehafen an. Von dort aus sollen die Castoren per Bahn weiter transportiert werden - auf welcher Strecke, behält die Transportgesellschaft GNS für sich. Nach etwa einer Woche sollen die Behälter im Zwischenlager in Biblis ankommen.

Transport wegen Corona verschoben

Die sechs rund 100 Tonnen schweren Castor-Behälter sollten eigentlich bereits im Frühjahr in das Zwischenlager am früheren Atomkraftwerk gebracht werden. Wegen der Corona-Krise wurde dieser Plan verworfen. Nach dem Aufschub halte die Bundesregierung den Transport jetzt aber für erforderlich, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums vergangene Woche.

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Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Biblis wird ein Castor-Behälter abgeladen.
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Zuletzt sprachen sich Polizeigewerkschaften und der niedersächsische Innenminister gegen einen Transport während der Corona-Pandemie aus - wegen eines erhöhten Infektionsrisikos für die Einsatzkräfte. Gegner kündigten bereits Protestaktionen und Mahnwachen an, es wird mit einem massiven Polizeiaufgebot gerechnet.

Gegner befürchten Sicherheitsmängel

Gegner des Transportes sind nicht nur wegen der Pandemie gegen die Rückholung des Atommülls. Sie sehen auch Sicherheitsmängel im Zwischenlager in Biblis, scheiterten allerdings in der vorigen Woche mit einer Klage gegen die Castor-Einlagerung vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof. Das Bündnis Castor-stoppen warnt außerdem vor einem hohen Risiko beim Transport, da es bei einem Unfall schnell zu einer Verstrahlung der Umgebung kommen könne.

In Erwartung des Transports bereiten Atomkraftgegner derzeit Proteste in Südhessen vor. Das Aktionsbündnis plant unter anderem eine Mahnwache am Bahnhof in Biblis, Infostände und Demonstrationen, sobald der Zug in Norddeutschland losrollt.

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Deutschland muss Atommüll zurücknehmen

Wegen internationaler Verpflichtungen muss Deutschland seinen im Ausland wiederaufbereiteten Atommüll zurücknehmen. Noch heute lagern in den Wiederaufbereitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield Castoren mit radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken. Bis 2011 wurden diese im Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben untergebracht. Jetzt müssen sie dezentral gelagert werden.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 29.10.2020, 16.45 Uhr