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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessische Experten treten Impf-Bedenken entgegen

Ein Mensch erhält eine Impfspritze in den Obenarm

Städte und Kreise bereiten sich auf die Corona-Massenimpfung vor, Mitte Dezember sollen die Impfzentren bereit sein. So mancher überlegt, ob er sich wirklich gleich impfen lassen möchte. Experten zerstreuen etwaige Bedenken.

Impfen lassen oder nicht – diese Frage beschäftigt im Moment viele Menschen in Hessen. Bei einer Zufallsumfrage zeigt sich: Viele sind vorsichtig. Constanze Müller zum Beispiel. Die 37-jährige Frankfurterin ist zwar grundsätzlich für Impfungen. Bei den innerhalb weniger Monate entwickelten Corona-Impfstoffen sagt sie aber: "Ich werde abwarten, bis sich ein paar Leute haben impfen lassen, und mir das angucken." Damit steht sie nicht alleine.

Nach einer kürzlich publizierten Umfrage des Datenerhebungs-Unternehmens Dynata wollen rund 28 Prozent der Befragten in Deutschland erst mal abwarten, wie das Präparat bei anderen wirkt. Rund zehn Prozent wollen sich auf keinen Fall impfen lassen. Viele fragen sich: Was weiß man über die Langzeitwirkungen? Besonders ratlos schauen viele auf die so genannten mRNA-Impfstoffe. Diese Stoffe haben einen Wirk-Mechanismus, der für Massenimpfungen noch nie verwendet wurde. Sie bringen den Körper dazu, Teile des Coronavirus selbst zu bauen. Dadurch soll sich das Immunsystem auf den Erreger einstellen können.

Paul-Ehrlich-Institut: Impfstoff kann Erbgut nicht schädigen

Nach diesem neuartigen Prinzip funktioniert auch der Impfstoff, den das Mainzer Unternehmen Biontech zusammen mit dem US-Pharma-Riesen Pfizer entwickelt hat. Dieser Stoff könnte bald in Europa zugelassen und dann auch in die Oberarme von Millionen Hessen gespritzt werden.

Manche treibt die Angst um: Könnten solche Stoffe das menschliche Erbgut verändern? Am Ende sogar Krebs verursachen? Experten halten diese Angst aber für unbegründet. Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt ist in die europäische Impfstoff-Zulassung eingebunden, und es beruhigt: Dass der Impfstoff ins Erbgut aufgenommen werde, sei aufgrund der chemischen Struktur unmöglich.

Virologe Becker: Meldungen von Biontech beeindruckend

Das sieht auch der Marburger Virologe Stephan Becker so. Aber er sagt zum Biontech-Impfstoff auch: "Da wissen wir noch gar nicht so richtig, wie das Nebenwirkungsprofil aussieht." Denn klinische Studien sind noch nicht veröffentlicht. Aber die Meldungen des Unternehmens findet er beeindruckend: Rund 44.000 Menschen ist demnach der Stoff gespritzt worden, von gravierenden Nebenwirkungen ist nichts bekannt. Und das bei einer Wirksamkeit von offenbar über 90 Prozent.

Die Bilanz beruhigt auch Sabine Wicker. Sie ist Arbeitsmedizinerin an der Uniklinik Frankfurt und Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI). Sie habe sich die Zahlen von Biontech angesehen und gefragt: "Reicht mir das, um die Entscheidung zu treffen, ich lass mich impfen?" Sie kam zu dem Schluss: "Ja, mir reicht das aus."

Impfziel sind 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung

Wenn sich sehr viele Menschen so entscheiden wie sie, hofft Wicker, lasse sich Corona stoppen. Wie die meisten Experten geht sie davon aus, dass dafür 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung gegen den Erreger geimpft sein müssen - die Schwelle für die so genannte Herdenimmunität.

Wem die Entscheidung schwer fällt, empfiehlt Wicker, es einmal anders herum zu betrachten. Was sei den das Risiko des Nicht-Impfens? Wer nicht geimpft sei, könne an Covid-19 erkranken und auch andere anstecken. Das könne im schlimmsten Fall tödlich enden. Die Zahlen geben Wicker Recht: Wie das RKI am Freitag meldete, sind in Hessen in den vergangenen 24 Stunden weitere 36 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2020, 10.10 Uhr