Ansicht der Baptistenkirche in Frankfurt

Die Zahl der Corona-Infizierten in Zusammenhang mit einem Gottesdienst in einer Frankfurter Baptisten-Kirche ist noch weiter gestiegen. Nach aktuellen Erkenntnissen haben sich über 100 Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet und der Wetterau angesteckt.

Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten in Frankfurt-Rödelheim werden immer mehr Corona-Fälle bekannt. "Stand jetzt haben sich mindestens 107 Personen mit Wohnsitzen in Frankfurt und drei weiteren hessischen Landkreisen infiziert", teilte Gesundheitsminister Kai Klose am Sonntag mit. Am Samstag war man noch von rund 40 Fällen im gesamten Rhein-Main-Gebiet ausgegangen.

Minister Klose betonte: "Diese Situation zeigt, wie wichtig es ist, dass wir alle - gerade während der Lockerungen, die jetzt wieder möglich gemacht werden - wachsam bleiben und nicht leichtsinnig werden." Denn: "Das Virus ist weiterhin da und will sich verbreiten."

Allein in Frankfurt hätten sich dadurch mehr als 40 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, wie der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt, René Gottschalk, am Sonntag sagte. 26 weitere Infizierte wohnen im Wetteraukreis und 17 in Hanau. Zudem gibt es dem Sozialministerium zufolge noch mehrere Fälle im Hochtaunuskreis. Möglicherweise seien auch noch andere Landkreise betroffen, sagte eine Sprecherin. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest.

Gesundheitsamt: "Nicht bei Gottesdienst angesteckt sondern danach"

Die meisten hätten sich nicht bei, sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt, sagte Gottschalk. "Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus." Die Einzelfälle würden nachverfolgt. "Wir haben das gut im Griff", so Gottschalk.

Wie es den 17 Infizierten in Hanau gehe, wisse er nicht, sagte Daniel Freimuth vom Krisenstab der Brüder-Grimm-Stadt am Sonntag. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) habe noch keine Informationen vom zuständigen Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises bekommen. Kaminsky kritisierte den Informationsfluss zu dem Infektionsgeschehen. "Das grenzt an organisierte Unverantwortlichkeit."

Im Wetteraukreis wurden im Zusammenhang mit den 26 Infizierten weitere 76 Menschen in Quarantäne geschickt, wie der Kreis am Sonntag berichtete.

"Bei uns sind aber alle Regeln eingehalten worden"

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der Frankfurter Baptisten-Gemeinde, Wladimir Pritzkau, hatte am Samstag gesagt, es befänden sich sechs Betroffene in Krankenhäusern. Die anderen seien zu Hause. "Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte der 64-Jährige. "Bei uns ist es eine schwierige Lage." Zuvor hatte die "Frankfurter Rundschau" berichtet.

Wie viele Besucher zu dem Gottesdienst am 10. Mai gekommen waren, könne er "nicht genau sagen", meinte Pritzkau. "Bei uns sind aber alle Regeln eingehalten worden." Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern.

Gebet in Stadion für Muslime abgesagt

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau haben wegen der Infektionen ein für Sonntag geplantes gemeinschaftliches Gebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich, hieß es. Es sei derzeit auch noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die Region hätten.

Zudem hätten der Muslimische Arbeitskreis und mehrere Moscheen für das Zuckerfest-Gebet geworben. Daher sei mit bis zu 1.000 Teilnehmern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet zu rechnen gewesen. Ein Gebet mit maximal 100 Gläubigen in einer Hanauer Moschee sei aber für Montag erlaubt worden, sagte Freimuth.

Über die Zahl der Gemeindemitglieder insgesamt wollte Pritzkau keine Angaben machen. Die meisten kämen aus dem Raum Frankfurt. In der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten finden die Gottesdienste laut Homepage in deutscher und russischer Sprache statt.