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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Premiere: Jury kürt zwei Unwörter des Jahres

Unwörter des Jahres

Das Jahr 2020 hatte es bekanntlich in sich. Deshalb gibt es gleich zwei Unwörter des Jahres - eine Premiere in der rund 30-jährigen Geschichte der sprachkritischen Aktion.

"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften": Die Jury aus Sprachwissenschaftlern und Publizisten hat diese Wortschöpfungen am Dienstag zum Unwort-Paar des Jahres 2020 erklärt. Damit wurden zum ersten Mal zwei Unwörter des Jahres gekürt - üblicherweise vergibt das Expertengremium in Darmstadt den Negativtitel lediglich an einen Begriff.

Das vergangene Jahr sei in bisher kaum gekannter Weise von einem einzigen Thema geprägt worden, teilte die Jury zur Begründung mit. Mit der Wahl eines Unwort-Paares nehme man darauf Rücksicht, dass die Pandemie in der Öffentlichkeit, wie auch in den Vorschlägen dominiert habe. Sie mache aber zugleich darauf aufmerksam, dass auch in anderen Themenbereichen inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet wurden.

Die Gewinner: Zynisch, beschönigend, diskreditierend

"Rückführungspatenschaften" sei ein Begriff der EU-Kommission, mit dem neue Mechanismen der Migrationspolitik bezeichnet wurden. Das Wort sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.

Der Begriff der "Corona-Diktatur" sei seit Beginn des öffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten "Querdenkern" und rechten Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren.

"Querdenker" und "systemrelevant" am häufigsten vorgeschlagen

Insgesamt waren laut einer Sprecherin 1.826 Einsendungen eingegangen, es habe 625 unterschiedliche Vorschläge gegeben. 75 der Wörter entsprächen einem der vier Unwort-Kriterien.

Zum Thema Corona-Pandemie waren nach Angaben der Jury auch Begriffe wie "Absonderung", "Systemling", "Wirrologen" oder "Grippchen" unter den Einsendungen. Am häufigsten seien aber "systemrelevant" (180) und "Querdenker" (116) zum fast alles beherrschenden Thema des Jahres 2020 vorgeschlagen worden.

Es gab aber auch Vorschläge aus anderen Themengebieten. So seien im Zusammenhang mit Migration "Abschiebepatenschaft", "Ankerkinder" oder "Migrationsabwehr" vorgeschlagen worden.

Wörter, die gegen die Menschenwürde verstoßen

Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" möchte mit ihrer alljährlichen Aktion auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei werden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.

Reine Schimpfwörter zählen nicht. Vorschläge müssen eines der Kriterien erfüllen. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort. Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt. Im vergangenen Jahr war es "Klimahysterie". 2018 lautete das Unwort "Anti-Abschiebe-Industrie".

Sendung: hr-iNFO, 12.01.2021, 11.00 Uhr