Kinder halten den Corona-Comic "Das geheime Tagebuch eines miesen Virus" in Händen

Es nennt sich selbst den "heißesten Scheiß am Virus-Himmel" und findet sich brillant. Das Coronavirus verrät in einem "Geheimen Tagebuch" viel über sich selbst.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kinder-Comic erklärt "miesen Virus"

Auszug aus dem Corona-Comic "Geheimes Tagebuch eines miesen Virus"
Ende des Audiobeitrags

So einen Typen will keiner um sich haben: großmäulig, heimtückisch und skrupellos. Aus seinem miesen Charakter macht das Coronavirus in seinem "Geheimen Tagebuch" auch gar keinen Hehl. Im Gegenteil: Der Erreger ist auch noch stolz auf seine Mies- und Fiesheit. Denn er will nur eins - sich unendlich vermehren und so viele Menschen anstecken wie möglich.

Wie es dabei vorgeht, mit welchen Tricks und Lügen, das erzählt das Virus in einem Comic, den der Kreis Groß-Gerau seit einigen Monaten in Fortsetzungen veröffentlicht. Mittlerweile ist der vierte Teil erschienen. Und so viel kann man sagen: Das Virus hat ein wirklich abenteuerliches Dasein.

Zu Beginn hat der feuerrote Krankmacher ziemlich leichtes Spiel mit den Menschen. Das Immunsystem hat den Erreger erst gar nicht auf der Rechnung, er kann es sich in den Körperzellen gut gehen lassen. Grimmig lachend berichtet der Unhold von seinen Triumphen. Aber peu à peu wendet sich das Blatt. Die Menschen wehren sich.

Auszug aus dem Corona-Comic "Geheimes Tagebuch eines miesen Virus"

Virus von Handwasch-Tsunami überrollt

Die Menschen waschen sich ausgiebig die Hände, was für das Virus einem Tsunami gleichkommt. Dann bleibt es im Gewebe einer Schutzmaske stecken. Und als die Maske dann gebügelt wird, möchte man nicht in seiner Virushülle stecken. Im vierten Teil bekommt es der Fiesling dann mit Gegnern zu tun, die mindestens so raffiniert sind wie er selbst: mit Impfstoffen.

Dieser ebenso witzige wie kurzweilige Erklär-Comic dürfte deutschlandweit einzigartig sein. Bisher haben ihn vor allem Kinder im Kreis Groß-Gerau gelesen, etwa in der Jugendbegegnungsstätte des Kreises im Riedstadt-Goddelau. Und dort kommt er gut an, zum Beispiel bei Ryan.

Das echte Virus findet der Zwölfjährige mittlerweile nur noch nervig, denn es raubt ihm fast sein ganzes Sozialleben. Freunde treffen, Fußball spielen - unmöglich. Die Comic-Version findet er dagegen lustig und lehrreich. Sein Freund Henning hatte beim Lesen sogar stellenweise Mitleid mit dem Erreger. Denn der muss ganz schön einstecken.

Auszug aus dem Corona-Comic "Geheimes Tagebuch eines miesen Virus"

Dass so ein gefährlicher Krankheitserreger im Comic menschliche Züge bekommt, findet Christine Plenzig nicht schlimm. Sie koordiniert im Kreis Groß-Gerau die Jugendhilfe: "Man lacht über das Virus und man kann es besiegen." Plenzig wollte Info-Material, das auch Kinder anspricht. Denn gerade Kinder wollten verstehen, warum im Moment alles anders ist als sonst.

Illustratorin mit Virus-Erfahrung

Weil es solches Material nicht gab, hat Plenzig selbst die Initiative ergriffen. Sie hat die Illustratorin und Kinderbuch-Autorin Lilli L’Arronge beauftragt. Ein Glücksgriff, denn in L’Arronges künstlerischer Vita spielen Viren eine Rolle. Bei ihrer Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie musste sie das HI-Virus, den Aids-Erreger, darstellen.

L’Arronge kennt auch die Gefahr, Viren im Comic zu verniedlichen. Mit ihren Kindern hat L‘Arronge "Karius und Baktus" gelesen, den Comic über die Karies-Erreger. Ihre Kinder hätten dann beim Zähneputzen immer Mitleid mit den armen Bakterien gehabt. Aber beim Coronavirus sei das anders. "Wie gefährlich das ist, sieht man jeden Tag in den Medien." Sie wolle vor allem Hoffnung machen und Kinder zum Lachen bringen. Mit dem "Geheimen Tagebuch eines miesen Virus" ist das gelungen.

Sendung: hr4, 05.01.2021, 16.30 Uhr