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Impfung in Apotheken, Zahn- und Tierarztpraxen

Menschenschlange vor einer Apotheke - aus der Froschperspektive fotografiert.

30 Millionen Impfdosen sollen in Deutschland noch bis Weihnachten verimpft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfen künftig auch Tierärztinnen, Apotheker und Zahnärzte Spritzen gegen das Virus setzen. Hinter der Umsetzung stehen aber große Fragezeichen.

Plötzlich ging alles ganz schnell: In einer Sondersitzung haben Bundestag und Bundesrat am Freitag beschlossen, dass künftig auch in Tier- und Zahnarztpraxen sowie in Apotheken gegen Corona geimpft werden darf.

So schön, so gut. Schließlich sollen nach den Vorstellungen des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) täglich ein bis zwei Millionen Impfspritzen bis Jahresende in Deutschland gesetzt werden. Bei der Frage nach der praktischen Umsetzung kommen den Betroffenen allerdings Zweifel.

Tierärzte ohnehin überarbeitet

Ulf Riedel, Vorsitzender des Tierärzteverbands Hessen, steht der neuen Aufgabe noch skeptisch gegenüber. "Wir haben so schon relativ viel zu tun und wissen eigentlich nicht, wo wir die Termine unterbringen sollen. Deswegen sind wir jetzt nicht wahnsinnig wild darauf, Impfungen für Humanpatienten anzubieten."

Er schlägt vor, dass die Impfungen durch Tierärztinnen und -ärzte nicht im Rahmen der eigenen Praxis stattfinden. Stattdessen sollten die Tierärzte ihre Dienste in Impfzentren, Impfpraxen und beim mobilen Impfen anbieten können. Fachlich, so Riedel, "sehe ich überhaupt kein Problem".

Die Rahmenbedingungen müssten nun dringend geklärt werden. Dazu zählt neben der Frage, wie Tierarztpraxen eine Impfung an menschlichen Patientinnen und Patienten abrechnen können, vor allem die Behandlung der Impfwilligen. "Im Falle, dass einer der Patienten ein allergisches Problem hätte, müssten wir dann auch behandeln dürfen. Denn das dürfen wir momentan nicht."

Große Bereitschaft unter Zahnärzten...

Weniger verhalten äußerte sich der Präsident der Landeszahnärztekammer, Michael Frank. Vor Kurzem sei eine Umfrage unter den Zahnarztpraxen gestartet worden, um herauszufinden, wie hoch die Bereitschaft zum Impfen sei. "Wir haben innerhalb von zwei Tagen mehrere Hundert - es geht nah an die Tausend - Rückmeldungen bekommen, dass die Kollegen bereit wären, sich an der Aktion zu beteiligen", berichtet er.

Auch Frank wolle in seiner Zahnarztpraxis impfen. Er bezweifle jedoch, dass er direkt in der kommenden Woche mit den Impfungen beginnen kann. "Es gibt eine Reihe von technischen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. und ich glaube, da werden wir noch ein paar Tage länger brauchen."

...aber noch viele offene Fragen

Geklärt werden muss demnach, wie Zahnärzte ihren Patienten ein Zertifikat über die Impfung ausstellen können. Auch die Abrechnung der Impfkosten durch die Praxen sei noch nicht geklärt.

Bereits vor einigen Tagen hatte die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung gemeinsam mit der Bundeszahnärztekammer eine Stellungnahme zu dem Gesetzesentwurf vorgelegt. Darin erklärten sie unter anderem, dass es notwendig sei, festzuhalten, dass das Impfen auch bei Zahnärztinnen künftig von der Haftpflichtversicherung abgedeckt wird. Was bedeutet: Impfen müsste bald ebenfalls als zahnärztliche Leistung gewertet werden.

Vorbereitungen für Schulungen laufen

Auch in den Apotheken kann nicht einfach so losgeimpft werden. Dort muss nicht nur eine technische Infrastruktur geschaffen werden - vor allem ist Impfen kein Teil der Ausbildung von Apothekerinnen und Apothekern.

"Da es in Hessen noch kein Modellvorhaben für Grippeschutzimpfungen in Apotheken gibt, konnten hessische Apotheker bislang auch keine entsprechende Schulung absolvieren", sagt Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer. Eine solche Schulung umfasse auch das Erlernen der Notfallbetreuung von Patienten im Falle einer Impfreaktion.

Auch die Frage nach dem nötigen Platz in den Apotheken sei zentral. Ohne den könne auch kein zusätzliches Impfangebot gemacht werden.

Werden künftig alle in Apotheken geimpft?

Annette Heinz, Apothekerin aus Frankfurt-Bockenheim möchte die Impfungen künftig durchführen. Der Schulung steht sie sehr optimistisch gegenüber. "Es ist ja kein Hexenwerk. In vielen Praxen impfen nicht die Ärzte, sondern die Fachangestellten."

Es sei wichtig, dass es mit dem Impfen schnell voran gehe. Und dabei könnten die Apotheken eine Hilfe sein. "Es ist ja auch schon lange im Gespräch, dass wir bei Grippeimpfungen mithelfen sollen, und ich denke mal das wird auch die Zukunft sein."

Keine Impfung ohne Impfstoff

Das Problem sieht Heinz nicht im Impfen selbst, sondern in der Verfügbarkeit des Impfstoffs. "Es muss mehr Nachschub kommen, sonst macht das keinen Sinn. Wenn nicht genug für die Ärzte da ist, brauchen die Apotheken nicht anfangen." 

Auch Zahnarzt Michael Frank sieht die Logistik als zentralen Punkt der Impfkampagne an. Er sei jedoch optimistisch, dass bald wieder mehr Impfstoff zur Verfügung steht. "Da wird es keine Verteilungskämpfe geben nach dem Motto: Ich brauche den Impfstoff, und du bekommst nichts. Wir werden das sicher in einer vernünftigen Weise lösen können."

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