Särge mit Corona-Toten

Ist ein Patient an oder mit Covid gestorben? Ist die Grippe nicht genauso tödlich wie Corona? Eine Auswertung der aktuellen Zahlen zur Übersterblichkeit in Hessen gibt Antworten.

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hessenschau vom 28.06.20212
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Die zweite Corona-Welle dauerte hierzulande bis etwa Mitte Februar. Aber in der Zahl der Todesopfer war sie deutlich länger zu spüren: In den sechs Wochen danach starben noch über 500 Menschen, die sich in der zweiten Welle infiziert hatten. Auch die dritte und bisher letzte Welle, obschon mit Inzidenzwerten unter 10 fast ausgelaufen, ist bei den Todesfällen noch nicht ausgestanden.

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Die Analyse der Todesfälle zeigt, dass über 80-Jährige kaum noch betroffen sind. Die Impfkampagne zeigt hier offenkundig Wirkung. Die Zahlen belegen aber auch, dass unter 60-Jährige bis zu ihrem Tod im Schnitt fast doppelt so viele Tage mit der Krankheit gekämpft haben.

Nicht schlimmer als eine schwere Grippe?

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben viele noch gehofft, dass es am Ende nicht schlimmer als eine Grippewelle wird. Es stimmt zwar: Auch die Grippewellen der 2010er Jahre haben in Hessen viele Tote gefordert. Aber vor allem die zweite Corona-Welle im vergangenen Winter war viel heftiger, trotz aller Schutzmaßnahmen. Das zeigen die Sterbefallzahlen des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen (HPLUG), die dem hr vorliegen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Übersterblichkeit infolge der Corona-Pandemie

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Die zweite Welle begann Ende September 2020. Damals schossen die Corona-Fallzahlen in die Höhe. Und etwas zeitversetzt die Sterbefallzahlen. Mitte Februar sank die Inzidenz vorübergehend, was als das Ende der zweiten Welle interpretiert wird. In jenem Zeitraum starben in Hessen insgesamt rund 5.900 Menschen mehr als im Durchschnitt der vier vorhergehenden Jahre.

Diese Zahl wird als Übersterblichkeit bezeichnet. Sie lag damit in der zweiten Corona-Welle deutlich höher als in der Grippewelle im Winter 2014/15. Damals registrierte das HPLUG rund 3.300 Tote mehr als im langjährigen Mittel. Im Grippewinter 2017/2018, der als besonders heftig gilt, waren es 2.800 Tote mehr - nicht einmal halb so viele wie in der zweiten Pandemie-Welle.

Coronavirus als Ursache für "Sterbe-Exzess"

Aber ist die enorme Übersterblichkeit wirklich Corona geschuldet? Die reinen Sterbefallzahlen gäben darüber zunächst keine Auskunft, sagt Helmut Uphoff, der für das Landesamt die Statistik führt und auswertet. Dennoch sieht er im Coronavirus die wahrscheinliche Ursache für den "Sterbe-Exzess", wie er es nennt. Denn die Übersterblichkeit entspricht ziemlich genau der Zahl derer, die laut RKI im selben Zeitraum nachweislich an oder mit Corona gestorben sind: etwa 5.700.

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Uphoff befasst sich schon seit 30 Jahren mit Sterbefallzahlen, aber so eine Übereinstimmung hat er selten gesehen: "Ich bin, ehrlich gesagt, ein bisschen erstaunt, dass das so gut übereinander gepasst hat." Er glaubt deshalb, dass die Gesundheitsämter die Corona-bedingten Sterbefälle sehr gut erfasst haben.

Menschen sterben an und nicht mit Corona

Ein weiterer Schluss liegt nah: Die meisten dieser Verstorbenen sind tatsächlich dem Virus zum Opfer gefallen. Wären sie auch ohne Corona gestorben, mit einer Virusinfektion als zufälliger Begleiterscheinung, würden die Sterbefallzahlen nicht so weit vom Durchschnitt abweichen. Gestützt wird diese Vermutung auch von Pathologen, die in Obduktionen meist zu dem Ergebnis kommen: Die Menschen sind an und nicht mit Corona gestorben.

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