CSD in Frankfurt

Keine bunten Paraden, keine schrillen Straßenumzüge und keine lauten Feiermeilen: Der Partyprotest für die Rechte von Nicht-Heteros fällt wegen der Corona-Beschränkungen deutlich kleiner aus. Gefeiert wird der Christopher Street Day trotzdem.

Es ist eigentlich der Tag, an dem sich die queere Community Gehör verschafft: Mit Regenbogenflaggen, Kostümen, viel nackter Haut und lauter Musik machen Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle und andere Zugehörige der Bewegung am Christopher Street Day (CSD) auf sich aufmerksam. Sie stehen dicht zusammen auf den Wagen der Parade oder laufen eng nebeneinander durch die Straßen.

Aufsehenerregend und öffentlichkeitswirksam: 50.000 Menschen hatte der politische Partyzug in Frankfurt im vergangenen Jahr an den Straßenrand gelockt und so auf die Themen der Bewegung hingewiesen. Doch nicht in diesem Jahr. Corona zwingt die Vereine, die die CSD-Paraden in Frankfurt, Marburg, Kassel, Darmstadt und Wiesbaden an verschiedenen Wochenenden von Mai bis September organisieren, zum Umplanen - auf Kosten ihrer Sichtbarkeit.

Alle hessischen CSD-Paraden abgesagt

Auch wenn in der Coronakrise unter Auflagen demonstriert werden darf, wie das Bundesverfassungsgericht Mitte April an einem Fall aus Gießen bestätigte, haben die meist ehrenamtlichen CSD-Organisatorenteams in Hessen die geplanten Umzüge durch die Städte abgesagt.

Die Planungsunsicherheit verhindere es, bindende Verträge mit Dienstleistern für die Paraden und anschließenden Feiern eingehen zu können, heißt es aus den verschiedenen Vereinen. Zudem sei die Sorge um eine erneute Ansteckungswelle durch die Demonstrationen zu groß, die Zahl der Helfer zur Durchführung einer Demo unter Corona-Auflagen zu klein.

Mittelhessen-CSD im Netz, Wiesbaden plant 2021

CSD in Mittelhessen in Marburg

In Mittelhessen hätte der CSD eigentlich am dritten Juni-Wochenende in Marburg stattfinden sollen, in Wiesbaden schon am letzten Samstag im Mai. Während es in Wiesbaden am Stichtag einen kleinen öffentlichen Infostand für Interessierte gab, hatten die Organisatoren in Marburg ihren CSD zunächst auf Oktober verschoben - und nun auch ins Internet verlegt.

"Es geht uns beim CSD nicht um den einen Tag, es geht uns nicht darum, dass wir unbedingt eine Aktion machen müssen", betont Christian Eng vom Verein CSD Lahn. Ziel sei es, beim CSD darauf hinzuweisen, dass queere Menschen - Personen, die sich nicht mit der heterosexuellen Geschlechternorm identifizieren - die gleichen Rechte haben müssten wie alle anderen auch. Daher halte man an einer Umsetzung des CSD, egal wie, fest, so Eng.

In Wiesbaden hatte sich das Team erst wenige Wochen vor dem CSD-Termin für die Absage entschieden - und auch gegen ein größeres Alternativprogramm wie beispielsweise einen Online-CSD. Stattdessen planen die ehrenamtlichen Organisatoren nun schon den CSD 2021, wie Thorsten Buschmeier vom Verein Warmes Wiesbaden, der den Wiesbadener CSD organisiert, sagt.

Frankfurt demonstriert vom Auto aus

In Frankfurt soll am dritten Juli-Wochenende (17.-19. Juli) trotz Corona demonstriert werden können. Zum Zeitpunkt der Planungen sei eine Demo unter Auflagen, wie sie nun zuletzt bei den "Black Lives Matter"-Protesten in Frankfurt stattfanden, noch unvorstellbar gewesen, sagt Joachim Letschert vom Verein CSD Frankfurt. Stattdessen gebe es in diesem Jahr eine CSD-Autodemo durch die Stadt.

"Dieses Jahr sind wir vielleicht schrill und still und nicht schrill und laut, aber das ist vielleicht auch das Zeichen: Dass wir immer noch können, wenn wir nicht laut schreien dürfen." Einen Tag zuvor und danach würden einige geplante CSD-Bühnenauftritte als vorab aufgezeichnete Videobotschaften das CSD-Wochenende online begleiten.

Weitere Informationen

Diese CSD-Alternativen kommen noch

  • Frankfurt, 18. Juli, 12 Uhr: Auto-Demonstration ab dem Römerberg, zusätzlich am 17. und 19. Juli ein Online-CSD mit Video-Botschaften
  • Darmstadt, 15. August: Alternativkonzept in Planung
  • Kassel, 29. August: Kleine CSD-Aktionen in der Stadt und digital
  • Mittelhessen, Oktober: Online-CSD in Planung
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Mini-Aktionen in Kassel, Darmstadt plant noch

In Kassel sollen am am Tag des dortigen CSD (29. August) verschiedene Mini-Aktionen aus der queeren Community in der Stadt und im Netz unter dem Titel #colourthestreets zu sehen sein. Dezental, klein, aber dennoch bunt und queer. "Wir halten so am CSD fest, weil auch gerade in Kassel queeres Leben noch nicht so sichtbar ist und es wenig Anlaufstellen gibt", erklärte Niklas Gudorf vom LSBT*IQ Netwerk Nordhessen.

Die Veranstalter des CSD in Darmstadt vom Verein Vielbunt überlegen noch, wie sie den 15. August gestalten wollen. Nach der Absage der geplanten politischen Parade hatte sich das Organisatorenteam darauf geeinigt, ein Alternativprogramm zu bieten - um dennoch Sichtbarkeit für ihre Themen zu schaffen.

Community fürchtet nicht gehört zu werden

Die große Plattform wird es in diesem Corona-Jahr aber nicht geben, darüber sind sich alle Veranstalter einig. Kein Alternativ-Programm ersetze den CSD als Partyparade mit seinen Live-Events. "Wenn wir mitten auf der Konstablerwache und in ganz Frankfurt laut feiern, dann erreichen wir natürlich auch die, die eigentlich gar nicht erreicht werden wollten und bloß darüber stolpern", sagt Joachim Letschert vom Frankfurter CSD. Auch der mittelhessische Verein CSD Lahn ist sich sicher: "Egal, was wir alternativ tun, diese Menschenmasse wie beim CSD erreichen wir nicht mehr."