Eine Jugendliche wird von einem Arzt geimpft. Er trägt medizinische Handschuhe und sticht mit einer Spritze in ihren Oberarm.

Bis zum Herbst soll jeder geimpft sein, der will. Aber es könnte sein, dass das für die angestrebte Herdenimmunität nicht reicht. Was tun, wenn die Impfwilligen knapp werden? Und heißt das, dass jetzt Kinder geimpft werden müssen?

Die Impfkampagne geht gut voran. Ärzte, Betriebe und Impfzentren in Hessen haben in den letzten drei Wochen jeweils knapp eine halbe Million Impfdosen gespritzt, Impfstoffe für die kommenden Wochen sind auch gesichert.

Dass das Impfen dennoch bald ins Stocken geraten könnte, ergibt eine einfache Rechnung: Wenn es mit dem derzeitigen Tempo weitergeht, sind in weiteren drei Wochen etwa 70 Prozent der Hessinnen und Hessen erreicht - das entspricht dann etwa dem Anteil der Bevölkerung, der tatsächlich vorhat, sich impfen zu lassen.

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Was die Menschen über Corona denken und wissen, fragt alle zwei Wochen das COSMO-Projekt ab - die Abkürzung steht für "Covid Snapshot Monitoring", also Covid-Momentaufnahme. In der aktuellen letzten Umfrage Ende Juni kam raus, dass 81 Prozent der 18- bis 74-Jährigen sich impfen lassen wollen. Zusammen mit den 12- bis 17-Jährigen, deren Eltern sich eine Impfung für sie vorstellen können, und den Älteren, für die das RKI eine Impfbereitschaft von 90 Prozent und mehr angibt, kann man errechnen, dass die Impfbereitschaft in Hessen eben jenen 70 Prozent entspricht.

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Das wird aber vermutlich nicht reichen - insbesondere, da die aggressive Delta-Variante inzwischen auch in Deutschland dominiert.

Herdenimmunität in Sichtweite - aber knapp außer Reichweite

Das Ziel ist die so genannte Herdenimmunität - wenn also genügend Menschen geimpft sind, und damit die Verbreitung des Virus so stark ausgebremst wird, dass auch die Ungeimpften geschützt sind. Das Robert-Koch-Institut hat mit Modellrechnungen und -szenarien diese Schwelle auf etwa 77 Prozent der Gesamtbevölkerung geschätzt - sie werde erreicht, wenn 85 Prozent der 18-59-Jährigen und 90 Prozent der besonders gefährdeten Älteren geimpft sind, was 77 Prozent der hessischen Gesamtbevölkerung entspräche. (Die für die COSMO-Studie befragten Menschen schätzen diese Schwelle übrigens etwas niedriger ein, als sie tatsächlich ist.)

In dieser Rechnung sind zwei Altersgruppen nicht enthalten: Die unter 12-Jährigen, für die derzeit kein Impfstoff zugelassen ist, und die 12- bis 17-Jährigen, die mit dem BioNTech-Impfstoff geimpft werden dürfen, wenn ein Arzt es empfiehlt. Bislang rät die Ständige Impfkommission (STIKO) davon ab, alle 12- bis 17-Jährigen zu impfen. Müssten aber die Schulkinder mitgeimpft werden, damit die Herdenimmunität erreicht werden kann?

Was gegen Impfungen für alle Schülerinnen und Schüler spricht

Der Grund, dass die STIKO von einer Impfung für alle Schülerinnen und Schülern abrät: Den Jüngeren bringt die Impfung für sie selbst praktisch nichts. Das Risiko, schwer an Corona zu erkranken, sei für sie extrem gering - auch gäben sie das Virus selten weiter, argumentiert Prof. Thomas Mertens, der STIKO-Vorsitzende: In drei Vierteln der Fälle steckten sich Kinder im eigenen Haushalt an. "Die Empfehlung der STIKO ist einfach die: Ein ansonsten gesundes Kind muss nicht geimpft werden."

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Tatsächlich fallen die 12- bis 17-Jährigen rein zahlenmäßig nicht sehr ins Gewicht. STIKO-Vorsitzender Mertens fasst den Stand der Wissenschaft so zusammen: Der beste Schutz für die Kinder sei, wenn die Erwachsenen sich impfen lassen. Und zwar möglichst viele von ihnen.

Wie aber die Impfquote bei den Erwachsenen erhöhen? In der COSMO-Studie und einer weiteren aktuellen Untersuchung finden sich Antworten.

Impfen ist auch eine soziale Frage geworden

Die COSMO-Studie hat untersucht, was für eine erhöhte Impfbereitschaft sorgt - und findet einen wichtigen Faktor: Die Sorge um andere. "Wer andere mitschützen kann, ist eher impfbereit", schreiben die Studien-Autoren. Dass der beste Schutz für die Kinder also die Impfung der Erwachsenen ist, müsste die Werbung für die Impfung mehr in den Mittelpunkt stellen. Und die Wissenschaftler raten, zu den Menschen hinzugehen, die noch keine Impfung erhalten haben.

Zitat
„Da das Nutzen-Risiko Verhältnis der Impfung für Erwachsene positiver ausfällt, sollte eine zu niedrige Impfbereitschaft der Erwachsenen nicht durch die Impfung von Jugendlichen und Kindern ausgeglichen werden.“ Zitat von COSMO-Studie der Uni Erfurt
Zitat Ende

Impfen wird zunehmend auch zur sozialen Frage - das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat den Impffortschritt nach Einkommensklassen getrennt untersucht. Dass Corona ärmere Menschen tendenziell härter trifft, war bekannt. Nun haben die WSI-Forscher belegt, dass sie auch beim Impfen zurückliegen.

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Die Empfehlung des WSI: verstärkt in Betrieben mit Geringverdienern impfen. Damit unterstützen sie die Empfehlung der COSMO-Forscher, die einen besseren Zugang zu Informationen und Impfungen für Zögerliche empfehlen: "Gerade wenn Impfzentren in Zukunft wegfallen, sollten Personen ohne Hausarzt unterstützt werden, einen alternativen Impfort zu finden - besonders an Orten, an denen es an Allgemeinmedizinern mangelt." Das Papier des WSI nennt als Beispiel den Einzelhandel - unter den Verkäuferinnen und Verkäufern und ihren Kollegen seien derzeit nur knapp über 50 Prozent geimpft.

Gerade die Heldinnen und Helden der Pandemie haben beim Impfen derzeit das Nachsehen.

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