Gesundheitsamt Heppenheim

Seit Rimbacher Schüler von einer Skifreizeit in Südtirol zurückkehrten, sitzen sie in Corona-Quarantäne - teils auch ihre Eltern. Die fühlen sich vom Kreis schlecht informiert.

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Umarmt habe sie ihre Tochter Julia noch kein einziges Mal, seit sie am vergangenen Freitag aus dem Bus aus Südtirol gestiegen sei, berichtet Christina Schmidt am Telefon. Vertreter des Gesundheitsamts des Kreises Bergstraße beriefen kurz vor der Rückkehr der Schülergruppe von der Martin-Luther-Schule in Rimbach von einer Skifreizeit ein Gespräch mit den Eltern ein und rieten davon ab. Mehr noch, erzählt Schmidt: Weil sie Julia in ihrer Wohnung nicht einzeln unterbringen könne und sie selbst als Köchin für eine Kindertagesstätte arbeite, habe ihr das Gesundheitsamt zur Quarantäne gemeinsam mit ihrer Tochter geraten.

Ebenso erging es dem Versicherungsvertreter Christian Seiler aus dem Nachbarort Mörlenbach, dessen Sohn Felix ebenfalls das Gymnasium in Rimbach besucht und vorige Woche mit der Skifreizeit-Gruppe aus dem Corona-Risikogebiet heimkam. Zudem arbeitet seine Frau als Krankenschwester. Daher sei schnell klar gewesen, dass ihre ganze Familie 14 Tage lang in Quarantäne müsse, erzählt Seiler am Telefon.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Christian Seiler aus Mörlenbach berichtet aus der Quarantäne

Christian Seiler aus Mörlenbach berichtet aus der Corona-Quarantäne
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Über soziale Isolation klagen beide nicht. Beide hatten noch Zeit für Hamsterkäufe. Seiler berichtet, Nachbarn und Bekannte meldeten sich oft bei ihnen. Manche hätten ihnen sogar Carepakete vor die Haustür gestellt. Schmidt sagt, die Schule habe einen Videochat eingerichtet und schicke Aufgaben per Mail. Insofern sei alles gut organisiert.

Sorge um Gehaltsfortzahlung

Schwierigkeiten beklagen die Eltern hingegen in der Kommunikation mit dem Kreis Bergstraße. Nach der für sie klaren mündlichen Empfehlung zu häuslicher Isolation am Freitag habe der Kreis in einem Brief Anfang dieser Woche nur für die 99 Schüler und ihre zehn Begleiter, die in Südtirol waren, Quarantäne angeordnet.

In einem späteren Brief des Landrats Christian Engelhardt an die Eltern, der dem hr vorliegt, ist ausdrücklich von "freiwilliger Quarantäne" die Rede. Für Christina Schmidt und andere Eltern stellt sich deshalb unter anderem die Frage, ob sie ihr Gehalt weiter beziehen. Ob ihre Quarantäne angeordnet wurde oder freiwillig erfolgte, könnte sich dabei als springender Punkt erweisen.

Landrat: "nicht ganz optimal gelaufen"

Die Eltern haben auch von einer Südtirol-Reisegruppe aus Griesheim (Darmstadt-Dieburg) gehört, wo zwar auch die Schüler allesamt in vorsorgliche Quarantäne mussten. Dort dürfen die Eltern aber weiter ihr haus verlassen - sofern ihr Kind nicht Symptome zeigt, die auf eine Corona-Infektion hinweisen.

Landrat Engelhardt verspricht am Mittwoch: "Die Eltern werden noch mal ein persönliches Schreiben bekommen, in dem detailliert beschrieben wird, welches Verhalten an den Tag gelegt werden soll." Alle Eltern müssten sich an die Empfehlungen halten, die sie am Freitag erhielten, fügt er hinzu.

Engelhardt räumt allerdings ein, dass die Kommunikation mit den Eltern "nicht ganz optimal" verlaufen sei. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts hätten nur wenige Stunden vor dem Gespräch mit den Eltern darauf vorbereitet werden können, da die Einstufung Südtirols als Risikogebiet erst kurz vor der Rückkehr der Rimbacher Schüler erfolgt sei. Man habe sich kurzfristig um immerhin 109 Rückkehrer kümmern müssen.

Noch keine endgültigen Testergebnisse

Endgültige Testergebnisse der Rimbacher Reisegruppe lägen noch nicht vor, sagt Engelhart. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass keine der sieben am Freitag getesteten Personen mit dem Coronavirus infiziert sei. Inzwischen seien zwei weitere Personen getestet worden, weil sie Symptome gezeigt hätten.

Ob Christina Schmidt und Christian Seiler auch bei negativen Ergebnissen volle 14 Tage mit ihren Familien in Quarantäne bleiben müssen, sei unklar, sagt Engelhardt: "Das ist etwas, was wir täglich neu bewerten müssen. Es kann sein, dass in Absprache mit dem Gesundheitsministerium ein Aufheben der Quarantäne möglich ist."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.03.2020, 19.30 Uhr