Ein Schüler und eine Schülerin führen sich Corona-Selbsttest-Stäbchen in die Nase. Die Schutzmaske ist hierfür herunter gezogen. Sie sitzen einzeln an Tischen in einem Klassenzimmer.

Die Abiturprüfungen in Hessen sind unter Corona-Bedingungen gestartet. Neu in diesem Jahr: Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich selbst zu testen - müssen das aber nicht.

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Für 23.500 Schülerinnen und Schüler haben am Mittwoch die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. An insgesamt 269 Schulen legen sie die Prüfungen für das Landesabitur 2021 ab.

Die Prüfungen finden in diesem Jahr unter bestimmten Bedingungen statt: Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich vorher selbst mit einem Stäbchen auf das Coronavirus zu testen. Wer das nicht möchte, muss eine medizinische Maske tragen. Vor Ort gelten außerdem Abstand- und Schutzmaßnahmen.

Lernen in kleinen Gruppen

Die Anspannung bei den Schülerinnen und Schülern ist groß. "Die Aufregung kommt auf jeden Fall schon", sagt Mona, Schulsprecherin an der Wöhlerschule in Frankfurt. Ähnlich geht es Schüler Friedrich: "Ich bin definitiv sehr aufgeregt und auch gestresst." Lernen sei nur in kleinen Gruppen möglich gewesen. Oft würden die Schülerinnen und Schüler sich in Videotelefonaten miteinander abstimmen.

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Das viele Homeschooling habe Spuren hinterlassen. "Da ist schon eine gewisse Angst da natürlich, dass man weiß: Ich hab jetzt ein ganzes Halbjahr fast verpasst", sagt Mona. Sie fühle sich nicht allzu gut vorbereitet.

Keine Klassenfahrten, keine Abifeier

"Es ist ein trauriger Abschluss des Lebensabschnitts", ergänzt Landesschulsprecher Dennis Lipowski. Es habe für den Jahrgang keine Klassenfahrten gegeben. Auch auf die traditionell große Abifeier müsse verzichtet werden. Das bedrücke und betrübe schon sehr viele Schüler, sagte Lipowski.

Wegen der Corona-Umstände bekommen die Abiturientinnen und Abiturienenten in diesem Jahr bis zu einer halben Stunde mehr Prüfungszeit. Das teilte das Kultusministerium mit. Die Lehrkräfte bekommen eine zusätzliche Aufgabe zur Auswahl.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zollte dem Prüfungsjahrgang besonderen Respekt: "Ihr seid nicht der Corona-Jahrgang. Und wenn doch, dann nur im positiven Sinn." Wer in diesem Jahr das Abitur schreibe, der werde die Prüfungen unter einmaligen Bedingungen meistern und sein Können unter Beweis stellen können.

Abi-Plakate am Frankfurter Riedberg

Tiefe und Detailwissen fehlen

Die Landesschülervertretung sieht die Schulen für die Abiturprüfungen gut vorbereitet. Die Abschlussklassen hätten viel Präsenzunterricht in der Schule gehabt. Sicherheitsbedenken seien daher nicht der springende Punkt.

Sorgen mache den Abiturientinnen und Abiturienten jedoch, dass ihnen das Detailwissen fehle. "An manchen Punkten fehlt halt einfach die Tiefe", berichtete Landesschulsprecher Lipowski. "Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man dann nicht die Punkte holt."

Psychologe: "Da hat sicher ein Ausgleich gefehlt"

Der Vorsitzende des Berufsverbands Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Ludger Busch, betonte die besondere Situation für die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten. Die Abschlussjahrgänge seien zwar gegenüber den jüngeren Schülern privilegiert gewesen, weil sie größtenteils Präsenzunterricht gehabt hätten. Allerdings seien Freizeitaktivitäten, soziale Kontakte und persönliche Treffen eingeschränkt gewesen. "Da hat sicher ein Ausgleich gefehlt."

Auf dem Plan stehen als Erstes die Leistungskurs- und Grundkurs-Klausuren im Fach Chemie. Am Donnerstag kommen weitere Fächer wie Kunst, Musik, Geschichte sowie Politik und Wirtschaft dran. Die schriftlichen Prüfungen sind bis zum 5. Mai angesetzt. Die Termine für die Nachprüfungen sind vom 18. Mai bis 2. Juni.

Vergangenes Jahr noch ohne Maske

Im vergangenen Jahr fanden die Prüfungen ebenfalls unter Corona-Bedingungen statt, damals noch ohne die Tests und die Pflicht zum Tragen eines Nasen-Mundschutzes. Wegen der Ansteckungsgefahr wurden die Prüfungsgruppen klein und die Abstände groß gehalten. Abiturientinnen und Abiturienten, die sich krank fühlten, konnten ohne Attest zu Hause bleiben und die Klausuren nachschreiben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.04.2021, 19.30 Uhr