Der Gaststättenverband Dehoga befürchtet ein Club-Sterben in Hessen. Denn seit Monaten herrscht dort wegen der Corona-Krise gähnende Leere, auch Kneipen und Restaurants müssen weiter kämpfen. Damit sie Herbst und Winter überstehen, setzt Frankfurt etwa auf umstrittene Heizpilze.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verband Dehoga warnt vor Clubsterben

Tanzende Menschen in einer Diskothek.
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"Es ist schlicht unmöglich, während dieser Pandemie einen Club zu machen, geschweige denn eine Familie zu ernähren." Mit diesen Zeilen verkündete Andreas König vergangene Woche nach knapp 20 Jahren das Ende des Frankfurter Clubkellers. Die Kult-Location im Stadtteil Sachsenhausen hat das Coronavirus nicht überlebt. Königs Schicksal ist in dieser Branche kein Einzelfall.

Während Theater, Kinos und Museen wieder geöffnet sind und Fußballspiele vor Publikum stattfinden, gibt es für Clubs und Diskotheken weiterhin keinen Weg, den Betrieb in der Corona-Krise aufrecht zu erhalten. Dort herrscht seit Beginn des Frühjahrs gähnende Leere. Die schon jetzt angespannte Lage könnte sich in den kommenden Monaten weiter verschlimmern. Der Gaststättenverband Dehoga warnt bereits vor einem Club-Sterben im Winter.

Öffnungsperspektiven diskutieren

Kurzarbeitergeld, Corona-Soforthilfen und die Überbrückungshilfen seien zwar wichtige Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen. "Allerdings können sie allein nicht das ersetzen, was tatsächlich die Zukunft von Clubs und Diskotheken bestimmt: eine Perspektive", mahnte der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Hessen, Julius Wagner.

Auch angesichts einer zunehmenden Zahl illegaler Partys seien Lösungen nötig. Die Wirte der Clubs als Profis seien in der Lage, aufwendige Hygienekonzepte, Einlasskontrollen und Luftreinigungssysteme umzusetzen. "All das fehlt bei illegal stattfindenden Partys vollkommen", so Wagner. Es gelte deshalb, verantwortungsvoll "in allen Richtungen über Öffnungsperspektiven" zu sprechen und sich dabei "von einer totalen No-Risk-Politik ein Stück weit" zu verabschieden.

Heizstrahler bleiben vorerst

Einige der rund 100 Diskos und Clubs in Hessen versuchten, sich mit Barbetrieb über Wasser zu halten, um zumindest am Markt präsent zu sein und "dem Mindestbedürfnis ihrer Stammgäste" zu entsprechen. Damit ließen sich aber keine tragenden Umsätze generieren. Besonders bitter für Club- und Diskothekenbetreiber: Normalerweise beginnt ab Herbst für sie die Hauptsaison. Denn sinkende Temperaturen bedeuten auch vollere Häuser. Doch diese Rechnung dürfte im bevorstehenden Corona-Winter nicht aufgehen.

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Das Konzept des Disco-Verbands

Mit einem speziellen Konzept will der Bundesverband deutscher Discotheken- und Tanzbetriebe (BDT) in Corona-Zeiten die Wiedereröffnung der Clubs ermöglichen. Dazu zählen Abstands- und Hygieneregeln, Kapazitätsbeschränkungen und spezielle Lüftungsfilter. Als weitere Punkte schlägt der BDT die Erfassung von Gästedaten, berührungslose Temperaturmessungen bei den Gästen und eine Maskenpflicht überall dort vor, wo die Einhaltung des Mindestabstands nicht möglich ist.

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Um Gäste auch bei winterlichen Temperaturen zum Aufenthalt im Freien zu motivieren, will indes die Stadt Frankfurt vorerst keinen weiteren Vorstoß zum Verbot von Heizpilzen machen. Dies bestätigte ein Sprecher des Ordnungsamtes gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Noch zu Beginn des Jahres hatte Hessens größte Kommune über ein Verbot der als umweltschädlich geltenden Heizstrahler nachgedacht.

Die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus ist nach Einschätzung von Medizinern im Freien aber deutlich geringer als in geschlossenen Räumen. Die Infektionszahlen müssten unten bleiben - und dies gehe am besten draußen, hatte auch schon der für Wirtschaft und Ordnung zuständige Stadtrat Markus Frank (CDU) kürzlich der "Bild"-Zeitung gesagt. Dabei sollten die Menschen nicht im Kalten stehen gelassen werden.

Sendung: YOUFM, 14.09.2020, 7 Uhr