Das Coronavirus grassiert längst in hessischen Altenheimen. Oft wird es von Mitarbeitern und Besuchern mitgebracht. Experten erhoffen sich Abhilfe durch Schnelltests. Doch von schnell kann keine Rede sein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pflegeheime warten auf Schnelltests

Corona Schnelltest
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Nirgendwo sonst fordert das Coronavirus so viele Opfer wie in Alten- und Pflegeheimen. Allein in diesem Monat sind in Hessen schon rund 100 Heimbewohner in Zusammenhang mit Corona gestorben. Das geht aus einer Statistik des Regierungspräsidiums Gießen hervor. Eindämmen, so glauben Experten, ließe sich das Virus auch mit Hilfe von Schnelltests.

Besucher und Mitarbeiter könnten dann, bevor sie das Heim betreten, innerhalb einer halben Stunde erfahren, ob sie für die Bewohner eine potenziell tödliche Gefahr darstellen. Die Bundesregierung hat solche Schnelltests schon Mitte Oktober mit einer Verordnung möglich gemacht. Doch in hessischen Heimen sind sie noch Mangelware.

Lieferung "mit Glück" bis Mitte Dezember

Frederic Lauscher ist für acht Alten- und Pflegeheime in Frankfurt verantwortlich, er ist Geschäftsführer des Frankfurter Verbandes. Er hat schon 4.000 Schnelltests bestellt. Mit einer Lieferung rechnet er erst Mitte Dezember – "wenn ich Glück habe".

Etwas optimistischer ist Michael Schmidt, Geschäftsführer der AWO Nordhessen. Er hat für die 30 Heime des Verbandes gleich 44.000 Tests bestellt. Der Vertrieb habe ihm eine Lieferung in ein bis zwei Wochen versprochen. Aber auch ihm fällt das Warten schwer, denn das Virus verbreitet sich schnell.

Hessen verlor wertvolle Zeit

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek spricht sich für solche Tests in Altenheimen aus, "bei Besuchern und Mitarbeitern". Zwar schlügen die Antigen-Schnelltests erst ab einer bestimmten Virusmenge im Körper an – Infektionen im Anfangsstadium könnten also übersehen werden. Aber man erkenne sehr gut, ob jemand ansteckend sei.

Möglich sind solche Tests schon länger, seit Mitte Oktober gibt es eine Bundes-Verordnung, die auch die Erstattung der Kosten vorsieht. Dafür müssen die Träger der Heime ein Testkonzept bei den Gesundheitsbehörden einreichen. Doch bei der Umsetzung habe das Land Hessen Zeit verloren, kritisiert Frederic Lauscher vom Frankfurter Verband. Überhaupt wirft er der Politik vor, den Sommer verschlafen zu haben. Es fehle noch immer eine umfassende Teststrategie.

Hin und Her bei den Behörden

Lauscher kritisiert ein Hin und Her bei der Antragstellung. Erst sollten die Träger ihr Konzept beim örtlichen Gesundheitsamt einreichen. Drei Wochen später habe dann das Hessische Sozialministerium das Verfahren an sich gezogen, er habe sein Konzept noch mal nach Wiesbaden schicken müssen.

Jetzt ist Lauschers Bestellung auf dem Weg, genau wie die von Michael Schmidt von der AWO Nordhessen. Allein die ersten Testcharge koste 300.000 Euro, sagt Schmidt. Deshalb habe er auch erst jetzt bestellt, denn jetzt erst sei die Kostenerstattung gesichert. Wertvolle Zeit sei inzwischen verstrichen.

Das Hessische Sozialministerium hat den Heimträgern nun versprochen: Die erste Testcharge werde auf jeden Fall erstattet. Auf hr-Anfrage erklärt das Ministerium, erst für die Folgebestellung müsse ein genehmigtes Testkonzept vorliegen. 20 Tests pro Monat und Heimbewohner sollen erstattet werden. Jetzt müssen die Heime noch bestellen - und auf die Lieferung warten, während wertvolle Zeit verstreicht.

Sendung: hr-iNFO, 16.11.2020, 7.09 Uhr