Eine Mitarbeiterin eines mobilen Testbusses für Corona-Schnelltests hält einen negativen Antigentest in der Hand.

Seit Montag schlüsselt das Gesundheitsministerium die Inzidenz nach Impfstatus auf. Der Unterschied ist groß: Während der Wert für Ungeimpfte bei über 270 liegt, bewegt er sich bei Geimpften im einstelligen Bereich.

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Innerhalb weniger Tage sind die Infektionszahlen in Hessen rapide angestiegen. Am Montag lag die landesweite 7-Tage-Inzidenz laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei knapp 117 - so hoch wie in keinem anderem Bundesland. Dass vor allem die Corona-Fälle unter Ungeimpften den Wert in die Höhe treiben, scheint einleuchtend - nun zeigen neue Daten des Gesundheitsministeriums, wie beträchtlich ihr Anteil am Infektionsgeschehen ist.

Denn die Inzidenz wird künftig im täglichen Corona-Bericht des Ministeriums nach Impfstatus aufgeschlüsselt. Dabei offenbarte sich am Montag ein deutlicher Unterschied: Unter Ungeimpften lag die Inzidenz bei 270,2, unter den Geimpften dagegen bei 9,7.

Klose: "Zahlen belegen, wie wirksam Impfung ist"

In die Berechnung fließen Infizierte ab zwölf Jahren ein - jüngere Kinder dagegen, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist, tauchen in der Statistik nicht auf. Zu der Gruppe der Ungeimpften werden laut dem Ministerium auch Menschen gerechnet, die noch nicht vollständig geimpft sind oder bei denen der Impfstatus nicht bekannt ist.

Schon vergangene Woche, bei der Ankündigung der neuen Statistik, hatte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) erste Zahlen genannt: Die Inzidenz unter Ungeimpften hatte am Freitag demnach bei 262 gelegen, unter den Geimpften dagegen bei knapp 13. "Diese Zahlen belegen eindrücklich, wie wirksam die Impfung ist. Es infizieren sich weit überwiegend Ungeimpfte", hatte der Minister dazu erklärt. "Impfen ist der wichtigste Beitrag zum Selbstschutz, zum Schutz der Nächsten und zum Gemeinschaftsschutz, den jede und jeder erbringen kann."

Unschärfe in Aussagekraft?

Die Zahlen zeigen auch, dass nicht jeder vollständig Geimpfte komplett vor ein Infektion gefeit ist - sogenannte "Impfdurchbrüche" kommen bei einem gewissen Prozentsatz vor. Die Impfung schützt allerdings mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor einem schweren Verlauf der Erkrankung. Das zeigt sich auch an den Belegungszahlen der Krankenhäuser: So waren zum Beispiel Ende August laut RKI rund 94 Prozent der Covid-19-Intensivpatientinnen und -Patienten in Deutschland ungeimpft. Spezifische Zahlen für Hessen liegen laut Ministerium nicht vor.

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Getrennte Zahlen noch nicht auf hessenschau.de

Wir arbeiten daran, die Inzidenzen auch auf unserer Übersichtsseite zu Corona nach Impfstatus aufzuschlüsseln. Bis dahin finden Sie die Zahlen im Laufe des Tages im Corona-Ticker - oder direkt im Bulletin des Ministeriums.

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Dennoch gibt es Kritik an der Aussagekraft der aufgeschlüsselten Inzidenzzahlen. Eines der Argumente: Da sich Ungeimpfte öfter testen lassen müssen - zum Beispiel vor dem Restaurant- oder Fitnessstudio-Besuch - würden Infektionen bei ihnen häufiger nachgewiesen. Bei Geimpften dagegen, die von der Testpflicht befreit sind, bleibe das Virus oft unentdeckt.

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Eine Mitarbeiterin eines mobilen Testbusses für Corona-Schnelltests hält einen negativen Antigentest in der Hand.
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Dem widerspricht ein Datenexperte des SWR. "Wir wissen, dass Schnelltests während der dritten Welle kaum Infektionsherde aufdecken konnten", erklärt Nico Heiliger. "Der große Anteil der Infizierten wird durch PCR-Tests gefunden, die hauptsächlich bei Symptomen und der Kontaktnachverfolgung zum Einsatz kommen - egal ob geimpft oder nicht." Die Dunkelziffer bei Geimpften sei deswegen aktuell nicht überdurchschnittlich hoch.

Hessen eines der ersten Bundesländer

Bisher weisen nur wenige andere Bundesländer, darunter Bayern und Baden-Württemberg, die Inzidenz getrennt nach Ungeimpften und Geimpften aus. Dabei zeigen sich ebenfalls große Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Bayern, das die getrennten Zahlen einmal wöchentlich aktualisiert, wies am Mittwoch bei Ungeimpften eine Inzidenz von knapp 159 aus, bei Geimpften von 11. In Baden-Württemberg lagen die Werte Ende vergangener Woche bei 17 (Geimpfte) bzw. 193 (Ungeimpfte).

Auch Hamburg und Bremen haben die Inzidenz zwischenzeitlich aufgeschlüsselt, doch die Berechnung warf laut tagesschau.de schnell Fragen auf. In Hamburg zum Beispiel wurden die Zahlen auf die Gesamtbevölkerung bezogen, was den Experten zufolge wenig sinnvoll ist.

In Hessen erfolgt die Berechnung laut einem Sprecher des Ministeriums dagegen ähnlich wie in Bayern: Die Zahl der infizierten Ungeimpften wird auf den Anteil der Ungeimpften in der Bevölkerung bezogen, ebenso bei den Geimpften.

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